. Allein es war nicht an der Zeit , jetzt Betrachtungen anzustellen . Die mit jeder Secunde sich verdoppelnde Gefahr drängte zu schnellster Eile . Schon hatten alle Bewohner das Schloß verlassen , selbst der alte Kastellan war geflohen . Der Letzte schritt Magnus mit der schönen Last auf seinen Armen , vor ihm her die schlanke Emma , über den von lodernden Bränden dicht besäten Schloßhof . Die Luft war erstickend heiß , von Millionen Atomen glimmender Tannennadeln erfüllt , die wie ein dichter Regen niederfielen . Dazu qualmte und wirbelte der Rauch aus der Haide in undurchdringlichen Wolken über Schloß und See und verhüllte alle Gegenstände mit demselben schmutzig rothen Gewande . Unter der Thorwölbung erwarteten ihn Utta mit einigen Dienern und Frauen . Schweigend stiegen Alle den Felsenpfad hinab zum See , aus dessen brodelndem Feuernebel verworrene Stimmen erklangen , verbunden mit dem Rauschen der Ruder , die mit gewaltigen Schlägen die Wogen theilten . Dann hörte man wieder ein entsetzliches Aufkreischen , ein sprühendes Zischen , sah die Welle in blutigem Strahle aufspritzen und den Qualm der brennenden Haide Alles wieder verhüllen . Ganz fern , weit im Walde stieg manchmal ein brüllendes Geschrei auf , als ob Tausende auf einmal zu gemeinsamem Ruf sich vereinigten . Vor diesem Geschrei erbebte Magnus ; er glaubte den Jubelruf der Wenden darin zu erkennen , die sein Geschlecht auszurotten gedachten . - Ohne bedeutende Beschädigung setzten die letzten Flüchtlinge über den See . Mit Schaudern nur stießen sie zuweilen beim Rudern an schwimmende Leichen , die in ihrer schwarzen Tracht mit den bleichen verzerrten Gesichtern einen entsetzlichen Anblick darboten . Ein glühender Ast , deren viele in den See niederstürzten , mußte einen der Kähne zerschmettert haben , auf welchen die Trauergäste flohen . - Als Magnus mit seiner Umgebung das feste Haideland betrat , stand Boberstein in vollem Brande . Die stolzen vier Eckthürme schossen ihre gelben Flammen wie Riesenschwerter weit über die dunklere Gluth der übrigen Häusermasse empor und verscheuchten die Rauchwirbel , welche von der Haide in immer sich erneuernden Wogen darüber zogen . - Die Lichtung , welche die Wiese bildete , war noch dunkel , aber schnell rückten von beiden Seiten die Flammen heran . Muthig betrat Magnus den Rettungspfad , die Frauen vorsichtig über die sumpfigen Stellen leitend . Man konnte immer nur wenige Schritte weit sehen , auch mußte man häufig rasten , theils um den Frauen Zeit zu gönnen , theils , weil ein Brand mit wildem Getöse in unmittelbarer Nähe niederstürzte und weithin Funken und Splitter verstreute . Glücklicherweise war auf dieser Seite das Feuer noch nicht weit vorgeschritten . Auch jagte der Wind die Flammen mehr seitwärts oder ließ solche Stellen , wo die Waldung dünn war , fast ganz unversehrt . Dies gestattete den Flüchtlingen schnelles Vorwärtsdringen . Und war nur erst der todtdrohende Flammengürtel überschritten , so durfte man auf Rettung hoffen . Nur das fortwährende und jetzt immer näher kommende Gebrüll ängstigte den Grafen , da er kein Mittel sah , dem Racheschwarm der Wenden auszuweichen . Er mußte dem Zufall und dem Schutz des dichten Rauches vertrauen , der Erd ' und Himmel gleichmäßig bedeckte . Herta ' s körperlicher Zustand gestattete ihr keine große Anstrengung . Sie ermattete bald und sank kraftlos zusammen . Magnus hob sie wieder auf seine Arme und das hilflose Mädchen mußte es geschehen lassen . So gewannen denn die Flüchtlinge ohne Hinderniß das von den Flammen noch unberührte , hier nur dürftig bewachsene Haideland . Schon glaubte Magnus das Schwerste überstanden zu haben und bald eine sichere Zuflucht zu finden , als er plötzlich aus dem finster strudelnden Qualme dunkle Gestalten auftauchen , ihn umstellen und mit dem Jubelrufe : » der Graf ! Graf Blauhut ! « auf sich eindringen sah . Anfangs glaubte Magnus mit den Seinigen entschlüpfen zu können , da aber die kühnen Wegelagerer mehr als er an jede Unbill des Wetters , an Kälte , Gluth und Dampf gewöhnt waren und ihre Zahl mit jedem Augenblicke sich mehrte , sah er bald die Unmöglichkeit glücklicher Flucht ein . Er wollte eben Vergleichsvorschläge machen , als aus der sich verdichtenden Schaar der gebräunten , trotzig blickenden Männer eine stolze Gestalt auf ihn zuschritt . » Vater , mein Vater , errette mich ! « rief Herta und streckte dem als Förster gekleideten Fremden beide Arme flehend entgegen . Es war Johanes , der Fürst der Haide , der inmitten seiner Genossen und umgeben von einem Heer Leibeigener diese einzige freie und noch zugängliche Stelle des Waldes besetzt hielt . Das überaus schnelle Umsichgreifen der Flammen hatte ihn verhindert , die Tochter persönlich von Boberstein abzuholen . Seine Gegenwart , seine Umsicht , seine Anordnungen waren nöthig , um nicht die ganze Haide ein Raub der wild verzehrenden Gluthen werden zu lassen . Da er den Muth seines Feindes kannte , durfte er erwarten , daß der Graf im Drange des Augenblickes sein Schloß verlassen und diejenigen um sich versammeln werde , an die ihn Neigung und Verwandtschaft fesselten . Bei Herta ' s Ausrufe erbleichte Magnus vor Zorn , da er jetzt einsah , daß seine trotzige Cousine in naher Verbindung und unmittelbarem Verkehr mit diesen Waldbrüdern gestanden haben müsse . » Vater ? « wiederholte er verächtlich . » Seit wann sucht meine schöne Cousine ihre Aeltern unter Verbrechern ? « » Seit dem Tage , « erwiederte Johannes stolz , » wo Ihr würdiger Herr Vater den Geliebten seiner edlen Schwester von Knechtshänden aus Boberstein werfen ließ . « Magnus starrte den Räuber mit wahnsinnigem Auge an . » Johannes , « stammelte er , » Johannes am Leben und ein Sohn des Waldes ? Das wäre entsetzlich ! « » Nicht entsetzlicher , als wenn ein Graf schuldlose Jungfrauen überfällt und sich und die Menschheit entehrt ! - Blicken Sie hinter sich , Herr Graf ! Die Gerechtigkeit des ewigen Gottes ist es , die Ihrem Vater diese Leichenfackel angezündet hat