seltenen Weise und ohne die imponierende Kamelsänfte geschah , aber es gab Keinen , der irgend ein Aufheben davon machte . Höchstens , daß hier oder da Einer stehen blieb , um den Reitern verwundert , aber still nachzuschauen . Das Gemeindeleben war hier eben ein anderes , geordneteres und darum auch ruhigeres als in den Dörfern anderer Stämme . - - - Das war es , was Kara während seines Rittes erlebt hatte . Er berichtete es mir später noch ausführlicher , als ich es hier erzählt habe . Dieser sogenannte Uebungsritt war also noch viel mehr geworden , als er ursprünglich hätte werden sollen . Was mich betrifft , so war mir während dieser Zeit nichts Besonderes begegnet . Mit der » festjungfräulichen « Köchin gab es ein kurzes Gespräch . Als sie bei ihrer Rückkehr aus dem Thale an mir vorübergehen wollte , nickte ich ihr freundlich zu . Dies veranlaßte sie , stehen zu bleiben . Sie machte die kleinen Aeuglein zu , um besser nachdenken zu können , welchen Gegenstand des Gespräches sie am liebsten wählen könne ; dann schlug sie sie wieder auf und fragte mich , natürlich in türkischer Sprache : » Effendi , kennst du Teheran ? « » Ja , « nickte ich . » Hast du dort Hagad , den Aschtschy108 gekannt ? « » Nein . « » Das ist schade , denn er war mein Vater . Hast du aber Machub Suleiman Effendi gekannt , welcher Sefir109 war ? « » Nein . « » Auch das ist schade , denn er war der Herr meines Vaters . Beide kamen nach Teheran , der Sefir , weil der Sultan ihn sandte , und mein Vater , um für ihn zu kochen . Meine Mutter war auch dabei , und als mein Vater ein Jahr lang für Machub Suleiman Effendi gekocht hatte , wurde ich geboren . « » So stammst du also nicht aus der Türkei , sondern aus Persien ? « » Ich stamme von meinem Vater und von meiner Mutter , und beide waren Osmanen . Ich habe als Kind meist türkisch mit ihnen gesprochen , und darum liebe ich noch heute diese meine Muttersprache sehr . Mein Vater kochte auch mit für meine Mutter , und da ich sein Liebling war , hat er mich alles gelehrt , was er konnte . Ich half ihm gern und überall , und als meine Mutter gestorben war , ließ er sein Harem für immer leer , und ich blieb mit ihm allein . Als der Sefir nach Stambul zurückkehrte , blieb mein Vater in Teheran , weil er Koch des Beherrschers wurde . Aber unsern Tifl kennst du wohl ? « » Natürlich ! Das weist du ja ! « » Er hieß damals anders ; aber ich habe ihn stets Tifl genannt . Manche heißen ihn El Aradsch , weil er hinkt . Ich glaube , seinen früheren Namen hat er ganz vergessen . Er kam mit anderen Kindern der Dschamikun nach Teheran , um Reitknecht des Schah-in-Schah zu werden . Er wohnte also im Ark110 , grad so wie ich , und wir wurden sehr bald und auch sehr gut mit einander bekannt , weil sein steter Hunger keinen Anfang und kein Ende hatte . Ich fütterte ihn und nannte ihn darum Tifl , das Kind . Alles , was er von mir bekam , schmeckte ihm köstlich , und weil dieses Wort in der türkischen Sprache pek ala heißt , so hat er mir den Namen Pekala gegeben . Daher kommt es , daß wir beide noch heut von jedermann Pekala und Tifl genannt werden . Mein Tifl war eigentlich nur für die Pferde geboren . Er wußte und wollte außer mir nichts anderes als sie . Und wie er sie liebte , so liebten sie ihn auch . Er war noch sehr klein , da that es ihm kein anderer Seïs gleich . Darum waren seine Vorgesetzten außerordentlich mit ihm zufrieden . Aber das rührte ihn nicht ; er achtete nur auf mich ; ein Lob von mir war ihm lieber als tausend andere . Ich erzog ihn aber auch sehr sorgfältig und erziehe ihn noch heut ! Ein Mann muß nämlich stets erzogen werden ! Man darf nur freilich nicht darauf achten , wenn er sich dagegen sträubt . Sie sind alle , alle fast noch wie die Kinder ! « » Auch der Ustad ? Oder der Pedehr ? « unterbrach ich sie . Diese meine Frage brachte sie sichtlich in Verwirrung . Sie sah mich verlegen an , rieb sich mit dem gebogenen Zeigefinger das kleine , unbedachtsame Näschen und ließ ihre runden Wänglein noch beträchtlich röter werden , als sie so schon waren . Dann warf sie plötzlich den Kopf zurück und verriet mir durch den triumphierenden Ausdruck , der sich ihres ganzen Gesichtes bemächtigte , daß sich unter der Ursprungsstelle ihrer langen Haarflechten ein rettender Gedanke eingefunden habe . » Das sind doch keine Männer ! « sagte sie . » Was denn ? « » Herren und Gebieter ! Du weißt doch , daß es zweierlei männliche Wesen giebt ! « » So ? « » Ja ! Nämlich solche , welche zu gebieten und solche , welche zu gehorchen haben . Die Herren sind schon erzogen ; die anderen aber müssen es sich gefallen lassen , daß man es mit ihnen thut . « » Und dazu seid wohl ihr Frauen da ? « » Ja ! Denn zur Erziehung eines Mannes gehört außerordentlich viel Liebe , Geduld und Energie , und diese drei sind nicht bei euch , sondern nur bei uns zu finden . Wenn du das nicht glaubst , so frage nur mein Kind ! Du wirst von ihm erfahren , was für Mühen und Sorgen mir seine Erziehung bereitet hat und auch heute noch bereitet . Es ist kein Spaß , die Mutter eines Jungen zu sein , der fast ganz genau