- ; Liane verwandelte alles in sein Bild und seinen Rahmen ; dieser Berg , dieses Stübchen , diese für ihn einmal gefährliche Vogelstange wurden die Pastellstifte zu seinem festen Bilde . Sie kam immer darauf zurück , daß er etwas Besseres verdiene als sie ; denn die Liebe ist Demut ; der Trauring prangt mit keinem Juwel . Es rührte sie , daß ihn ihr früher Tod betrübe . Da sah sie noch das von Blattern erblindete Mädchen , das er einmal unwissend sich ans Herz gedrückt 121 ; und sie fand sich mit dem Witze der Trauer auch darin der Blinden ähnlich , nicht bloß in der gleichen , obwohl kürzern Nacht , die einmal der Schmerz über ihre Augen geworfen . So sanft wie ihr Ebenbild , der Hesperus , sich in den Abendhorizont des Lebens eintauchend , fand sie ihr Geliebter . Sie konnte nie sogleich aus ihrem Herzen heraus in die überraschende Gegenwart ; ihre Wendungen waren immer wie der Sonnenblume ihre nur langsam , und jede Empfindung lebte lange in ihrer treuen Brust . Selten findet überhaupt der Liebende den Empfang der Liebenden dem letzten Bilde ähnlich , das ihm der Abschied mitgegeben ; eine weibliche Seele soll - das begehrt der Mann völlig mit den Flügeln , Stürmen , Himmeln der letzten Minute wieder in die nächste brausen . Aber von jeher empfing Liane ihren Freund scheu und sanft und anders , als sie geschieden war ; und zuweilen kam dem Feuergeiste dieses zarte Warten , dieses langsame Heben des Augenlids fast wie ein Umkehren in die alte Kälte vor . Heute ergriff es den wärmern Grafen stärker als sonst . Wie ein Paar fremde Kinder , die miteinander bekannt werden sollen und sich anlächeln und anrühren , standen beide freundlich und verlegen nebeneinander . Sie erzählte , daß sie von seiner Schwester sich sein Kindeswagstück auf diesem Berge erzählen lassen . Eine Geliebte kennt keine schönere , reichhaltigere Geschichte als die ihres Freundes . » O da schon « ( sagt ' er bewegt ) » blickt ' ich nach deinen Bergen ! Dein Name ist wie eine goldne Inschrift an meine ganze Jugend geschrieben . Ach Liane , hast du mich wohl geliebt wie ich dich , als du mich noch nicht gesehen ? « » Gewiß nicht , Albano , « ( antwortete sie ) » viel später ! « Sie meinte aber ihre Blindheit und sagte , er sei ihr in dieser Augendämmerung an jenem Abend , wo er bei ihrem Vater aß , wie ein alter nordischer Königssohn , etwan wie Olo122 vorgekommen , und sie habe ihn wie ihren Vater und Bruder ehrend gefürchtet . Ihre hohe Achtung für die Männer waren die wenigsten kaum zu erraten wert , geschweige zu veranlassen . » Und als du sehen konntest ? « sagte Albano . » Das sagt ' ich eben « , versetzte sie naiv . » Aber da du meinen Bruder so liebtest « ( fuhr sie fort ) » und so gut warst gegen deine Schwester : so wurd ' ich freilich ganz beherzt und bin und bleibe nun deine zweite Schwester - du hast ohnehin eine verloren - Albano , glaube mir , ich weiß es , ich bin gewiß zu wenig , zumal für dich , - aber ich habe einen Trost . « Verwirrt von dieser Mischung von Heiligkeit und Kälte , konnte er sie nur heftig küssen und mußte , ohne sie zu widerlegen , sogleich fragen : » Welchen Trost ? « - » Daß du einmal ganz glücklich wirst « , sagte sie leise . » Liane , deutlicher ! « sagt ' er . Denn er verstand nicht , daß sie ihren Tod und Lindas Verkündigung durch Geister meinte . » Ich meine , nach einem Jahre , « ( versetzte sie ) » nach den Prophezeiungen . « Er sah sie stumm , wild , ratend und bänglich an . Sie fiel ihm weinend ans Herz und lösete plötzlich das Gedränge innerer Seufzer : » Bin ich denn dann nicht « ( sagte sie heftig ) » gestorben und seh ' aus der Seligkeit zu , daß du belohnet wirst für deine Liebe gegen Liane ? Und das gewiß recht sehr ! « Weine , zürne , leide , frohlocke und bewundere immerhin , heftiger Jüngling ! Aber du fassest diese demütige Seele doch nicht ! - Heilige Demut ! einzige Tugend , die nicht vom Menschen , sondern von Gott geschaffen wird ! Du bist höher als alles , was du verbirgst oder nicht kennst ! Du himmlischer Lichtstrahl , wie das irdische Licht123 zeigst du alle fremde Farben und schwebst unsichtbar ohne eine im Himmel ! Niemand entheilige deine Unwissenheit durch eine Belehrung ! Sind deine kleinen weißen Blüten gefallen : so kommen sie nicht wieder , und um deine Früchte deckt dann nur die Bescheidenheit ihr Laub . Schmerzhaft zerteilte sich in Albano das Herz in Widersprüche , gleichsam in seines und in Lianens Herz . Sie war nichts als die lautere Liebe und Demut , und ihr Talentenglanz war nur ein fremder Besatz , wie Götterbilder von weißem Marmor den bunten nur als Zierat haben ; man konnte nichts tun als sie anbeten , sogar auf ihren Irrwegen . Auf der andern Seite hatte sie neben weichen , beweglichen Gefühlen so feste Meinungen und Irrtümer , seine Bescheidenheit bekriegte so vergeblich ihre Demut , und sein Ansehn ihren Geisterwahn . Das feindselige Gefolge , das dieser nachschleppte , sah er so deutlich über alle Freuden ihres Lebens herziehen . Sein ihm ewig nachstellender Argwohn , daß sie ihn liebe , bloß weil sie nichts hasse , und daß sie immer eine Schwester statt einer Liebhaberin sei , drang wieder gewaffnet auf ihn ein . So stritt hier alles gegeneinander , Wunsch , Pflicht , Glück und Ort . Beide waren sich neu und unbekannt aus Liebe ; aber Liane erriet so wenig als