du kannst , und fahre fort , mir mitzutheilen , was du mir gut findest . Es war ein herrlicher Gedanke , Lieber , den du hattest , die schöne Lais unter zwei so entgegengesetzten und beide doch so gut passenden Charaktern darzustellen . Du würdest dich mir durch eine Copey von deiner eigenen Hand unendlich verbinden , wär ' es auch nur von den beiden einzelnen Figuren . Vermuthlich setzt dein persischer Freund seine Hoffnung auf die gefälligere Gestalt , wiewohl er seine Göttin unter beiden anbetet . Gewiß ist schwerlich jemals ein schönes Weib so gleich geschickt gewesen , beide Personen zu spielen , und sich selbst , sobald sie will , durch sich selbst auszulöschen . Ein gefährliches Talent , welches zu mißbrauchen sie , glücklicherweise , keine Anlage hat . Indessen werde ich sie doch nie aus den Augen verlieren , um auf den Fall , da sie eines Freundes bedürfte , immer bei der Hand zu seyn ; denn auf dem schönen , breiten und kurzweiligen Wege , den sie geht , nicht zu verirren , ist schwerer als sie zu glauben scheint . 3. Lais an Aristipp . Kleonidas hat dir das Neueste aus Milet bereits zu wissen gethan . Eine freundliche Persische Perise5 ( damit du doch siehest , daß ich durch meinen neuen Anbeter schon ein wenig gelehrter geworden bin ) hat mir einen Liebhaber bis vom Euphrates her zugeschickt ; und welch einen Liebhaber ! schön wie ein Medier , liebenswürdig wie ein Grieche , und beinahe so reich wie Midas und Crösus ! Denn was wir armen Griechen tausend Drachmen nennen , ist ihm eine Hand voll Obolen ; und wie ich nöthig fand , seiner übermäßigen Freigebigkeit mit aller Strenge einer Gebieterin Einhalt zu thun , verwunderte sich der hoffärtige Mensch , daß ich solche Kleinigkeiten meiner Aufmerksamkeit würdigen möge . Wirklich scheint er eines so großen Maßstabs gewohnt zu seyn , daß er Geschenke , die einer Königin dargebracht werden dürften , für Kleinigkeiten ansieht , und sich daher ihrentwegen weder zu der mindesten Freiheit , noch zu Erwartung einer größern Gefälligkeit von meiner Seite , berechtigt glaubt . Das sticht nun freilich von der ökonomischen Manier der Söhne Deukalions6 , mit ihren Geliebten bei Drachmen und Obolen abzurechnen , gewaltig ab , und thut dem edeln Achämeniden7 , wie du leicht erachten kannst , keinen Schaden bei mir . - Kurz , lieber Aristipp , dieser Arasambes ist ein sehr gutherziger und umgänglicher Barbar8 , und es ahnet mir zuweilen , ich werde noch in starke Versuchungen kommen , zu vergessen , daß ich eine Griechin bin , und die Entführung der schönen Helena an allen Asiaten zu rächen habe . Die einzige morgenländische Unart , die ihm ankleben mag , scheint ein ziemlicher Ansatz zur Eifersucht zu seyn , und dieß wäre auch das einzige , das mich zurückschrecken könnte . Wenn er nicht so viel Zutrauen zu mir fassen kann , sich auf mein Wort ohne Riegel und Hüter sicher zu glauben , so brech ' ich ab , lass ' ihm alle seine Geschenke wieder zustellen , und fahre mit dem ersten guten Winde nach Korinth zurück . Mein Plan mit Musarion und Kleonidas ist zu seiner Reife gediehen ; sie ist seiner Werth ; und wiewohl er bisher ( wenn wahre Liebe sich verhehlen ließe ) ihr selbst und der ganzen Welt ein Geheimniß aus dem wahren Namen seiner zärtlichen Freundschaft zu ihr gemacht hat , so bin ich doch völlig gewiß , daß ich durch das Band , das ich zwischen ihnen zu knüpfen im Begriff bin , den feurigsten seiner Wünsche befriedige . Du , mein weiser Freund , liegst noch immer zu Samos den meteorischen Dingen9 mit so großem Eifer ob , daß ich Bedenken tragen sollte , dich mit den Puppenspielen , die uns Kindern der Erde so wichtig scheinen , in deinen erhabenen Anschauungen zu stören . Wie hoch du dich aber auch immer , selbst über die Jupitersburg und das luftige Wolkenkuckucksheim deines Freundes Aristophanes erheben magst , so denke ich doch meine Ansprüche an deine Freundschaft so leicht nicht aufzugeben , und schmeichle mir hinwieder , daß alle Pythagorischen Zahlen , Cirkel und Dreiecke nicht vermögend seyn sollen , deine Anadyomene immer aus deiner Erinnerung zu verdrängen . 4. Kleonidas an Aristipp . Freue dich meines Glücks mit mir , Aristipp ! Musarion , meine Musarion - - das war sie , meinen Gefühlen und Wünschen nach , schon beim ersten Blick ; aber , da mir die Absichten ihrer großmüthigen Vormünderin mit ihr unbekannt waren , und ich es für unedel hielt , ihre Zuneigung verstohlnerweise zu gewinnen , verschloß ich meine Wünsche in meinen Busen , und hielt mich zurück sie sogar dir zu entdecken , vor dem ich nie ein anderes Geheimniß haben werde - diese Musarion , mein Freund , ohne die für mich kein Glück ist ( halte mir diesen einzigen Zug von Ungleichheit mit dir zu gut ! ) , ohne die ich das reinste Glück des Lebens nie gekannt hätte , sie ist mein ! Sie wird mir in einen andern Welttheil folgen ! In kurzem werden die hochzeitlichen Fackeln für deinen Freund angezündet . Möchtest du doch in Person gegenwärtig an unsrer Freude Antheil nehmen ! Ich darf es nicht hoffen ; aber ich sehe den Tag kommen , der uns in Cyrene , vielleicht enger als jemals , wieder vereinigen wird . Die schöne Lais , die Stifterin meines Glücks , hat sich ihrer sich selbst auferlegten Pflicht gegen die Tochter des Leontides auf eine höchst edle Art erledigt , und bei den guten Aussichten , die ich in unserm Vaterlande habe , scheint mein künftiger Wohlstand so fest gegründet zu seyn , als es in diesem ewigen Wogen der menschlichen Dinge überhaupt möglich ist . Auch der fürstliche Arasambes ist dem Ziel seiner feurigsten Wünsche nah . Lais scheint immer mehr Neigung zu ihm , er