beklagte man sie allgemein . Was war aus der rüstigen , tatkräftigen Frau geworden ! - Toni kam kurz vor dem Feste mit dem Postwagen an . Sie begab sich ohne weiteres nach dem Elternhause . Aber der alte Bauer , der eine Frauensperson in städtischer Kleidung , gefolgt von einem Burschen , welcher den Koffer trug , auf den Hof zuschreiten sah , schloß die Haustür ab und zog sich in die Dachkammer zurück , aus der er so bald nicht wieder zum Vorschein kam . Er hatte in dem » Fräulein « die Tochter nicht wieder erkannt . Toni war darauf zu Frau Katschner gegangen , wo sie Pauline und Ernestine traf . Das Erstaunen der beiden über Tonis Aufzug war nicht gering . Wenn jemand bäuerisch ausgesehen hatte , so war es Toni gewesen ; jetzt kam sie als Stadtdame wieder . Dick schien sie immer noch zu sein , aber die rotbraune Farbe war von ihren Wangen gewichen . Das Haar war gepflegt und zu einer hohen Frisur aufgesteckt , über die Stirne fiel es in vereinzelten Fransen fast bis auf die Augenbrauen herab . Ihr Mieder mußte ziemlich eng sein , nach der Art zu schließen , wie sie sich steif bewegte . Sie hatte den mit Seide gefütterten Mantel , den Hut mit Straußenfeder , Muff , Handschuhe und Schirm abgelegt und ließ diese Pracht nun von den Frauen bewundern . Von jedem Stücke nannte sie bereitwilligst den Preis . Frau Katschner war auch hinzugekommen . Es wurde Kaffee gekocht . Toni bildete den Mittelpunkt des Interesses . Man erzählte ihr , daß ihr Kindchen gestorben sei . Zeichen allzu großer Bestürzung gab sie nicht zu erkennen . Einige Tränen hatte sie wohl dafür übrig . Dann meinte sie : Die Kinderkleidchen , die sie aus Berlin mitgebracht für das Kleine , wollte sie nun Paulinen schenken . Die Witwe Katschner wollte dafür , daß sie den Kaffee schenkte , auch etwas zu hören bekommen . Toni wurde aufgefordert , von ihren Erlebnissen zu erzählen . Sie tat es in der Weise beschränkter Menschen , die sich einbilden , daß gerade ihnen Dinge passiert seien , die keinem anderen Menschen widerfahren könnten . Halb und halb sprach sie noch den heimischen Dialekt ; in der altgewohnten Umgebung legte sie schnell ab , was sie sich etwa an großstädtischen Redewendungen angewöhnt hatte . Sie schwatzte alles durcheinander . Zuerst war sie Amme gewesen in jener von Samuel Harrassowitz ihr verschafften Stelle . Das wäre wunderschön gewesen , erzählte Toni . Sie machte eine Beschreibung von ihrem Spreewälder Kostüm . Täglich sei sie mit dem Kinde im Tiergarten gewesen , bei gutem Wetter zu Fuß , bei schlechten im Wagen . Ernestine fragte , warum sie denn nicht in der Stellung geblieben sei , wenn sie es da so gut gehabt . Toni meinte , sie hätte da nicht essen und trinken dürfen , was sie gewollt ; vom Arzte hätte sie sich auch in einem fort untersuchen lassen müssen , und als das Kind eines Tages Brechdurchfall bekommen habe , sei die Herrschaft sehr böse geworden und habe sie entlassen . Dann sei sie eine Zeitlang ohne Stellung gewesen , habe » als privat « gelebt , wie sie sich ausdrückte , bis ihr Freund ihr endlich die jetzige Stellung verschafft habe . Was denn das für eine Art Verdienst sei , forschte die wißbegierige Frau Katschner . Toni wußte Wunderdinge darüber zu berichten . Sie sei in einem sehr » feinen Lokale « . In der Mitte des Lokales befinde sich ein Ding , ganz aus Glas , wie ein Häuschen - sie gab sich vergebliche Mühe , einen Kiosk zu beschreiben - da drinnen stehe sie und verkaufe Würstchen an die Gäste ; das Paar koste zwanzig Pfennige . An einem Abende verkaufe sie manchmal tausend und mehr . Dazu habe sie ein Kostüm an ; sie beschrieb es : Sammetmieder , roten Rock , bloße Arme und eine dreifache Kette von silbernen Münzen um den Hals . Sie sei auch schon so photographiert worden ; die Photographie habe sie im Koffer mit . Ernestine , die schon lange mit verhaltenem Spotte den Erzählungen der älteren Schwester zugehört hatte , meinte jetzt in wegwerfenden Tone : Würstchen verkaufen , das sei was Rechtes , dazu brauche man nicht nach Berlin zu gehen ! Aber Toni erklärte voll Eifer , ihre Stellung sei eine sehr feine , sie bekomme viel Trinkgelder , die Herren unterhielten sich oft mit ihr und machten viel Spaß . Zweimal in der Woche habe sie Ausgehtag . Dann erzählte sie von Zirkus , Theater , Vierkonzerten , Bällen . Die Wunder der Großstadt hatten außergewöhnliche Bilder in die Phantasie dieses Landkindes geworfen . Der neuen Eindrücke waren zu viel gewesen ; alles hatte sich in dem Kopfe der Törin verzerrt und verschoben . Nun , wo sie versuchte , eine Beschreibung von ihren Eindrücken und Erlebnissen zu geben , wußte sie nicht , wo anfangen , fand keine Ausdrücke für Dinge , die sie niemals begriffen , nur wie der Wilde die Wunder der Zivilisation erstaunt angestarrt hatte . Dann fing sie an von ihren Kleidern zu erzählen . Drei hatte sie zum Ausgehen , dazu zwei Hüte , und Strümpfe und Hemden dutzendweise . Ernestine rückte unruhig auf ihrem Platze hin und her ; daß Toni , der sie sich stets überlegen gefühlt hatte , jetzt als große Dame auftrat , verdroß sie . Wovon Toni denn all den Aufwand bestreite , verlangte sie zu wissen . Ihr Freund bezahlte ihr alles , erklärte Toni mit Selbstgefühl . » Mag ' n scheuer Freind sen , das ! « höhnte Ernestine . Voll Eifer setzte Toni auseinander : » Er is sehre gutt mit mer . ' s Reisegeld hat er mer och geschenkt . Weil ' ch und de Fisse taten mer duch su schwellen ; da is ' r selber zum Chef und hat ' n