. - Sie ist daher bloß im Frühling und Winter des Lebens , im Spiel und der Ruhe - wo uns der Zweck beherrscht , kann sie nicht sein . ) Am Abend kamen sie dem Schlosse näher , und ihre Begierde , Annonciaten zu sehen , war größer ; Marie hatte lange nach dem milden Lichte des Himmels gesehen , und sagte zu ihrem Vater , mit Tränen in den Augen : » Wo mag jetzt Joseph sein ? Es ist mir oft , als wäre er doch gar zu weit von uns , als würde er nicht wiederkommen . - - Annonciaten verstehe ich jetzt viel mehr , Vater ! und es ist mir , als habe sich eine stille Ähnlichkeit mit ihr in mir gebildet - ich kann es nur nicht so sagen , ich bin nicht so stark « - » Warte nur , bis Joseph wieder kömmt , « sagte Wellner - » Du sehnst dich nach ihm « - » Wohl sehne ich mich nach ihm , aber es ist noch mehr ; mit ihm ist es nicht all - Wie wohl Annonciata sein wird ? Vater , sie hat uns lange nicht gesehen , ihr Herz , ist so gut , sie wird recht gerührt sein , uns wiederzusehen . « Unter solchen Worten fuhren sie den Schloßhof hinein . Es machte ihnen ein alter Diener auf , und sie wunderten sich , daß in dem Hause der reichen Gräfin so wenig Geräusch war . Der Alte führte sie langsam die Treppen hinauf , es war ihnen unheimlich zu Mute . Man brachte sie in das Zimmer der Gräfin ; - diese saß allein bei einem Lichte auf dem Sopha , und als sie Wellnern und Marien hereintreten sah , schrie sie laut auf , - » o Gott , o Gott ! « - und sank ohnmächtig auf die Kissen , - Marie kam ihr zu Hilfe , ein Kammermädchen trat herein und vereinigte sich mit ihr , und Wellner stand in einer großen Angst an das Fenster gelehnt - . Als sich die Gräfin zu erholen anfing , bat das Kammermädchen Wellnern und Marien , in das Vorzimmer zu treten - Hier waren sie stille , ohne ein Wort zu sprechen , Marie setzte sich nieder , und konnte vor Schreck nicht weinen - . Eine kleine Weile drauf brachte man sie in eine Stube , wo sie die Nacht zubringen möchten ; Wellner fragte nach seiner Tochter , und die Dienerin verließ mit dem schmerzlichen Ausruf die Stube : » Ach das ist es , daß Gott erbarm , das ist es ! « Wellnern war es nun gewiß , daß sein Kind gestorben sei , Marie war untröstlich , und wurde sehr krank in der Nacht ; eine Wärterin und Wellner blieben bei ihr , der Arzt wurde aus der Stadt geholt . - Die Wärterin erzählte Wellnern , daß Annonciata nun schon zehn Tage verloren sei ; man wisse nicht , wo sie hingekommen sei ; sie sei abends in den Garten , wie gewöhnlich , allein gegangen , aber nicht wiedergekommen ; und wie man den Teich abgelassen habe , aus der Vermutung , sie sei hineingefallen ; wie alle Leute der Gräfin nun zum zweitenmal abgereist seien , da sie das erstemal keine Nachricht erhalten hätten . Die Gräfin sprach den folgenden Tag mit Wellnern , und beruhigte sich , da er sie gern schuldlos erkannte . Sie konnten keine andre Idee fassen , als Annonciata sei geraubt , weil sie bei jeder andern Art von Entweichung sicher einigen Trost für die Zurückbleibenden dagelassen hätte . So war dieser traurige Abend - Alle Nachforschungen wurden verstärkt , ein ganzes Jahr hindurch emsig fortgesetzt , aber umsonst - Wellner grämte sich sehr über diesen Verlust , und Marie ward immer stiller und schwermütiger ; sie stand oft abends an ihrem Fenster allein , wo sie sonst mit Annonciaten gestanden , und fühlte nun alles , was ihr jene damals gesagt hatte . Von Joseph fehlten schon elf Monate die Briefe : der Vater wußte gar nicht , was er Marien sagen sollte , wenn sie nach Briefen fragte . Diesen beiden Menschen war alles zerstöret , was sie mit der Zukunft verband , und sie erschraken vor jedem Stundenschlag . Marie war wohl noch trauriger als Wellner , doch versteckte sie ihren Schmerz , und suchte ihn zu erheitern - . Annonciaten wiederzufinden , gaben sie die Hoffnung beinahe auf - und auch der Gedanke an Joseph ward schon dunkler und trauriger - . Wenn Wellner in den Handlungsbüchern blätterte , und sah , wo er geschrieben hatte , kamen ihm oft die Tränen in die Augen . - Es war nun schon beinahe anderthalb Jahre , daß Joseph nicht geschrieben hatte , als Godwi5 , ein Engländer , der Sohn einer reichen Handlung , nach dem Wohnort Wellners kam . Er war ein schöner feiner Mann , von seiner Familie mit einem Kredite empfohlen , der beinah Wellners Vermögen überstieg , und dabei sehr einfach und erst bei aller seiner Freimütigkeit ; er gefiel diesem sehr wohl , und auch er befand sich gut bei Wellnern und Marien , und brachte seine meiste Zeit bei ihnen zu . - Er wußte sich bald ihres Vertrauens zu bemeistern , und zog nach einiger Zeit ganz ins Haus . Marie war ihm gut , und er liebte sie schon sehr - doch war es nicht zum Geständnis gekommen , weil er zu oft Zeuge ihrer schmerzlichen Erinnerung an Joseph gewesen war . - In Wellnern regte sich oft das Gefühl , daß er nicht mehr lange leben würde , dann sah er mit Trauer auf Marien , und sehnte sich heftiger nach Josephen - aber dieser blieb aus , und alle Nachricht von ihm . Manchmal , wenn er sah , wie Godwi sich um Marien bewegte , faßte er den Mut , an die Möglichkeit zu glauben