ältesten Herrschergeschlechtern der Monarchieen . Der Vater Abdul Medschid ' s , der politische Reformator Mahmud II. , der die Janitscharen opferte und das Tansimat gab , verlegte die Residenz aus dem Serail , das noch von dem Blute seines am 28. Juli 1808 ermordeten Bruders und Sultans rauchte , nach den Bosporus-Palästen , um mit den Erinnerungen zu brechen , die sich für sein Geschlecht an jene Mauern knüpften . Er erbaute das Palais von Tschiragan am Ufer des Bosporus , nahe der Stadt , in dem noch der gegenwärtige Sultan residirt , bis das neue , von ihm erbaute und unfern , noch näher den Vorstädten belegene Palais vollendet ist . Zahlreiche Kiosks und Schlösser auf beiden Seiten des Bosporus und seinen zauberischen Höhen dienen außerdem zum wechselnden Aufenthalt des Sultans . Das ganze europäische Ufer des Bosporus bis Bujukdere hin ist bedeckt von Palästen und Landhäusern , die theils den türkischen Großen , theils den Gesandten und reichen Kaufleuten Constantinopels gehören , wo dieselben zur Zeit des Frühjahrs , Sommers und Herbstes wohnen . Während die Vorderfront der Häuser und Villen die Wellen des Bosporus bespülen , strecken sich auf der Rückseite prächtige Gartenterrassen an der steilen Bergwand in die Höhe . Es kann natürlich nicht die Absicht dieses Buches sein , eine umfassende und detaillirte Beschreibung Constantinopels zu geben , das durch den gegenwärtigen Krieg Europa erst nahe gerückt ist . Zahlreiche ältere und neuere Reisebeschreibungen liefern eine solche weit besser und ausführlicher . Der Autor hatte nur die Aufgabe , dem Leser zur Verständniß der Scenen und der Erzählung , die uns häufig in diesen Centralpunkt des großen Kampfes zurückführen muß , eine allgemeine Topographie zu geben , die näheren örtlichen und Sitten-Schilderungen den einzelnen Gelegenheiten überlassend . Nur über das Verhältniß der Frauen des Orients bleibt uns noch Einiges im Allgemeinen zu sagen . Die Lage derselben wird in Europa noch vielfach falsch aufgefaßt , und die vage Meinung der Menge glaubt jeden Moslem im Besitz eines kleinern oder größern Harems und die Frauen des Orients als gänzlich willenlose untergeordnete , dem Herrn des Hauses knechtisch gehorchende Wesen . Dies ist keinesweges der Fall . Die meisten Staats-und Privatintriguen entspinnen sich im Harem und werden dort geleitet . Der Moslem , bis zum Sultan hinauf , steht so gut unter ' m Pantoffel , wie der Abendländer , und die Macht und Freiheit der Frauen ist - wenn auch außer dem Hause ziemlich beschränkt - in dessen Innern eine sehr große . Die Dragomans und die Harems der Würdenträger sind die politischen Faiseurs des Orients . Es ist dem Mohamedaner erlaubt , vier Frauen zu heirathen , und dieselben gelten als seine rechtmäßigen Gattinnen ; die Zahl der Frauen des Sultans kam sich auf sieben belaufen , doch ist es selten , daß dieser wirklich auch nur mit einer die gesetzliche Ceremonie der Heirath vollzieht . Jeder Türke hat dagegen das Recht , so viele Sclavinnen zu halten , als er will und seine Verhältnisse erlauben2 . Dieselben sind dann die Dienerinnen seiner rechtmäßigen Frauen , wenn er solche hat , oder seine Odalisken , und während ihre Reize ihm gehören , - wozu jedoch ihre freie Einwilligung gehört , - haben sie keinerlei Rechte der Gattinnen . Die Geburt eines Kindes , gleichviel ob Knabe oder Mädchen , von ihrem Herrn macht die Sclavin und das Kind jedoch frei . Dies ist einer der Gründe , weswegen trotz der erlaubten Vielweiberei und des übermäßigen Genusses des geschlechtlichen Umganges die Zahl der türkischen Bevölkerung so gering ist und von Jahr zu Jahr abnimmt . Um dem durch die Fruchtbarkeit drohenden Verlust der Sclavinnen zu entgehen , existiren jene empörenden Geheimnisse der Harems , welche die Frucht im Mutterleibe ersticken , oder das Weib zu seiner erhabenen natürlichen Bestimmung unfähig machen . Der allgemeine Gebrauch dieser schändlichen Mittel ist theils ein erzwungener , theils ein freiwilliger . Denn selbst die angetrauten Frauen scheuen sich dessen nicht , und in den Harems der Reichen wird er häufig als Mittel betrachtet , den Vorzug über die Nebenbuhlerinnen zu gewinnen , und gerade hierin liegt der zweite Grund zu jener Erschlaffung des osmanischen Geschlechts . Da dem Muselmann die Liebe nur ein sinnlicher Begriff ist , sucht die Frau oder Odaliske jedes Mittel auf , alle die Sinnlichkeit des Mannes fesselnden Reize so lange als möglich zu bewahren und benutzt eben dazu jene Mittel , sobald sie ihm ein Kind geboren hat . Daher kommt es , daß , während im christlichen Europa die Kinderzahl in den Familien eine durchschnittlich bedeutende , namentlich bei den unteren Ständen , ist , in der Türkei bei den Familien der mittleren und unteren Stände selten mehr als ein oder zwei Kinder gefunden werden . Selbst der Sultan besitzt nur zwölf Kinder . Es ist eine in politischer und physischer Hinsicht anerkannte Thatsache , daß eine gänzliche Abschneidung der Zufuhr von Frauen aus Georgien und Circassien und die darauf basirte Regeneration des Blutes der Türkei den Lebensnerv ihrer gegenwärtigen Einrichtungen abschneiden würde . Daher jenes vorerwähnte russische Verbot . Wir bedauern , auf diese Details eingehen zu müssen , indessen ist es für die Aufgabe der treuen Schilderung , die wir uns gestellt , unbedingt nothwendig . Wir nehmen daher dieses Recht und diese Entschuldigung auch für Scenen in Anspruch , die sonst das ästhetische und moralische Gefühl beleidigen würden . Verschiedene Anordnungen des Korans beschränken die Gewalt über die Sclavinnen und Sclaven , deren Verhältniß übrigens in der Türkei mehr das von zur Familie gehörenden Hausdienern ist . Ueberhaupt ist der Türke in seinem gewöhnlichen Leben , wenn nicht besondere Leidenschaften ihn erregen , milde und gerecht . Es kommt häufig vor , daß die Sclaven nach einer längeren oder kürzeren treuen Dienstzeit frei gelassen und von dem Herrn ausgestattet , ja , mit einer Tochter der Familie verheirathet werden . Viele der ersten türkischen Würdenträger selbst der Neuzeit waren und sind solche freigelassene Sclaven3 . Der Moslem schenkt oder verheirathet