sagte sie , » Alles muß ihr den Willen thun und was Schönes werden , woran sie sich erfreuen kann . Gott mag es denen verzeihen , die ihr nicht das schicken , was ihrer würdig ist ! « Als Lesüeur darauf eintrat , verbeugte sich Fennimor so tief vor ihm , daß der stolze Künstler erröthete und sich noch tiefer vor der wunderbaren Schönheit neigte . » Gott segne Euch ! « sagte sie leise , wie ein Kind so schüchtern , » und Gott segne dieses Haus , wo ein Künstler eintritt - ein Schüler Gottes - ein Berufener , seine Wunder nachzuahmen , wo wir andern nur zusehen können ! Es muß eine große Gnade sein , das zu empfinden , « fuhr sie fort , und schritt dabei neugierig , obwol noch schüchtern , auf den erstaunten Lesüeur zu , um ihn recht genau zu betrachten , der indessen , durch eine so fremde Anrede um seine ganze Fassung gebracht , unsicher war , ob das liebliche Räthsel vor ihm ein Kind , eine Frau oder ein Engel sei . Als Beide sich nun ganz nahe standen , und Fennimor ' s Augen den ersehnten Anblick eines Malers hatten - ward sie sehr verwundert , daß ein Maler gerade so aussehen mußte . Sie hätte sich weniger erstaunt gefühlt , wenn er einen Purpurmantel um eine Tunika getragen hätte und den Lorbeerkranz um die Schläfe - als daß er müde und krank , mit bleichen Wangen und schwankender Gestalt , in Kleidern , wie andere Menschen trugen , die ihm aber nicht wohl saßen , nun vor ihr stand und Nichts hatte , als Augen , aus denen sie später das Geheimniß erklärte , und die auch jetzt so verständlich zu ihr redeten , daß ihr sogleich eine andere Ansicht kam , die nicht minder ihr Gefühl weckte , wenn auch ihren Pathos verdrängte . » Ach Gott , Ihr seid ja krank , lieber Herr ! « sagte sie mit dem weichsten Mitleidstone . » Wie wollen wir es denn machen ? Ruht erst hier etwas , bis Eure Zimmer durchwärmt sind ! 1 Wir lassen dies Ruhebett an den Kamin tragen - da legt Ihr Euch nieder , und wir breiten Decken über Euch , daß Ihr Euch erwärmt . Ich kann auch gehn , wenn Ihr lieber allein bleibt , oder Euch etwas erzählen , bis Ihr einschlaft - oder vielleicht thut Euch etwas Wein gut ? « Lesüeur war freilich nicht kränker , als gewöhnlich ; aber fast wünschte er sich , das zu sein , was ihn so in unmittelbare Beziehung zu ihrer Theilnahme brachte , und ohne den Willen dieser kleinen Heuchelei , ließ er sich von ihr , als der Hülfe bedürftig , leiten . - Wie drang sie dann in ihn , als sie ihn für erfrischt und gestärkt hielt , ihr von all ' den Wundern zu erzählen , von denen sie seine Seele erfüllt glaubte ; und wie andächtig , scheu und ehrerbietig behandelte sie ihn - wie festlich und schön ließ sie Alles für ihn bereiten , so froh der Ehre , mit einem Künstler zu leben ! Und Lesüeur war in eine Welt der Ideale getreten , deren Dasein er nicht für möglich gehalten hatte . Was von der Geltung , dem Berufe des Künstlers die Blütenzeit seines Lebens als süßer Traum umgaukelt hatte , und den Raum des Entstehens - den heitern Boden der Phantasie nicht verlassen durfte , um es nicht an der Außenwelt verflüchtigt zu sehn - dies ward ihm hier mit einem Ernste als Erwartetes , Wirkliches , Begehrtes abgefordert , und fand Raum und Existenz unter Umständen , die selbst einem Wunder glichen , aber dennoch Wahrheit waren . Unter dem schuldlosen Betasten dieser Kinderseele fand er die Künstlerseele wieder - ihre Träume und Entwürfe , ihre Absichten und ihr ganzes heiliges Selbstgefühl durfte er wieder erwecken , eingestehen ! Ja , er mußte sich mit dem ganzen Schmucke bekleiden , damit sie ihn erkannte für das , was sie in ihm suchte . Vor ihrem Bilde mit einer Begeisterung malend , wie einst St. Lukas vor der heiligen Jungfrau , fühlte Lesüeur dennoch die Sonne des Lebens immer tiefer sinken ; - aber täglich sagte er sich : » es sei ! Ist diese letzte Zeit meines Lebens doch die Erfüllung des ganzen Vorangegangenen ! Weiß ich doch jetzt , daß die große , heilige Bevorrechtigung , ein Künstler zu sein , kein Gespinnst meines erhitzten Gehirns ist , daß es sich erfüllt findet in Anerkennung und freudigem Festhalten da , wo die Seele der Menschen noch das unschuldige Auffassen behalten hat , das ohne den Conflikt mit der Welt die Wahrheit erkennt . « - Aber wie war Fennimor dagegen erstaunt , daß ein Künstler von Gott hatte abfallen können , wie sie es nannte , und ein wahrer Heide werden , der viele kleine Götter anbetete , die ihn sein Herz in der Welt hatte suchen lassen - - » und natürlich , « sagte sie , » daran zu Grunde geht in Mißmuth und Bitterkeit . - Denn , wie sollten sie Dir treu bleiben , da Du den allein Treuen um sie verlassen hast ? Hättest Du Gott vor Augen gehabt , was hätte Dir Lebrun wohl thun können , als Liebes und Gutes durch seine herrlichen Werke , wie Du selbst von ihm rühmst - und hättest Du die rechte Liebe gehabt , so hättest Du auch den rechten Frieden bekommen ! « Mit protestantischem Ernste griff sie sein mattes , inneres Treiben an , was , leidlich zur Ruhe gesprochen von äußeren Gebräuchen und Hülfsmitteln des katholischen Priesterthums , ihm keine Heilung der Seele geben konnte ; da es ihn fern hielt von strenger Selbstrechenschaft , die , in das Formenwesen von Beichte und Absolution hinüber gezogen , ihn ganz von der Möglichkeit entfernt hatte , auf dem Wege der Religion sich