Erinnerungen weckte . Schon vor etlichen fünfzig Jahren habe er Musikstücke spielen müssen , die alle auf den Namen » Moscheles « liefen . Aber das wolle er den Insichtstehenden nicht weiter entgelten lassen . Und nach diesen beruhigenden Versicherungen empfahl sich Sponholz und fuhr zu weiteren Abschiedsbesuchen in die Grafschaft hinein . Am zweitfolgenden Tage brachen die Sponholzschen Eheleute von Gransee nach Pfäffers hin auf ; die Frau , sehr leidend , war schweigsam , er aber befand sich in einem hochgradigen Reisefieber , was sich , als sie draußen auf dem Bahnhof angelangt waren , in immer wachsender Gesprächigkeit äußerte . Mehrere Freunde ( meist Logenbrüder ) hatten ihn bis hinaus begleitet . Sponholz kam hier sofort vom Hundertsten aufs Tausendste . » Ja , unser guter Stechlin , mit dem steht es soso ... Baruch hat ihn auch gesehn und ihn einigermaßen verändert gefunden ... Und Sie , Kirstein , Sie schreiben mir natürlich , wenn der junge Burmeister eintritt ; ich weiß , er will nicht recht ( bloß der Vater will ) und soll sogar von Hokuspokus gesprochen haben . Aber dergleichen muß man leichtnehmen . Unwissenheit , Verkennungen , über so was sind wir weg ; viel Feind , viel Ehr ... Nur , es noch einmal zu sagen , der Alte drüben in Stechlin macht mir Sorge . Man muß aber hoffen ; bei Gott kein Ding unmöglich ist . Und zu Moscheles hab ich Vertrauen ; ihn auskultieren zu sehn ist ein wahres Vergnügen für ' nen Fachmann . « So klang , was Sponholz noch in letzter Minute vom Coupéfenster aus zum besten gab . Alles , am meisten aber das über den alten Stechlin Gesagte , wurde weitergetragen und drang bis auf die Dörfer hinaus , so namentlich auch bis nach Quaden-Hennersdorf zu Superintendent Koseleger , der seit kurzem mit Ermyntrud einen lebhaften Verkehr unterhielt und , angeregt durch die mit jedem Tage kirchlicher werdende Prinzessin , einen energischen Vorstoß gegen den Unglauben und die in der Grafschaft überhandnehmende Laxheit plante . Koseleger sowohl wie die Prinzessin wollten zu diesem Zwecke beim alten Dubslav als » nächstem Objekt « einsetzen und hielten sein Asthma für den geeignetsten Zeitpunkt . In einem Briefe der Prinzessin an Koseleger hieß es dementsprechend : » Ich will die gute Gesinnung des alten Herrn in nichts anzweifeln ; außerdem hat er etwas ungemein Affables . Ich bin ihm menschlich durchaus zugetan . Aber sein Prinzip , das nichts Höheres kennt als leben und leben lassen , hat in unsrer Gegend alle möglichen Irrtümer und Sonderbarkeiten ins Kraut schießen lassen . Nehmen Sie beispielsweise diesen Krippenstapel . Und nun den Lorenzen selbst ! Katzler , mit dem ich gestern über unsern Plan sprach , hat mich gebeten , mit Rücksicht auf die Krankheit des alten Herrn wenigstens vorläufig von allem Abstand zu nehmen , aber ich hab ihm widersprechen müssen . Krankheit ( soviel ist richtig ) macht schroff und eigensinnig , aber in bedrängten Momenten auch wiederum ebenso gefügig , und es sind wohl auch hier wieder gerade die Auferlegungen und Bitternisse , daraus ein Segen für den Kranken und jedenfalls für die Gesamtheit unsres Kreises entspringen wird . Unter allen Umständen aber muß uns das Bewußtsein trösten , unsre Pflicht erfüllt zu haben . « Es war eine Woche nach Sponholz ' Abreise , daß Ermyntrud diese Zeilen schrieb , und schon am andern Vormittage fuhr Koseleger , der mit der Prinzessin im wesentlichen derselben Meinung war , auf die Stechliner Rampe . Gleich danach trat Engelke bei Dubslav ein und meldete den Herrn Superintendenten . » Superintendent ? Koseleger ? « » Ja , gnäd ' ger Herr . Superintendent Koseleger . Er sieht sehr wohl aus und ganz blank . « » Was es doch für merkwürdige Tage gibt . Heute ( du sollst sehn ) ist wieder so einer . Mit Moscheles fing ' s an . Sage dem Herrn Superintendenten , ich ließe bitten . « » Ich komme hoffentlich zu guter Stunde , Herr von Stechlin . « » Zur allerbesten , Herr Superintendent . Eben war der neue Doktor hier . Und eine Viertelstunde , wenn ' s mit dem praesente medico nur ein ganz klein wenig auf sich hat , muß solche Doktorgegenwart doch wohl noch nachwirken . « » Sicher , sicher . Und dieser Moscheles soll sehr gescheit sein . Die Wiener und Prager verstehn es ; namentlich alles , was nach der Seite hin liegt . « » Ja « , sagte Dubslav , » nach der Seite hin « , und wies auf Brust und Herz . » Aber , offen gestanden , nach mancher andern Seite hin ist mir dieser Moscheles nicht sehr sympathisch . Er faßt seinen Stock so sonderbar an und schlenkert auch so . « » Ja , so was muß man unter Umständen mit in den Kauf nehmen . Und dann heißt es ja auch , der Major von Stechlin habe mehr oder weniger einen philosemitischen Zug . « » Den hat der Major von Stechlin auch wirklich , weil er Unchristlichkeiten nicht leiden kann und Prinzipienreitereien erst recht nicht . Ich gehöre zu denen , die sich immer den Einzelfall ansehn . Aber freilich , mancher Einzelfall gefällt mir nicht . So zum Beispiel der hier mit dem neuen Doktor . Und auch mein alter Baruch Hirschfeld , den der Herr Superintendent mutmaßlich kennen werden , auch der gefällt mir nicht mehr so recht . Ich hielt große Stücke von ihm , aber - vielleicht daß sein Sohn Isidor schuld ist - mit einem Mal ist der Pferdefuß rausgekommen . « » Ja « , lachte Koseleger , » der kommt immer mal raus . Und nicht bloß bei Baruch . Ich muß aber sagen , das alles hat mit der Rasse viel , viel weniger zu schaffen als mit dem jeweiligen Beruf . Da war ich eben bei der Frau von Gundermann ... « » Und