, den Ruf Gottes an jenem schrecklichen Abende gehört zu haben in der Sturmglocke und sich daher um Worte der Menschen wenig kümmern zu müssen . Sie wisse wohl , daß sie niemandem recht sei , daß man sie für eine halte , die sich hintersinne ; doch sie wisse gerade so gut , daß zu der Zeit , wo sie das getan , was sie jetzt so schmerzlich bereuen müsse , gar allen alles recht gewesen sei . Von den Frommen wäre sie auf den Händen getragen worden , und die , welche doch klüger gewesen als sie , hätten auf ihren Wunsch eine Predigt zustande gebracht , durch die dann die gute Dorothee noch um Ehr ' und guten Namen gekommen sei . So hätten es die Menschen , und sie möge schon gar keinen Zuspruch mehr von ihnen hören , seit ihr eigenes Gewissen erwacht sei . So antwortete Zusel dem Kaplan , und dabei blieb sie . Hansjörgs Anwesenheit im Hause vermochte nur wenig zu ändern . Angelika glaubte freilich bei der Schwester noch die alte Neigung zu gewahren , aber auch daß Zusel sie wie etwas recht Sündhaftes mit aller Kraft bekämpfte . Hansjörg schien sich auch darum nicht mehr besonders viel zu kümmern . Er lebte ganz nur im Geschäft und für die Seinen , zu denen er auch den Jos mit Stolz zählte . Die beiden verkehrten täglich miteinander und führten auch manche Neuerung im Laden ein , der ihnen gänzlich überlassen war . Auch Hansjörgs jüngere Schwester Marie , die seit dem Tode des Vaters ebenfalls hier im Hause war und neu aufzuleben begann , tat dabei , was sie nur konnte . Es war den beiden Burschen gelungen , ihre ganz besonders zierlichen Stickereien viel vorteilhafter als bisher zu verwerten , und schon erlebten sie die Freude , daß auch andere Mädchen zu so kunstvoller Arbeit sich mehr Mühe und Zeit kosten ließen . Auch Weber und andere Handwerker hatten wohl nie so viel zu tun gehabt wie jetzt . Hansjörg hörte stets auf den Rat seines Freundes , und Jos wußte zu gut , wie einem armen Handwerker zumute sei , um nicht dafür zu sorgen , daß das Geld und der gute Verdienst so viel als möglich in der Gemeinde bleibe . - - Des Frühlings lieblich duftender Odem hauchte wieder allen Wesen neues Leben ein . Das war ein Rauschen und Jubeln , ein Singen und Flüstern , als ob es immer und überall Sonntag wäre . Die Welt schien ganz neu geworden . Sogar die Berge ringsum trugen Blumensträuße und schauten freundlich ins Tal herab , wo die Menschen fröhlich ihre Feldarbeit begannen . Auch Angelika war im Freien , sooft es die ihr von der Schwester ganz allein überlassene Hausarbeit erlaubte . Sie wand Kränze aus den Blumen , die ihr Margretle jubelnd zusammentrug . Wehmütig dachte sie an die eigenen Kinderjahre und wie sie da neben Hansen spielte . Dann aber mußte gleich wieder eine Arbeit ersonnen werden , daß man vom Platz und auf andere Vorstellungen kam . Zusel war die alte geblieben . Sie schien keine der sie umblühenden Blumen zu sehen als die , welche sie auf des Vaters Grab gepflanzt hatte . Auf dem Friedhof , und nur dort , mußte man sie suchen , wenn sie nicht zu Hause war . Im Sommer wurde das etwas anders . Man riet ihr , den Laden und alles aufzugeben , da doch nicht viel Gewinn dabei sei , wenn alles durch fremde Hände gehe . Dieser Rat kam von einigen geizigen Basen , denen das gemeinnützige Walten der beiden Burschen mißfiel , obwohl es dem Geschäfte nur Vorteil brachte . Es traf Zusel um so schmerzlicher , weil sie darin einen Vorwurf empfand , daß sie auf so ein Geschäft , wie das , welches der Fleiß ihres Vaters errichtete , gar nicht passe , sondern eher in irgend einem abgelegenen Neste das alte Bäschen spielen sollte . Sie sagte kurz , daß sie den Hansjörg nicht mehr aus dem Hause schicke , wenn sie ihm auch gar keine Arbeit hätt ' und er nur noch essen und vergessen müßte . Diese Antwort weckte nun um so eher die Vermutung , das Mädchen denke noch an eine Heirat mit dem Burschen , weil es als ausgemachte Sache galt , daß sonst wohl nicht mehr der hundertste des Krämers Töchtermann werden möchte . Zusel ging von jetzt an etwas weniger selten in den Laden als bisher . Hansjörg und Angelika glaubten damit schon viel gewonnen und gaben sich alle Mühe , sie nun auch in Verkehr mit der immer zahlreicheren Kundschaft zu bringen . Das aber war nicht möglich . Wenn sie auch einmal etwas half , so war ihr anzusehen , daß sie die Gedanken bei etwas anderem hatte So stand sie auch an einem Sonntag neben dem Zahltisch und sah dem Hansjörg zu , wie der ein von Angelika gebrachtes Schriftbündel durchsuchte . Es fehlte ihm die Rechnung mit Stighansen , welcher heute sagte , daß er mit dem Heu , welches Jos als Knecht ihm am ersten Tage heimholen half , noch nicht alles ganz im ebenen habe . Davon war nun im Hauptbuche nichts zu finden , die Rechnung mußte daher unter den anderen Papieren gesucht werden . Hansjörg überflog ein Blatt nach dem anderen und schüttelte den Kopf . Endlich kamen nur noch Briefe . Diese sah der Bursche bloß an . Einen jedoch las er ziemlich weit hinein . Die Wangen glühten ihm , und seine Hand zitterte , da er ihn plötzlich in die Tasche schob . » Was machst du ? « fragte Zusel . » Diesen Brief braucht kein Mensch mehr zu sehen . Ich will ihn verbrennen . « » Aber er ist mein ... « » Gewiß ... drum darf ich ihn vernichten , wenn du es erlaubst . « » Aber ich erlaub ' es durchaus nicht . « » Wenn