Würmchen und Spinnen klettern über mich hinaus , alles wimmelt geschäftig um mich her . Die Eidechsen schlüpfen aus ihren feuchten Löchern und heben das Köpfchen und staunen mich an mit ihren klugen Augen und schlüpfen eilig zurück ; sie sagen ' s einander , daß ich da bin ; - ich der Liebling des Dichters - es kommen immer mehr und gucken . Ach , schöner Sommernachmittag ! Ich brauch nicht zu denken , der Geist sieht müßig hinauf in die kristallne Luft . - Kein Witz , keine Tugend , nackt und bloß ist die Seele , in der Gott sein Ebenbild erkennt . Die ganze Zeit war Regenwetter , heute brennt die Sonne wieder . Nun lieg ich hier zwischen Steinen auf weichem Moos von vielen Frühlingen her , die jungen Tannen dampfen heißes Harz aus und rühren mit den Ästen meinen Kopf . Ich muß jedem Fröschchen nachgucken , mich gegen Heuschrecken und Hummeln wehren , dabei bin ich so faul - was soll ich mit Dir schwätzen , hier wo ein Hauch das Laub bewegt , durch das die Sonne auf meine geschloßnen Augenlider spielt ? - Guter Meister ! - Hör in diesem Lispeln , wie sehr Du meine Einsamkeit beglückst ; der Du alles weißt und alles fühlst , und weißt , wie wenig die Worte dem innern Sinn gehorchen . - Wann soll ich Dich wiedersehen ? - Wann ? - Daß ich mich nur ein klein wenig an Dich anlehnen möge und ausruhen , ich faules Kind . Bettine Wie ich gestern aus meiner Faulheit erwachte und mich besann , da waren die Schatten schon lang geworden ; ich mußte mich an den jungen Birkenstämmchen , die aus den Felsritzen wachsen , aus meiner Untiefe heraufschwingen , das Schloß Bukowan mit seinen roten Dächern und schönen Türmen sah ich nirgends , ich wußte nicht , welchen Weg ich einschlagen sollte , und entschloß mich kurz , ein paar Ziegen nachzugehen , die brachten mich wieder zu Menschen , mit denen sie in einer Hütte wohnen , ich machte diesen verständlich , daß ich nach Bukowan wolle , sie begleiteten mich , der Tag ging schlafen , der Mond ging auf , ich sang , weil ich doch nicht mit ihnen sprechen konnte , nachher sangen sie wieder , und so kam ich am späten Abend an , ein paarmal hatte ich Angst , die Leute könnten mich irreführen , und war recht froh , wie ich in meiner kleinen Turmstube saß . Ich bin übrigens nicht ohne Beschäftigung , so einsam es auch ist , an einem Morgen hab ich mehrere Hundert kleine Backsteine gemacht , das Bauen ist meine Freude , mein Bruder Christian ist ein wahres Genie , er kann alles , eben ist das Modell einer kleinen Schmiede fertig geworden , das nun auch gleich im großen ausgeführt werden soll . Die Erfindungsgabe dieses Bruders ist ein unversiegbarer Quell , und ich bin sein bester Handlanger , soweit meine Kräfte reichen , mehrere ideale Gebäude stehen in kleinen Modellen um uns her in einem großen Saal , und da sind der Aufgaben so viele , die ich zu lösen habe , daß ich abends oft ganz müde bin , es hindert mich jedoch nicht , morgens den Sonnenaufgang auf dem Pedeetsch zu erwarten , ein Berg , der rund ist wie ein Backofen und hiervon den Namen trägt ( denn Pedeetsch heißt auf Böhmisch Backofen ) , etwas erhöht über hundert seinesgleichen , die wie ein großes Lager von Zelten ihn umgeben , da seh ich denn abermals und abermals die Welt dem Licht erwachen ; allein und einsam wie ich bin , kämpft ' s in meiner Seele , müßte ich länger hier bleiben , so schön es auch ist , ich könnt ' s nicht aushalten . Vor kurzem war ich noch in der großen Wienstadt , ein Treiben , ein Leben unter den Menschen , als ob es nie aufhören sollte , da wurden in Gemeinschaft die üppigen Frühlingstage verlebt , in schönen Kleidern ging man gesellig umher . Jeder Tag brachte neue Freude und jeder Genuß wurde eine Quelle interessanter Mitteilungen , über das alles hinaus ragte mir Beethoven , der große übergeistige , der uns in eine unsichtbare Welt einführte , und der Lebenskraft einen Schwung gab , daß man das eigne beschränkte Selbst zu einem Geisteruniversum erweitert fühlte . Schade , daß er nicht hier ist in dieser Einsamkeit , daß ich über seinem Gespräch das ewige Zirpen jener Grille vergessen möchte , die nicht aufhört mich zu mahnen , daß nichts außer ihrem Ton die Einsamkeit unterbricht . - Heute habe ich mich eine ganze Stunde exerziert , einen Kranz von Rosen mit dem Stock auf ein hohes steinernes Kreuz zu schwingen , das am Fahrweg steht , es war vergebens , der Kranz entblätterte , ich setzte mich ermüdet auf die Bank darunter , bis der Abend kam , und dann ging ich nach Hause . Kannst Du glauben , daß es mich sehr traurig machte , so einsam nach Hause zu gehen , und daß es mir war , als hänge ich mit nichts zusammen in der Welt , und daß ich unterwegs an Deine Mutter dachte , wenn ich im Sommer zum Eschenheimer Tor hereinkam vom weiten Spaziergang , da lief ich zu ihr hinauf , ich warf Blumen und Kräuter , alles , was ich gesammelt hatte , mitten in die Stube und setzte mich dicht an sie heran und legte den Kopf ermüdet auf ihren Schoß ; sie sagte : » Hast du die Blumen so weit hergebracht , und jetzt wirfst du sie alle weg « , da mußte ihr die Lieschen ein Gefäß bringen , und sie ordnete den Strauß selbst , über jede einzelne Blume hielt sie ihre Betrachtung und sagte vieles , was mir so wohltätig war , als schmeichle mir eine liebe Hand ; sie freute sich , daß ich alles