waren die einzigen Worte , welche wir betreffs der Zukunft miteinander wechselten ; das arme verlassene Wesen schloß sich an mich an , wie das Kalb der erschossenen Büffelkuh dem Pferde des Jägers überall hin nachfolgt , der es seiner Mutter beraubte . – Ehe ich mich von der traurigen Stätte trennte , gebrauchte ich , um weitern Ansteckungen vorzubeugen , die Vorsicht , Feuer an die vorher niedergebrochenen Zelte zu legen und alle Gegenstände , welche noch zerstreut umherlagen , in die Flammen zu werfen . Nur solche Sachen , die meine Adoptivtochter als die , ihrigen bezeichnete , oder die ich als werthvoll für sie erkannte , blieben verschont , doch verstumte ich nicht , dieselben vorher , ehe wir uns zur Abreise rüsteten , sorgfältig über einem zur Hälfte aus grünem saftreichen Holz bestehenden Scheiterhaufen zu räuchern . Selbst das Mädchen mußte sich dieser , Vorsichtsmaßregel unterwerfen , und als ich dann endlich die mir nothwendig erscheinenden Vorbereitungen beendigt hatte , da berührte die Sonne eben den westlichen Rand der Prairie . – » Am folgenden Morgen , bereits in aller Frühe , traten wir unsere Reise stromaufwärts an . Statt der früheren zwei Pferde , besaß ich deren jetzt vier , Ich hatte mir nämlich aus der kleinen herrenlos gewordenen Heerde diejenigen beiden Thiere ausgesucht welche mein Schützling als die ihrer Mutter bezeichnete . Ich hätte mir deren noch mehr aneignen können , doch widersprach dies meinem Gefühl ; auch meine Begleiterin zeigte zu meiner Freude keine Neigung , sich mit dem Eigenthum ihrer verstorbenen Stammesgenossen zu bereichern . Zwei Pferde benutzten wir zum Reiten , die andern beiden trugen unsere Habseligkeiten , und reisten wir daher mit so viel Bequemlichkeit , wie man in der Wildniß und unter den obwaltenden Umständen nur immer verlangen und wünschen konnte . Wenn nun meine junge Gefährtin , mit dem allen Indianerinnen eigenthümlichen Geschick in schwereren Handarbeiten , mir das Leben auf alle mögliche Art zu erleichtern suchte und wirklich erleichterte , so gewährte mir auf der andern Seite die Gesellschaft , des noch von keinem verderblichen Hauch berührten , vollständig unverdorbenen Naturkindes einen wahren Genuß . Ich betrachtete mein Verhältniß zu ihr eben als eine mir von der Vorsehung auferlegte heilige Verpflichtung : sie gewissermaßen für eine spätere , höhere Stufe der Gesittung vorzubereiten und dem Missionair , welchem ich sie in nicht allzuferner Frist zu übergeben gedachte , die ihm dadurch zufallende edle Aufgabe zu erleichtern . Die Erfüllung der Pflichten gegen meinen Schützling blieb indessen auch auf mich nicht ohne fegensreiche Wirkung . Der finstere Ernst , der seit Jahren Besitz von mir ergriffen , begann sich zu lösen , und mit wachsendem Wohlgefallen beobachtete ich die Erfolge meiner Bemühungen , welche bei der außergewöhnlichen Empfänglichkeit des Gemüthes und der überraschenden Fassungsgabe des aufmerksamen Kindes sehr bald sichtbar zu Tage traten . Indem ich die junge Indianerin aber Schritt für Schritt auf dem Wege der Bildung weiter führte , öffneten sich nur innig erfreuen konnten , so daß ich sie in Gedanken oft mit einem zarten Schlößling verglich , welcher , aus der erstickenden Wildniß in edleren Boden verpflanzt , die sorgfältige Pflege des Gärtners mit der , schönsten und tadellosesten Blüthe zu belohnen verspricht . Mit großer Leichtigkeit erlernte sie die englische Sprache , und wie sie sich unter meinen steten Bemühungen geistig unglaublich schnell entwickelte , so gewöhnte sie sich auch von Tag zu Tag mehr daran , einen höheren Werth auf ihre äußere Erscheinung zu legen . Nicht frei von der indianischen Vorliebe für grelle Farbenzusammenstellungen und glänzende Schmucksachen , suchte sie sich doch vor andern Indianerinnen , mit welchen wir gelegentlich auf den Handelsposten der Pelzcompagnie zusammentrafen , dadurch auszuzeichnen , daß sie es verschmähte , ihre Gesichtszüge durch Malereien zu entstellen , nicht zu gedenken , daß sie den Schnitt ihrer Kleidungsstücke nach meinen Angaben der in civilisirten Ländern herrschenden Sitte etwas näher brachte . Und so bot denn die junge indianische Waise , nachdem sie sich vier oder fünf Monate bei mir befunden , ein wahrhaft , bezauberndes Bild noch schlummernder lieblicher Jungfräulichkeit . Ihre sammetweiche Gesichtsfarbe schien heller , ihr schwarzes Haar noch lockiger geworden zu sein , und wenn auch hin und wieder jugendlicher Frohsinn bei ihr zum Durchbruch kam und ein kindliches Lächeln um ihren zierlichen , mit unvergleichlich schönen Zähnen geschmückten Mund spielte , so thronte doch gewöhnlich ein sinnender Ernst auf ihren Zügen , welcher durch die großen melancholischen Augen einen noch charakteristischeren Ausdruck erhielt . Dabei war sie immer freundlich um mich besorgt , immer bereit , mir jede Arbeit abzunehmen oder mich nach meinen Fallen zu begleiten . Wenn ich sie aber gar belobte über die Geschicklichkeit , mit welcher sie eine Wildhaut gegerbt oder meine Mokassins gestickt hatte , oder wenn sie bemerkte , mit welchen Zufriedenheit ich die von ihr auf die einfachste Art bereiteten Speisen verzehrte , dann leuchteten ihre Augen vor Dankbarkeit , und deutlich sprach aus denselben das Entzücken , welches sie darüber empfand , mir mein Wohlwollen und meine Fürsorge einigermaßen vergelten zu können . Ueber ihre , Vergangenheit wußte sie wenig oder gar nichts zu erzählen . Sie war noch ein hülfloses Kind , als ihr Stamm zum ersten Male durch die Blattern und den hinterlistigen Ueberfall seiner Erbfeinde fast ganz aufgerieben wurde . Ihr Vater gehörte damals mit zu denjenigen Kriegern , welche man entweder tödtete oder mit fortschleppte . Seit jener Zeit hatte sie sich bei ihrer Mutter und deren Bruder befunden , die mit mehreren andern , dem Verderben entronnenen Mandanenfamilien , bis zum abermaligen Ausbruch der verheerenden Krankheit , ein nomadisirendes Leben führten . Es lebte also Niemand mehr , der ein Recht an meine freundliche Gefährtin besessen hätte ; ich durfte sie als mein ausschließliches Eigenthum betrachten , und gedachte ich auch , ungern der Zeit , in welcher ich gezwungen sein würde , mich von ihr zu trennen , so fühlte ich mich doch reich belohnt durch das Bewußtsein :