. » Lieber , ehrwürdiger Herr Kellermeister ... « , sprach sie bittend . Er senkte einen schiefen Blick auf sie , der blieb an der Griechin Busen haften . » So ist es ! « sagte er mit gekniffenen Lippen . » Ich wollte übrigens eine Fürbitte beim Abt einlegen , wenn ... « » Wenn ? « fragte Praxedis gespannt . » Wenn Ihr heut abend geruhen wolltet , Eure Kammer nicht zu verschließen , daß ich Euch Bericht bringen kann vom Erfolg . « Er zog wie spielend die großen Falten seiner Kutte zusammen , daß die geschnürten Hüften hervortraten247 , und nahm eine selbstgefällige erwartende Haltung an . Praxedis trat zurück . Ihr Fuß stampfte die blaue Kornblume , die am Boden lag . » Ihr seid ein schlechter Mensch , Herr Kellermeister ! « , sprach sie und drehte ihm den Rücken . Rudimann verstand sich auf Gesichter . Aus dem Zucken von Praxedis ' Augenlid und den drei bitterbösen Stirnfalten ward ihm klar , daß ihre Kammer für alle Kellermeister der Christenheit jetzt und immerdar verschlossen bleibe . Sie ging . » Habt Ihr noch etwas zu befehlen ? « sprach sie im Fortgehen . » Jawohl , griechisches Insekt « , antwortete er mit kühlem Ton , » einen Krug Essig , wenn es gefällig ist . Ich will meine Ruten drin einweichen , es schreibt sich dann besser und vernarbt schwerer . Ich hab ' noch keinen Erklärer des Virgilius ausgehauen ; der verdient schon eine besondere Ehre . « Unter der Linde saß Burkard , der Klosterschüler , und schluchzte noch immer . Praxedis küßte ihn im Vorbeigehen . Es geschah dem Kellermeister zuleid . Sie ging hinauf zur Herzogin und gedachte einen Fußfall zu tun und für Ekkehard zu bitten . Aber das Closet blieb verschlossen . Frau Hadwig war tief erzürnt ; wenn die Mönche der Reichenau nicht dazu gekommen , hätte sie Ekkehards Kühnheit verzeihen mögen , sie selber hatte ja den Keim zu allem gelegt , was jetzt aufgewachsen war - aber jetzt war Ärgernis gegeben , das heischte Strafe . Scheu vor bösen Zungen hat schon manch Ding gewendet . Der Abt hatte ihr das Schreiben von Sankt Gallen zustellen lassen . Benediktus ' Regel , so stand geschrieben , verlange nicht nur den äußeren Schein mönchischen Lebens , sondern ein Mönchtum mit Leib und Seele : Ekkehard sei heim gerufen . Aus Gunzos Schrift war etliches wider ihn angeführt . Es war ihr gleichgültig . Was ihm in den Händen seiner Gegner bevorstehe , wußte sie . Sie war entschlossen , nichts für ihn zu tun . Praxedis klopfte zum zweitenmal an . Es ward nicht aufgetan . » O du armer Nachtfalter ! « sprach sie traurig . Ekkehard lag in seiner Kerkerhaft wie einer , der einen wirren Traum geträumt hat . Vier kahle Wände waren um ihn , von oben ein schwacher Lichtschimmer . Oft zitterte er noch , als schüttle ihn Frost . Allmählich legte sich ein wehmütig Lächeln der Entsagung um die Lippen ; es blieb sich nicht gleich - mitunter ballte er die Faust in heftiger Zorneserregung . Es ist mit des Menschen Gemüt wie mit dem Meere . Hat der Sturm auch ausgetobt , so wogt und brandet es noch lange stärker als sonst und untereinmal schäumt wieder ein nachzügelnder Wellensturz gewaltig auf und jagt die Möwen vom Fels . Aber Ekkehards Herz war noch nicht gebrochen . Dafür war es zu jung . Er begann die Lage zu überdenken . Die Aussicht in die Zukunft war sehr unerquicklich : er kannte seines Ordens Regel und geistlichen Brauch und kannte die Männer der Reichenau , daß sie seine Feinde waren . Mit großen Schritten durchmaß er den engen Raum : » Allmächtiger Gott , den wir anrufen dürfen in der Heimsuchung , wie soll das enden ? « Er schloß die Augen und warf sich auf sein Lager . Wirre Bilder zogen an seiner Seele vorbei . Und er schaute mit dem inneren Gesichte des Geistes , wie sie ihn in der Morgenfrühe hinausschleppten ; auf hohem Steinstuhl saß der Abt und hielt seinen Hakenstab , als Zeichen , daß Gericht sei , und sie lasen eine lange Anklage vor ... Alles in demselben Burghof , in dem er einst jubelnden Herzens aus der Sänfte gesprungen , in dem er am düstern Karfreitag die Predigt wider die Hunnen gehalten , - und die Männer des Gerichts fletschten die Zähne wider ihn . » Was werd ' ich tun ? « dachte er weiter . » Die Hand aufs Herz , den Blick zum Himmel , werd ' ich rufen : Ekkehard ist ohne Schuld ! Aber die Richter sprechen : Probe es ! Der große Kupferkessel wird vorgeschleppt , das Feuer unter ihm angezündet , hoch wallt und zischt das Wasser , der Abt zieht den güldenen Ring vom Finger , sie streifen ihm den Ärmel der Kutte zurück , Bußpsalmen tönen dumpf dazwischen : Ich beschwöre dich , Kreatur des Wassers , daß der Teufel weiche aus dir und du dem Herrn dienest zu Offenbarung der Wahrheit gleich dem Feuerofen des Königs von Babylon , da er die drei Jünglinge hineinwerfen ließ ! Also bespricht der Abt die kochende Flut , und tauch ' ein den Arm und suche den Ring ! « befiehlt er dem Angeklagten ... » Gerechter Gott , wie wird dein Urteil sprechen ? « Wilde Zweifel nagten an Ekkehards Gemüt . Er glaubte an sich und sein gutes Recht ; minder fest an die schaurigen Mittel , in denen Priesterwitz und Gesetzgebung den Wahrspruch der Gottheit zu finden meinten . Auf der Bücherei seines heimischen Klosters lag ein Büchlein , das die Aufschrift trug : » Gegen die ordnungswidrige Meinung derer , die da glauben , daß durch Feuer oder Wasser oder Zweikampf die Wahrheit göttlichen Gerichtes geoffenbart werde . « Das Büchlein hatte er einst gelesen und wohl behalten ; es