, verewigt . Wissen und Wissendsein ist zweierlei , erstes ist eine Selbständigkeit gewinnen in der Kenntnis , eine Persönlichkeit werden durch sie . Ein Mathematiker , ein Geschichtsforscher , ein Gesetzlehrer - gehört alles in die versteinert Welt , ist Philistertum in einem gewissen tieferen Sinn . Wissendsein ist Gedeihendsein im gesunden Boden des Geistes , wo der Geist zum Blühen kommt . Da braucht ' s kein Behalten , da braucht ' s keine Absonderung der Phantasie von der Wirklichkeit , die Begierde des Wissens selbst scheint mir da nur wie der Kuß der Seele mit dem Geist ; zärtliches Berühren mit der Wahrheit , energisch belebt werden davon , wie Liebende von der Geliebten , von der Natur . - Die Natur ist die Geliebte der Sinne , die Geistesnatur muß die Geliebte des Geistes sein ; durch fortwährendes Leben mit ihr , durch ihr Genießen geht der Geist in sie über oder sie in ihn , aber er führt kein Register über alles , er buchstabiert sich ' s nicht und rechnet ' s nicht zusammen . Nun was liegt mir dran ? - Solang mir ' s so geht wie hier , kann ich nicht klagen , ich schwindel wie ein Bienchen herum , und wo ich ein offnes Kelchelchen find , da schwipp ich hinein und versuch und trink mich satt , wenn mir ' s schmeckt . Der alt Professor Weiß , bei dem wir im Haus wohnen , ist so ein kleiner Hausgarten , an dem mir allerlei Blüten noch offen stehen . Der gute Alte klopft an die Tür , da steht er mit der Zipfelmütze im Schlafrock und will gern seine Pfeife anzünden , weil bei ihm noch kein Licht brennt , ich spazier noch ein bißchen mit in den Garten , wo er die Pfeife raucht , er zeigt mir die Sternbilder am Himmel , der Orion , der groß Bär und der klein Bär , und pafft mir den Rauch ins Gesicht , so hat er mich die drei Wochen unterhalten , sooft gut Wetter war , von aller Planeten Tanz , und das hat grade mein Begehren zu wissen mäßig genährt ; aber wissenschaftlicher Ansatz ist ' s nicht geworden , vielmehr Schleierlüften von geheimen Reizen des Geistigen . Und ich hab dann am Abend und in der Nacht noch Gedanken gehabt , Nachzügler - worüber ich beseligt einschlief . Weißt Du , was das ist , beseligt einschlafen ? - Das ist grad mit der Natur im süßesten Alleinsein sich befinden , wo sie allein den Blick auf Dich richtet und in Dich hineinschaut und Du in sie und eine Decke Euch umhüllt wie zwei Kinder , die einer des andern Atem trinken . So ist ' s mit mir , wenn ich zufällig etwas von ihr gewahr werd ; aber wenn ' s mir abgemessen wird , wenn ich Rechenschaft geben soll , dann fühl ich mich in der Seele beleidigt , denn ich mag nichts wissen , ich schäme mich und kränke mich , daß auf dem Spielplatz meiner Seele all das lustige übermütige Springen und Schwingen nicht mehr sein soll , wo ohne Umsehens alles verfliegt , wie es gewonnen worden , und von keiner Aufspeicherung die Rede ist . Da hab ich noch eine Lust , - der alt Herr hat ein klein Treibhaus , eine Kammer mit zwei Fenstern nach der Sonne hin , wo er selbsterzogne und jahrelang gepflegte Gewächse bewahrt . Ich bin mit ihm gewesen und hab ihm helfen die Gewächse vom Staub reinigen , viele hab ich nicht gekannt , er sagte mir ihren Namen , ihr Vaterland , ihre Geschichte , wie er dazu gekommen , was er für Glück und Unglück mit ihrer Pflege gehabt , das alles ist lebendig und interessant , denn er ist alt und hat viel Kinder und also viel Sorgen und ist kränklich ; und nun ist seine Freude aus der sogenannten Fülle dieses großen weiten wissenschaftlichen Lebens , die paar südliche Pflanzen , die hier unter seiner Liebe Schutz ihr Leben im fremden Klima fristen , mit einer dürftigen Blüte ihn erfreuen ; im Keim schon unterscheidet er , ob der Knospen bringen wird oder bloß Blätter , zählt alle , betrachtet alle Tage , wie sie vorrücken , da regt sich kein Blättchen , er sieht ' s und versteht ' s , Du solltest zuhören , wie er ihre Färbung , ihr Erschließen bemerkt , wie er ihnen das bißchen Licht ökonomisch austeilt , daß keins zu kurz kommt , und dabei geht als sein altes ledernes Kolleg , was er nun schon im einundzwanzigsten Jahr jährlich zweimal den Studenten vorträgt , mit herabhängenden Ohren den gewohnten Weg zur Mühle , ob ein gesunder Menschenverstand es aushält , dies immer und immer , das Erlernte , Erstudierte durchzukauen ? - Nein , einmal muß es aufhören , und einer möcht wohl lieber aufs ewige Leben verzichten als ewig das Erlernte wieder den Nachkommen mitteilen ; so muß man es denn einmal abdanken , nicht wahr ! - Sollte man den alten Satz mit in die Ewigkeit zu nehmen gedenken ? Mitnichten , so wenig wie den Tressenrock , die Staatsperück , die Ordensbänder , die Titel , die Ehrenämter , man fühlt recht gut , daß sich solches Zeug vor Gott nicht schickt , aber wie der Geist übereinstimme mit der Natur , die seine Freundin , seine Geliebte ist , wie er in ihr und durch sie sich entwickelt hat , das ist vor Gott alles . Wenn denn alles Wissen , Haben übergehen muß in Nichtwissen , Nichthaben , was hat ' s denn auf sich , daß ich gleich alles verdampfen lasse ! Wissen ist Handwerker sein , aber wissend sein , ist Wachstum der Seele , Leben des Geistes mit ihr in der Natur ; Leben ist aber Liebe . - Sei nachsichtig gegen mich , ich muß Dir alles zurufen , lieber