mich empfehlen wollte , sagte er : » Oh ! bleiben Sie noch ein Stündchen hier , Sie werden den Vormittag doch nichts mehr machen können ; sehen Sie mir ein wenig zu , und plaudern wir ein bißchen ! « Mit Vergnügen tat ich dies , hörte auf seine Bemerkungen , die er über sein Verfahren machte , und sah zum ersten Mal die einfache , freie und sichere Art , mit der ein Künstler arbeitet . Es ging mir ein neues Licht auf , und es dünkte mich , wenn ich mich selbst auf meine bisherige Art arbeitend vorstellte , als ob ich bis heute nur Strümpfe gestrickt oder etwas Ähnliches getan hätte . Rasch kopierte ich die Blätter , die Römer mir mitgab , mit aller Lust und allem Gelingen , welche ein erster Anlauf gibt , und als ich sie ihm brachte , sagte er : » Das geht ja vortrefflich , ganz gut ! « An diesem Tage lud er mich ein , da das Wetter sehr schön war , einen Spaziergang mit ihm zu machen , und auf diesem verband er das , was ich in seinem Hause bereits eingesehen , mit der lebendigen Natur , und dazwischen sprach er vertraulich über andere Dinge , Menschen und Verhältnisse , welche vorkamen , bald scharf kritisch , bald scherzend , so daß ich mit einem Male einen zuverlässigen Lehrer und einen unterhaltenden und umgänglichen Freund besaß . Bald fühlte ich das Bedürfnis , immer und ganz in seiner Nähe zu sein , und machte daher immer häufiger von meiner Freiheit , ihn zu besuchen , Gebrauch , als er eines Tages , nachdem er gründlich und schon etwas strenger eine Arbeit durchgesehen , zu mir sagte : » Es würde gut für Sie sein , noch eine Zeit ganz unter der Leitung eines Lehrers zu stehen ; es würde mir auch zum Vergnügen und zur Erheiterung gereichen , Ihnen meine Dienste anzubieten ; da aber meine Verhältnisse leider nicht derart sind , daß ich dies ganz ohne Entschädigung tun könnte , wenigstens wenn es nicht durchaus sein muß , so besprechen Sie sich mit Ihrer Frau Mutter , ob Sie monatlich etwas daranwenden wollen . Ich bleibe jedenfalls einige Zeit hier , und in einem halben Jahre hoffe ich Sie so weit zu bringen , daß Sie später besser vorbereitet und selbst imstande , einigen Erwerb zu finden , Ihre Reisen antreten könnten . Sie würden jeden Morgen um acht Uhr kommen und den ganzen Tag bei mir arbeiten . « Ich wünschte nichts Besseres zu tun und lief eiligst nach Hause , den Vorschlag meiner Mutter zu hinterbringen . Allein sie war nicht so eilig wie ich und ging , da es sich um Ausgabe einer erklecklichen Summe handelte und ich selbst einen Teil des an Habersaat Bezahlten für verlorenes Geld hielt , erst jenen vornehmen Herrn , bei dem sie schon früher einmal gewesen , um Rat zu fragen ; denn sie dachte , derselbe werde jedenfalls wissen , ob Römer wirklich der geachtete und berühmte Künstler sei , für welchen ich ihn so eifrig ausgab . Doch man zuckte die Achseln , gab zwar zu , daß er als Künstler talentvoll und in der Ferne renommiert sei ; über seinen Charakter jedoch hüllte man sich ins Unklare , wollte nicht viel Gutes wissen , ohne etwas Näheres angeben zu können , und meinte schließlich , wir sollten uns in acht nehmen . Jedenfalls sei die Forderung zu groß , unsere Stadt sei nicht Rom oder Paris , auch hielte man dafür , es wäre geratener , die Mittel für meine Reisen aufzusparen und diese desto früher anzutreten , wo ich dann selbst sehen und holen könne , was Römer besäße . Das Wort Reisen war nun schon wiederholt vorgekommen und war hinreichend , meine Mutter zu bestimmen , jeden Pfennig zur Ausstattung aufzubewahren . Daher teilte sie mir die bedenklichen Äußerungen mit , ohne zuviel Gewicht auf die den Charakter betreffenden zu legen , welche ich auch mit Entrüstung zunichte machte ; denn ich war schon dagegen gewaffnet , indem ich aus verschiedenen rätselhaften Äußerungen Römers entnommen , daß er mit der Welt nicht zum besten stehe und viel Unrecht erlitten habe . Ja , es hatte sich schon eine eigene Sprache über diesen Punkt zwischen uns ausgebildet , indem ich mit ehrerbietiger Teilnahme seine Klagen entgegennahm und so erwiderte , als ob ich selbst schon die bittersten Erfahrungen gemacht oder wenigstens zu fürchten hätte , welche ich aber festen Fußes erwarten und dann zugleich mich und ihn rächen wollte . Wenn Römer hierauf mich zurechtwies und erinnerte , daß ich die Menschen doch nicht besser kennen werde als er , so mußte ich dies annehmen und ließ mich mit wichtiger Miene belehren , wie es anzufangen wäre , sich gehörig zu stellen , ohne daß ich eigentlich wußte , worum es sich handelte und worin jene Erfahrungen denn beständen . Ich entschloß mich kurz und sagte zur Mutter , ich wolle das Gold , welches in meinem ehemals geplünderten Sparkästchen übriggeblieben , für die Sache opfern . Hiegegen hatte sie nichts einzuwenden ; ich nahm also die Schaumünze und einige Dukaten , welche dabei waren , und trug alles zu einem Goldschmied , welcher mir den Wert in Silber dafür bezahlte , brachte das Geld zu Römer und sagte , das sei alles , was ich verwenden könnte , und ich wünschte wenigstens vier Monate seines Unterrichtes dafür zu genießen . Zuvorkommend sagte er , das sei gar nicht so genau zu nehmen ! Da ich tue , was ich könne , wie es einem Kunstjünger gezieme , so wolle er nicht zurückbleiben und ebenfalls tun , was er könne , solange er hier sei , und ich solle nur gleich morgen kommen und anfangen . So richtete ich mich mit großer Befriedigung bei ihm ein . Den ersten und zweiten Tag ging es noch ziemlich gemütlich zu ; allein schon