» Es riecht hier schrecklich nach Farbe . « Kathi nestelte an ihrem Mieder . » Ja , unerträglich . Da lassen wir einfach das Fenster auf . « » Aber ich bitte Dich .. « Kathi wandte sich halb schmollend ab , indem sie den klassisch modellirten rechten Arm in die Hüfte stemmte und mit der linken Hand am Munde herumknabberte . » I was ! Die Sterne freuen sich nur über uns . Sonst hört uns Keiner . « » Horch ! « Ein eigenthümlich angstvolles Lauschen spannte Kathis Züge , ihre Augen traten weit hervor . » Was ist Dir , Liebchen ? Der Fjord rauscht draußen . Der hört nicht auf . Der wiegt uns ein als unser Hochzeitlied . « » Jaja , « wiederholte sie gedankenlos , indem sie wie abwesend in die Ferne starrte . » Mir war , als hört ' ich eine Stimme ... von Jemand ... Ah ! « Sie schrie leicht auf - Eugen hatte das Licht gelöscht . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Norweger lacht ungern und nirgends schweigt man so unheimlich . Der Optimist mag hierin die tiefe Innerlichkeit des Nordländers erkennen . Allein die tiefsinnige Gedankenthätigkeit dreht sich hier doch meist darum , wie man aus einer Krone einen Speziesthaler macht - freilich , wo wäre es anders ! Ihre Dichter und Künstler können es nie in ihrer Mitte aushalten , obschon kaum eine Nation der Welt so künstlerisch beanlagt und nur die Dänische reicher an ästhetischen Bildungsphilistern ist . Die Respektabilität in weißer Halsbinde , die über jede wohlriechende Fäulniß den Mantel christlicher Liebe breitet , herrscht in den Städten ; im Hochland Haugianische Mystik . Die Schrecken der Natur und das Hineinragen ihrer Nachtseiten ins Menschenleben führen oft zu sittlicher Verwilderung . Laster und Leidenschaften treten dort mit verdoppelter Stärke auf , wenn auch die frühere Einfuhr von zahllosen Ankern Branntwein in diese Alpengaue statistisch sehr nachgelassen hat und jetzt manche Thäler als unfreiwillige Temperenzler von Kuhmilch und Milch der Menschenliebe leben . Im Bergensstift fand der norwegische Grimm , Asbjörnson , die Märchen zu schmutzig und grobsinnlich , um sie in seine Sammlung aufzunehmen . Dort war ' s , wo die Frauen zu jedem gemüthlichen Trinkgelage die » Leichenhemde « ihrer Männer mitnahmen , weil man nicht wissen konnte , was passiren würde . Auch jetzt spielt dort das Seitenmesser ( Tällekniv ) , das auch die Gebildeten manchmal aus Affektation an der Hüfte tragen , eine bedeutende Rolle . Man sitzt stets auf einem Pulverfaß . Der Norweger scheint entweder ein verkniffener Choleriker oder ein sommersprossiger Sanguiniker , der jeden Augenblick in Feuer und Flamme geräth . Dazu kommt der republikanische Größenwahn , der , ähnlich wie die praktischen Schweizer auf die » Förschtenknechte Deutschlands « , auf die Händel Europas im Voll-Bewußtsein eines demokratischen Musterstaats herabsieht . Dazu noch der Größenwahn der Halbbildung . So sprach der Wirth Wolffert ' s vier Sprachen , und übte sein Englisch an Shakespeare und Dickens - urtheilte aber , der Letztere sei natürlich viel größer , weil er verständlicher schreibe ! ! Dieser schauderhafte demokratische Größenwahn des souveränen Pöbels treibt in sogenannten Bauern-Universitäten Nationalökonomie , kaum der A-B-C-Fibel entlaufen . Dieser waldursprüngliche Freiheitsdrang hätte gewiß den seligen Rousseau begeistert . Jeder Düngerhaufen ein ambrosisch duftendes Tropaion des republikanischen Naturstaates ! » Willkommen in Nordland ' s Thälern ! « rief der biedre Wirth und Toddy nebst Pfeifen wurden aufgefahren . Beide politisirten nun radebrechend drauf los und begossen diese Kannegießerei mit manch tüchtigem Schluck , wobei der biedere Ole immer als Leitmotiv ihres Gesprächs gassenhauerte : » Ja Deutschland ist groß Und Bismarck famos . Wir nehmen Alles , was wir können . « Währenddessen zeigte die Wirthin der schönen deutschen Dame ihre Schmucksachen . » Sind die Ladies alle so hübsch in Deutschland , wie Ihre Frau Gemahlin ? « fragte Ole indem er sich räuspernd Eugen leicht in die Seite kniff . » Hm - wenige , « erwiderte dieser , halb verlegen halb geschmeichelt . » Sie haben einen Treffer gethan , Sie smart fellow ! « Ole wurde ordentlich familiär in seiner Herablassung . » Eine solche Frau zu wählen ! « » So ? Meinen Sie ? « maulte Jener . Der Blick , mit dem er Kathi streifte , verrieth eine nachdenkliche Betroffenheit . » Na ! Die Brut , die da gezüchtet wird ! « Der etwas angetrunkene Bauer schlug Eugen jovial auf die Schulter . » Alle Achtung ! Ein Kernweib ! Vollblut ! « » Wenn Du wüßtest , was für einen Bewunderer Du hier gewonnen hast ! « wandte sich Eugen an Kathi . Diese lächelte vergnügt und nickte nur mit dem Kopf . » Komm , Schatz ! Laß uns mal spazieren gehn ! « Da war Kathi gleich dabei . Sie schlugen sich seitwärts in die Gebüsche . Kathi war so zärtlich und Eugen so stolz auf ihre Schönheit . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - » Na , good-bye ! « Die Wirthin reichte einen Abschiedstrunk hinauf . Das Pärchen wollte weiter , wieder rückwärts nach Südwesten . Kathi vorn auf der ersten Carriole , Eugen auf der zweiten . Der Skydsbub wurde zurückgelassen , weil er sie störe und sie schon selbst bis zur nächsten Station fahren könnten . » Also vorwärts ! « Die Hengste lümmelten sich auf den Zügeln . » Glatt anreiten ! « Wie auf einer Rennbahn starteten die leichten Gefährte los , während der Wirth hutschwenkend ein kräftiges Schnalzen seinen Pferden nachsandte . IV. Noch mischte die Dunkelheit Berge und Himmel , so daß die Firnen , die sich langsam rötheten , als rosige Wölkchen erschienen . Noch