Es wurde viel Kinderwäsche darin getrocknet , und sehr böse Dünste herrschten darin . Mit grimmigem Kopfweh behaftet , saß Hans auf dem Rande seines Bettes , während die taube Wirtin das Gemach zu einem Aufenthaltsort für Menschen machte ; aber die Karte , die der Oberst von Bullau für den Kandidaten zurückgelassen hatte , vergaß sie natürlich und erinnerte sich erst am andern Morgen daran . Als am andern Morgen Hans die Karte erhielt , fuhr er freilich hoch empor von seinem Stuhl und überhäufte die gute Frau mit Fragen nach dem , welcher sie gebracht , wann er sie gebracht und was er gesagt habe . Die Wirtin erschrak nicht wenig vor der Heftigkeit , mit welcher diese Fragen gestellt wurden . Sie berichtete , es sei vor acht oder vierzehn Tagen ein alter Herr mit einem weißen Schnauzbart gekommen , der arg über die Treppe und die Dunkelheit auf der Treppe geschimpft und sich böse am Waschfaß vor der Tür die Knie zerstoßen habe . Die Kinder hätten vor Angst sehr geschrien , er aber habe jedem ein Viergroschenstück geschenkt und sich dann nach dem Herrn Kandidaten erkundigt und habe dabei sehr grimmig ausgesehen . Als er vernommen habe , daß der Herr Kandidat verreist sei , habe er wieder geflucht und habe die Karte auf den Tisch geworfen und gesagt , wenn der Kandidat Unwirrsch heimkomme , möge er in den Grünen Baum gehen , da werde er das Weitere erfahren . Darauf habe sie , die Wirtin , ihre Lampe anzünden und dem Alten die Treppe hinableuchten müssen , obgleich es heller Tag gewesen sei . Auf der Straße habe er gesagt , sie möge sich zum Teufel scheren , und die ganze Grinsegasse habe sich über diesen Herrn verwundert , und das sei auch nicht zum Verwundern gewesen . Nach dem Grünen Baum ! O Fränzchen Götz ! Achtundzwanzigstes Kapitel » Der Herr Oberst von Bullau ? « fragte Lämmert , der soldatische Wirt des Grünen Baumes , als Hans , nüchternen Magens , ganz außer Atem vor ihm erschien , und sehr phlegmatisch wiederholte er : » Ja , der Herr Oberst von Bullau ! « » Ist er nicht hiergewesen ? Hat er keine Bestellung für mich hinterlassen ? « rief Hans , der ebenso heiß erschien , als der Wirt kühl war . » Sie sind der Herr Kandidat Unwirrsch und sind hier einmal mit dem Herrn Leutnant Götz eingekehrt ? « » Jawohl ; - ich bitte Sie - « » Wenn Sie der Herr Kandidat Unwirrsch sind , so sind Sie der Mann ; allein , aber - der Herr Oberst von Bullau sind nicht mehr hier . « » Aber er hat vielleicht eine Bestellung für mich hier zurückgelassen ! Ich bin doch hierherbeschieden ! « Von neuem betrachtete Lämmert den Theologen vom Kopf bis zu den Füßen , verschlang das Wort : Putzig ! und sagte mit Gelassenheit : » Vielleicht wissen die Herren im Nest etwas davon , und wenn der Herr Kandidat heute abend zur bekannten Zeit einfliegen will , so wird es ihm und den Herren angenehm sein . « Hans Unwirrsch konnte trotz der Versicherung des Wirtes den Gedanken , heute abend die Gesellschaft der Neuntöter zu genießen , nicht so angenehm finden . Er sah befangen auf den Wirt , und der Wirt sah unbefangen auf ihn und meinte : » Wenn der Herr Kandidate etwas Herz- und Magenstärkendes zu sich nehmen wollten , so würde das an diesem kalten Morgen und bei solcher Gesichtsfarbe nicht von Übel sein . « » Ja , ich will kommen . Ich muß wohl . Es wird wohl nichts anderes übrigbleiben ! « seufzte Hans , Lämmerts menschenfreundliche Anlockung überhörend . Er nahm Abschied von dem Wirt zum Grünen Baum , und wenn derselbe vorhin seinem Herzen nicht Luft-gemacht hatte , so tat er es jetzt . » Sehr putzig ! « sagte er , dem Kandidaten Unwirrsch kopfschüttelnd nachblickend : » Solch ein Vogel fehlte uns grade noch . « Er trat in sein Haus zurück , um irgendeinem nachlässigen Kellner an den Kopf zu fahren , und Hans Unwirrsch eilte , immer noch nüchtern , nach dem Park , der Parkstraße und dem Hause des Geheimen Rates Götz . Da war es wieder , dieses Haus ! Unverändert , frostig elegant . Und scheu schlich Hans vorüber und sah nach dem Fenster des Zimmers , welches er selber bewohnt hatte , und sah nach einem andern Fenster . Die wahnsinnige Hoffnung durchfuhr ihn , es müsse jemand an die Scheibe klopfen , um ihn hereinzurufen ; aber da es nicht geschah , sagte er sich , daß es nicht geschehen würde , und schlich vorüber , durchkreuzte den Park , kam wieder in die Stadt zurück und suchte die Expedition der meistgelesenen Zeitung auf , um ein Inserat abzugeben . Er zeigte der Haupt- und Residenzstadt und - dem Fränzchen in dem Hause in der Parkstraße den Tod der Base Schlotterbeck und des Oheims Grünebaum an . Dann trank er in einer Konditorei Kaffee ; dann aß er irgendwo mit dem dumpfen Gefühl , dreihundert Taler zu besitzen , zu Mittag , und dann ging er nach Haus und erwartete den Abend . Er war sehr müde und dachte nicht daran , das Manuskript des Hungerbuches von neuem zu beginnen . An die Toten dachte er und an das Fränzchen , und dann stieg er auf den Tisch , um einen Nagel in die Decke zu schlagen . An diesen Nagel hing er die Glaskugel , bei deren Schein sein Vater Schuhe und Gedichte gemacht hatte , in deren Schein seine Mutter saß und ihre Wiegenlieder sang , in deren Scheine die Base Schlotterbeck auf ihrem niedrigen Schemel kauerte und ihre Märchen erzählte . Vieles hatte er als Kind , vieles als Jüngling in dem zerbrechlichen Dinge gesehen ; nun saß er als Mann dabei und sann nach über das , was sich