schön sich spiegelte , schienen ihr blutige Bäche darüber hinzufließen . Das seltsame Stimmengewirr , wie sie es noch niemals gehört , hörte sie noch immer - die ganze Luft zitterte davon . Jetzt trat Friedericke ein , bleich und verstört , nachlässig angezogen und mit herabfallenden Haaren . Sie konnte ihr Schluchzen nicht verbergen . » Um Gottes Willen , was ist denn geschehen , Friedericke ? « fragte Pauline . » Ach , liebes Fräulein - das Unglück ! Die ganzen Arbeiter widersetzen sich - sie sind alle bewaffnet gekommen , und statt an die Arbeit zu gehen , sind sie jetzt Alle dabei , die Maschinen zu zerstören - dabei fluchen und schimpfen sie und singen gotteslästerliche Lieder , daß es ein Gräuel ist - ach , und das Allerärgste dabei bleibt doch - - « » Nun was denn , was kann es noch Schlimmeres geben ? Wo ist mein Vater - rede heraus und sage Alles ! « » Der Herr ist unten und wagt sich nicht heraus - aber was ich meine , das ist - : Wilhelm führt die ganze Bande an ! Ach , das hätt ' ich doch in meinem Leben nicht gedacht ! « » Und Franz ? « » Von dem weiß ich Nichts . « » Ich muß mit meinem Vater sprechen , « sagte Pauline , zog schnell einen dunkeln Morgenüberrock über und steckte die halb aufgelösten , goldenen Hagre unter ein Häubchen hinauf ; dann eilte sie die Treppe hinab und in das Comptoir . Herr Felchner war ganz außer Fassung - er hatte so zu sagen von dem ungeahnten plötzlichen Schrecken den Kopf ganz und gar verloren . Vor sich hinstaunend , die Hände auf den Rücken rannte er jetzt im Zimmer hin und her . Eine furchtbare Angst und Verzagtheit hatte ihn ergriffen . Wie jetzt Pauline eintrat , so lief er auf sie zu und faßte sie bei beiden Händen : » Du weißt es auch , Pauline ? Die Schändlichen zerstören meine Maschinen , meine schönen neuen Maschinen ! Erst vor wenigen Tagen kam die letzte aus England - und sie zerstören sie auf ' s Abscheulichste , sie werden gar nicht wieder herzustellen sein - Tausende sind vernichtet - ich bin ein geschlagener Mann ! « - » Ach , Vater , das ist wohl das Wenigste ! « » Das Wenigste ! Kind , rede nicht so unverständig ! Hast Du einen Begriff vom Gelde und wie mühsam man es erwerben muß , daß Du so sprechen kannst , als ob man Tausende wie Nichts zu verlieren hätte ? « » Ach , mein Vater , nur jetzt sprich nicht so , wo die Hunderte gegen uns wüthen , die nie Etwas erwerben konnten und sich dennoch immer mühen müssen . - Aber was willst Du thun , damit das Unheil nicht noch schlimmer über uns kommt , damit die tobenden Leute wieder zur Besinnung kommen ? « » Die Soldaten werden sie zur Besinnung bringen ! « » Willst Du ein Mittel der Güte nicht eher als das des Zwanges versuchen ? « » Was wäre das für ein Mittel ? - Meine Faktoren haben sie mit Steinwürfen zurückgejagt . « » Vater ! Du hörtest nicht auf mich , als ich die Einflüsterungen des Geheimraths widerlegen wollte ; daß Du jetzt meinen Worten folgtest ! « » Der Geheimrath hatte ganz Recht , wie Du siehst , daß diesem Volke nicht zu trauen war . « » Weil Du ihm vorher nicht trautest , das Mißtrauen hat sie verdorben - hättest Du sie zuletzt nicht härter behandelt , so hätten sie jetzt Nichts an uns zu rächen . « » Soll ich von einem Kinde und noch dazu von meinem Kinde in der Stunde des Unglücks auch noch Vorwürfe hören ? Doch der Schreck hat Dich verwirrt - wie kämst Du sonst zu solcher Auffassung ? « » Vater , nur ein Mal folge meinem Rath . Diese Leute haben vor Dir immer nur Furcht gehabt , alle schlimme Behandlung , die sie von den Factoren erfahren haben , schreiben sie Dir zu . - Was soll daraus werden , wenn sie jetzt so fortwüthen ? Siehe , ich bin ihnen manchmal freundlich gewesen und habe ihnen geholfen in meiner Weise - mich lieben sie , mir thut keiner Etwas zu Leide . Komm , Vater , wir wollen zusammen hinausgehen , wir wollen es wagen - und dann will ich sie fragen : was wollt Ihr ? Geht wieder heim in Eure Wohnungen und an Eure Arbeit , wir wollen Euch bessern Lohn dafür geben und Euere Kinder sollen Schule bekommen und nur vier Stunden des Tages arbeiten - aber wer von Euch nicht zu Hause geht , den wollen wir bestrafen lassen , wie es recht ist . Komm , Vater , komm , folge nur dies Mal Deinem Kinde ! « » Du bist irre geworden - ich folge keiner Närrin ! « » Vater , was hat es denn genützt , wenn Du dem Rath der Menschen folgtest , die Alles nur weise berechnen wollten ? Nur ein Mal wage mit mir den Versuch ! Was willst Du thun ? Eine Schlägerei anfangen zwischen diesen rohen Meschen ? Dann sie mit Soldaten zur Arbeit hetzen lassen ? Warum Gewalt , wo Du Alles in Güte kannst ? Sie werden Dich segnen - oder Dir fluchen , Dir und uns Allen . - Ach Vater , es ist hart , den Fluch so Vieler durch ein ganzes Leben mit sich schleppen zu müssen - und vielleicht noch über das Leben hinaus ! « Ueberwältigt von ihrer Angst , von der Wichtigkeit seiner Entscheidung , fiel sie ihm zu Füßen und umklammerte seine Kniee - da klangen von draußen die Stimmen wieder lauter , ein freches Spottlied singend mit pfeifenden und jauchzenden Lauten begleitet . Der Fabrikherr , wie er das hörte , stieß sein Mädchen