» Alle Galeerensclaven werden gewöhnlich zu zweien und zweien vermittelst einer langen Kette aneinander geschmiedet , und auch er erhielt einen abscheuerregenden Missethäter auf diese Weise zum Gefährten , von dem er jetzt Tag und Nacht unzertrennlich blieb . Trocknes hartes Brod , Wasser , höchstens eine elende Wassersuppe , ist die einzige Nahrung jener Unglücklichen , sie war auch die seine und bei dieser mußte er Arbeiten verrichten , wie man sie kaum einem Lastthiere aufbürden sollte . Jedem seiner schrecklichen Tage folgte eine noch weit furchtbarere Nacht in dem untern Raume einer der Galeeren , denen alle diese Gefangene jeden Abend zugetrieben werden . In diesem düstern Aufenthalt , den die Hölle kaum an Gräßlichkeit übertreffen kann , mußte Klarenau , um nächtlich zu ruhen , mit seinem entsetzlichen Gefährten eine hölzerne enge Bank theilen , zusammengeschichtet mit mehreren Hunderten von Elenden , die hinabgesunken zu dumpfer Thierheit oder schaamloser Frechheit - - - hochwürdige Frau , es sind beinahe vierzig Jahre daß ich in meiner Jugend als neugieriger Reisender auch in diesen Abgrund aller Greuel einen Blick geworfen habe , und noch steht das Bild davon unauslöschlich in meiner Seele . Ihre Phantasie mag ich nicht damit beflecken , genug ich bin überzeugt , daß die wegen der Behandlung ihrer Christensclaven so übel berüchtigten Raubnester an der afrikanischen Küste , nichts entsetzlicheres aufzuweisen haben können . « » Klarenau sank eines Tages unter einer schweren Last , die ihm aufgebürdet worden war , ohnmächtig zusammen , denn seine Kräfte waren völlig erschöpft . Er wurde für krank erklärt und in eines der für die Galeerensclaven bestimmten Lazarethe abgeführt , einen dumpfen , düstern , grabähnlichen Kerker . Monate lang schmachtete er hier zwischen Leben und Sterben . Paris wurde indessen erobert , Deutschlands Befreiung war erfochten , die Kriegsgefangenen wurden losgegeben , er erfuhr nichts von alle dem und war vergessen . Die wenigen seiner Leidensgefährten , die in ihrem tiefen Elende diesen großen Tag erlebten , gedachten bei ihrer Befreiung seiner nicht mehr , oder zählten auch ihn zu den Todten , den sie seit ihrem ersten Eintritt in diesen Schreckensort nicht wieder sahen . « » Abermals genas Klarenau , unerachtet alles Mangels und Elends , in seinem traurigen Verpflegungsorte . Er wurde wieder an das Tageslicht gelassen , und mußte jetzt denen im Arsenal arbeitenden Handwerkern zur Hand gehen , da man ihn für schwere Arbeiten untauglich fand . Doch blieb er immer noch in Ketten und allnächtlich erwartete ihn noch immer die schreckliche Ruhestätte in der Galeere . Wer er sey , warum er hierher geführt worden , hatten seine durch den täglichen Anblick des höchsten menschlichen Jammers bis zur vollkommensten Gleichgültigkeit verhärteten Aufseher längst vergessen oder es nie erfahren . Keine Seele wandte theilnehmend sich ihm zu , und so blieb alles Große und Herrliche ihm verborgen , was während seines Aufenthalts im Lazareth die halbe Welt in einen Taumel von freudigem Entzücken versetzt hatte . Hoffnungslos schleppte er noch lange Zeit sein trauriges Daseyn und seine Ketten von einem Tage zum andern , ehe auch ihm die Stunde der Befreiung schlug . « » Doch endlich kam sie heran . Einer der angesehensten Beamten , der über die großen hydraulischen Arbeiten im Arsenal die Aufsicht führte , begegnete ihm eines Tages zufälliger Weise . Die Gestalt des Unglücklichen fiel ihm auf , er redete ihn an und erfuhr mit wahrem Entsetzen , wer er sey und wie schuldlos er leide . Der menschenfreundliche Mann eilte sogleich in die Stadt , um die Entdeckung anzuzeigen , daß noch ein Kriegsgefangener , vergessen , auf der Galeere schmachte , und er brachte es wirklich dahin , daß Klarenau schon am folgenden Tage die Jahrelang entbehrte Freiheit wieder erhielt . Sein gütiger Befreier versah ihn nicht nur mit der nöthigen Kleidung , sondern auch mit einer kleinen Summe Geldes , die Klarenau zu ersetzen versprach , sobald er die Heimath wieder erreicht habe . Schnell , als glühe der Weg ihm unter den Sohlen , floh er nun durch Toulon durch , hinaus ins Freie , um nur die Thürme dieser ihm entsetzlichen Stadt nicht länger sehen zu müssen , zu denen er aus seinem tiefen Elende so oft hoffnungslos hinaufgeblickt hatte . Denn ehe er sie aus dem Gesichte verlor , konnte er nicht mit voller Seele an seine wiedererlangte Freiheit glauben . « » Seine Kräfte , die dem fürchterlichsten Unglücke widerstanden hatten , erlagen dem freudigen Gefühle , mit dem er sich endlich am Ufer des Meeres , frei wie ein Vogel in der Luft , wiederfand . Mitleidige Fischer nahmen den bis zum umsinken Ermatteten in ihre kleine , von Olivenbäume umschattete Hütte auf , die unerachtet des darin vorherrschenden südlichen Schmutzes ihm ein Paradies zu seyn dünkte . Er sah sich genöthigt , mehrere Monate bei diesen guten Leuten zu verweilen , ehe er sich genugsam erholt hatte , um die weite Reise in das nun befreite Vaterland antreten zu können . In dieser Zeit schrieb er mehrere Briefe an seine Verwandte in Deutschland . Die Fischer nahmen sie mit , wenn sie ihre Fische nach Toulon zum Markte trugen , und versprachen sie dort auf die Post zu geben ; denn ihn selbst hielt ein unüberwindlicher Abscheu davon zurück , sich dem Schauplatze seines unvergeßlichen Elendes wieder zu nähern , das sich noch immer , so wie er die Augen schloß , in den allergräßlichsten Traumbildern ihm erneuerte . Wahrscheinlich aber müssen seine Hausleute mit dem Bestellen der Briefe nicht recht umzugehen gewußt haben , denn kein einziger hat je den Ort seiner Bestimmung erreicht . « » Klarenaus abgeschorne Locken waren indessen wieder gewachsen , seine Gesundheit erstarkte bei der gesünderen Kost und in der alles belebenden Seeluft , die mit erquickenden Düften beladen ihn umwehte . Müde des Wartens , da noch immer keine Antwort auf seine Briefe kam , ergriff er endlich den Wanderstab und machte sich zu Fuß auf den Weg , ohne zu