die Schuld an Ihrem Zerwürfnis mit meiner Tante . « Einen Augenblick wurde Paula schwankend dieser bestimmten Ableugnung gegenüber , dann aber richtete sie sich entschlossen auf . » Herr von Berneck , versuchen Sie nicht , mich jetzt noch zu täuschen . Ich weiß , daß Professor Rosner auf Ihren Ruf kam , daß er nur Ihren Auftrag vollzog mit seinem Anerbieten , weiß , daß ich unter dem Namen einer Erzieherin nur ein Gast in seinem Hause sein soll – durch Ihre Großmut ! « » Was soll das heißen ! « fuhr Ulrich in voller Gereiztheit auf . » Wie kommen Sie auf solche Ideen ? Hat Rosner etwa – « » Nein , er hat sein Wort nicht gebrochen ! « fiel das junge Mädchen rasch ein . » Er that im Gegenteil alles , um mich an einen Zufall glauben zu lassen , und ich ließ mich ja auch täuschen . Aber vorhin erzählte mir Ullmann ahnungslos von dem Telegramm , das Sie nach Dresden sandten , um den Professor herzurufen , solange ich noch in Restovicz war – und das übrige habe ich erraten ! « Berneck stand da mit tiefverfinstertem Gesicht und fest zusammengepreßten Lippen , der alte feindselige Ausdruck erschien wieder in seinen Zügen , als er antwortete : » Ich werde dem alten Schwätzer , dem Ullmann , nachdrücklichst den Text lesen . Er scheint da auf eigene Hand den Spion gespielt und Ihnen allerlei Unsinn vorgeredet zu haben . Wenn ich meinen einstigen Lehrer bat , nach Restovicz zu kommen , was in aller Welt geht denn das Sie an , mein Fräulein , und wie kommen Sie zu solchen Voraussetzungen ? Ich bedaure , Ihnen nicht mitteilen zu können , was wir verhandelten , aber auf Sie hatte es jedenfalls keinen Bezug . Ich muß den Verdacht , in dem Sie mich haben , ganz entschieden ablehnen . Bitte , verschonen Sie mich damit ! « Er sprach mit einer fast beleidigenden Schroffheit , offenbar in der Absicht , jede weitere Erörterung unmöglich zu machen , aber er erreichte seinen Zweck nicht . Paula wußte ja , was sich hinter dieser Schroffheit barg , und jetzt hatte sie keine Furcht mehr davor . Langsam hob sie die Augen zu ihm empor . » Das glaube ich Ihnen nicht , Herr von Berneck . Nein , und wenn Sie mich noch so zornig anblicken ! Oder – können Sie mir Ihr Wort darauf geben ? « Er versuchte es , ihrem Blick zu begegnen , nur eine Sekunde lang , dann wandte er sich ab und stampfte in wilder Ungeduld mit dem Fuße , aber er schwieg . » Ich wußte es ! « sagte das junge Mädchen leise . » Nun , dann hätten Sie uns beiden diese Stunde ersparen sollen ! « brach Ulrich jetzt mit vollster Heftigkeit aus , » Haben Sie denn wirklich geglaubt , ich würde Sie allein und schutzlos hinausgehen lassen in eine ungewisse Zukunft , zu fremden , herzlosen Menschen , die in Ihnen nur eine Dienende sehen und Ihnen nur Bitterkeit und Demütigungen zu kosten geben ? Ich habe Sie ja doch geliebt , Paula ! Soll ich da nicht einmal das Recht haben , Sie zu schützen ? Versuchen Sie nicht , mir das zu verweigern , ich lasse es mir nicht nehmen . Ich erzwinge es mir nötigenfalls von Ihnen ! « Das klang alles so herb und drohend , wie mühsam zurückgehaltener Groll , und doch redeten die Augen des Mannes eine ganz andere Sprache , eine Sprache , die Paula verstehen gelernt hatte in jener Stunde am See . » Ich kann aber nicht ! « rief sie außer sich . » Beschämen Sie mich doch nicht so tief ! Sie müssen es doch fühlen , daß ich das nicht aus Ihrer Hand nehmen kann und darf . « » Wenn ich Sie nun aber bitte ! « Es klang zum erstenmal etwas wie Weichheit auf in seiner Stimme . » Oder fürchten Sie vielleicht mein Kommen ? Ich werde das Rosnersche Haus nie betreten , ich komme überhaupt nicht wieder nach Deutschland , mein Wort darauf ! Denken Sie , ich werde betteln um eine Liebe , die mir einmal versagt worden ist ? Da kennen Sie mich nicht ! « Er stand in der Mitte des Zimmers , gerade unter der Hängelampe , die jede Linie seiner Gestalt , jeden Zug seines Gesichtes scharf und voll beleuchtete . Paula stand seitwärts im Schatten , sie kämpfte längst schon mit sich selber . Ein Wort , ein Geständnis konnte alles ändern , aber es wollte nicht über ihre Lippen , und seine letzten Worte nahmen ihr vollends den Mut dazu . Er würde ihr nicht glauben , sie kannte ja jetzt sein finsteres Mißtrauen , und das Nein , das sie einmal gesprochen hatte , stand wie eine drohende Schranke zwischen ihnen . Draußen war es längst dunkel geworden . Eine finstere Nacht brach herein mit schwer bewölktem Himmel , der mit Regen drohte . Man sah kaum einige Schritte weit , und jetzt erhob sich auch der Wind , und ein kalter Luftzug wehte herein durch die offene Thür , welche nach der Terrasse führte . Unwillkürlich blickte Paula dorthin und zuckte plötzlich zusammen . Die Lampe warf einen breiten Lichtstreif auf die Terrasse , der weiterhin in ungewisse Dämmerung verschwamm , und dort hinten regte sich etwas , schattenhaft und undeutlich , die Umrisse einer menschlichen Gestalt , die eben wieder zurücktauchte in die Dunkelheit . Aber jetzt erhob sich langsam etwas anderes aus diesem Dunkel , matt aufblinkend , als es in jenen Lichtkreis kam , und richtete sich auf den Schloßherrn , der der Thür den Rücken kehrte – der Lauf einer Büchse ! Ein Augenblick und das junge Mädchen hatte alles begriffen . Es war zu spät zu einem Ruf , einer Warnung , der todbringende Lauf lag schußbereit , der nächste