Lücke an der Ferse fiel . Es zeigte sich , daß neben der kleinen Vertiefung noch ein Stückchen Gips ledig sei und bei der leisesten Berührung herabfallen müsse . Wir setzten das Messer an , das Stück sprang weg , und es zeigte sich auf dem Grunde , der bloß wurde , ein Stoff , der nicht Gips war . Das Auge sagte , es sei Marmor . Ich holte ein Vergrößerungsglas , wir leiteten durch Spiegel ein schimmerndes Licht auf die Stelle , ich schaute durch das Glas auf sie , und mir funkelten die feinen Kristalle des weißen Marmors entgegen . Eustach sah ebenfalls durch die Linse , wir versuchten an dem Platze noch andere Mittel , und es stellte sich fest , daß die untersuchte Fläche Marmor sei . Nun begannen wir , um das Unglaubliche völlig zu beweisen oder unsere Meinung zu widerlegen , auch an andern Stellen Untersuchungen . Wir fingen an Stellen an , welche ohnehin ein wenig schadhaft waren , und gingen nach und nach zu anderen über . Wir beobachteten zuletzt gar nicht mehr so genau die Vorsichten , die wir uns am Anfange auferlegt hatten , und kamen zu dem Ergebnisse , daß an zahlreichen Stellen unter dem Gipse der Gestalt weißer Marmor sei . Der Schluß war nun erklärlich , daß an allen Stellen , auch den nicht untersuchten , der Gips über Marmor liege . Das große Gewicht der Gestalt war nicht der letzte Grund unserer Vermutung . Durch welchen Zufall oder durch welch seltsames Beginnen die Marmorgestalt mit Gips könne über zogen worden sein , war uns unerklärlich . Am wahrscheinlichsten deuchte uns , daß es einmal irgend ein Besitzer getan habe , damit ein fremder Feind , der etwa seine Wohnstadt und ihre Kunstwerke bedrohte , die Gestalt als aus wertlosem Stoffe bestehend nicht mit sich fort nehme . Weil nun doch der Feind die Gestalt genommen habe , oder weil ein anderer hindernder Umstand eingetreten sei , habe die Decke nicht mehr weggenommen werden können , und der edle Kern habe undenkbar lange Jahre in der schlechten Hülle stecken müssen . Wir fingen nun auf dem Wirbel des Hauptes an , den Gips nach und nach zu beseitigen . Teils , und zwar im roheren , geschah es mit dem Messer , teils , und zwar gegen das Ende , wurden Pinsel und das auflösende Mittel des Wassers angewendet . Wir rückten so von dem Haupte über die Gestalt hinunter , und alles und jedes war Marmor . Durch den Gips war der Marmor vor den Unbilden folgender Zeiten geschützt worden , daß er nicht das trübe Wasser der Erde oder sonstige Unreinigkeiten einsaugen mußte , und er war reiner , als ich je Marmore aus der alten Zeit gesehen habe , ja er war so weiß , als sei die Gestalt vor nicht gar langer Zeit erst gemacht worden . Da aller Gips beseitigt war , wurde die Oberfläche , welche doch durch die feinsten zurückgebliebenen Teile des Überzuges rauh war , durch weiche wollene Tücher so lange geglättet , bis sich der glänzende Marmor zeigte und durch Licht und Schatten die feinste und zartest empfundene Schwingung sichtbar wurde . Jetzt war die Gestalt erst noch viel schöner , als sie sich in Gips dargestellt hatte , und Eustach und ich waren von Bewunderung ergriffen . Daß sie nicht aus neuer Zeit stamme , sondern dem alten Volke der Griechen angehöre , erkannten wir bald . Ich hatte so viele und darunter die als die schönsten gepriesenen Bildwerke der alten Heidenzeit gesehen , und vermochte daher zwischen ihren und den Arbeiten des Mittelalters oder der neuen Zeit zu vergleichen . Ich hatte alle Abbildungen , welche von den Bildwerken der alten Zeit zu bekommen waren , in den Asperhof gebracht , so daß ich neuerdings Vergleichungen anstellen konnte , und daß auch Eustach , welcher nicht so viel in Wirklichkeit gesehen hatte , ein Urteil zu gewinnen vermochte . Nur nach sehr langen und sehr genauen Untersuchungen gaben wir uns mit Festigkeit dem Gedanken hin , daß das Standbild aus der alten Griechenzeit herrühre . Wir lernten bei diesen Untersuchungen , zu deren größerer Sicherstellung wir sogar Reisen unternahmen , die Merkmale der alten und neuen Bildwerke so weit kennen , daß wir die Überzeugung gewannen , die besten Werke beider Zeiten gleich bei der ersten Betrachtung von einander unterscheiden zu können . Das Schlechte ist freilich schwerer in Hinsicht seiner Zeit zu ermitteln . Merkwürdig ist es , daß völlig Wertloses aus der alten Zeit gar nicht auf uns gekommen ist . Entweder ist es nicht entstanden , oder eine kunstbegeisterte Zeit hat es sogleich beseitigt . Wir haben in jener Untersuchungszeit viel über alte Kunst gelernt . Von wem und aus welchem Zeitabschnitte aber unser Standbild herrühre , konnten wir nicht ermitteln . Das war jedoch gewiß , daß es nicht der strengen Zeit angehöre und von der späteren , weicheren stamme . Ehe ich aber das Bild aus der Hütte , in welcher es stand , entfernte , ja ehe ich an den Platz dachte , auf welchen ich es stellen wollte , mußte etwas anderes geschehen . Ich reiste nach Italien und suchte bei Cumä den Verkäufer meines Standbildes auf . Er war mit den Umänderungen seines Platzes beinahe fertig . Dieser war jetzt eine Halle neuer Art , in welcher einige Menschen süßen roten Wein tranken , in welcher neue Gipsbilder standen , um welche grüner Rasen war , und aus welcher man eine schöne Aussicht hatte . Ich erzählte ihm von der Entdeckung , welche ich gemacht hatte , und sagte , er möge nun nach derselben den Preis des Bildes bestimmen . Er könnte es zu diesem Zwecke selber in Deutschland besehen oder es besehen lassen . Er fand beides nicht für nötig , sondern forderte sogleich eine ansehnliche Summe , die den Wert eines solchen Gegenstandes , deren Preise in den verschiedenen Zeiten sehr wechseln , darstellen