bei uns . Kein Wagen , keine Equipage sprengt den Strom der Fußgänger auseinander , nur selten fährt langsam ein von einem oder zwei vor einander gespannten Pferden - in den Umgebungen der Stadt auch von Ochsen - gezogener Araba daher . Es ist dies ein im Rococcostyl des Abendlandes gebauter Wagen mit roth angestrichenem und reich vergoldetem Kasten von fast dreieckiger Form , die Spitze nach unten , der in Riemen zwischen hohen Rädern hängt oder fest aufsitzt , und in dem die Frauen der reichen und vornehmen Türken mit einer oder zwei Sclavinnen durch die Straßen fahren , um ihrer Neugier zu fröhnen und die Läden zu beschauen . Ein Eunuch oder Sclave führt das Pferd und wahrt die ohnehin in den abscheulichen Jaschmal verhüllten Frauen vor jeder Berührung mit den Männern . - Sobald man das Ufer betritt , schwindet alle Herrlichkeit des schönen Bildes und die Faulheit , Unordnung und der Schmuz des Orients bieten sich in ihrer vollen Widrigkeit dem Blick des Europäers . Diese ganze ungeheure Stadt müßte ein Flammenmeer gleich Moskau werden , um dann neu und herrlich aus den Händen des gebildeten Europa ' s an diesen paradiesischen Berghöhen emporzusteigen ! - Die jetzigen systematischen Brandstiftungen , welche in bestimmten Perioden die türkische Regierung ausüben soll , um zu einem zweckmäßigeren Neubau zu zwingen , genügen nicht und vermehren nur die traurige Unordnung durch den Anblick wüster Brandstätten , die Jahrzehende lang unbebaut bleiben . Und dennoch fragen wir uns unwillkürlich , würde mit dieser Unordnung , diesem Gewirr , selbst diesem Schmuz im Eintausch gegen europäische Regelmäßigkeit nicht auch jene Poesie des Orients schwinden , jener mährchenhafte Duft von Elend und Glanz , von Tod und Ueppigkeit , von Traum und Wahrheit , von Blut und Blumen , von Fanatismus und Lethargie , Liebe und Sclaventhum , Henkern und Houri ' s , Helden und Bettlern ? Würde die Newskoi-Perspective und der Winterpalast an die Felsenufer des Bosporus besser passen , als die schlanken Minarets , von deren Höhe der Muezzim zum Gebete ruft , oder als die geheimnißvollen Mauern und Kuppeln des Serails ? - - Dennoch läßt sich das Widrige , das Enttäuschende im Anblick dieses Schmuzes , dieser Vernachlässigung nicht hinwegläugnen . Außer vor dem Arsenal Tershana und vor dem Hofe der Geschützgießerei in Tophana giebt es um das ganze so trefflich geeignete Ufer des goldenen Horns keine Spur eines so nothwendigen und schönen Quais , wie die europäischen Seestädte sie bieten . Wo das Schiff oder Boot an ' s Ufer legt , da tritt der Fuß in Schlamm oder Schmuz , jedes Gäßchen , jedes Haus läuft unmittelbar auf den Meeresstrand aus und nicht hundert Schritt kann man auf demselben entlang gehen . Die Straßen sind , wie überall im Orient , eng und krumm und meistens Gäßchen , in denen oft kaum ein Fußgänger dem andern ausweichen kann . Selbst in Pera und Galata herrscht diese Bauart und die große Perastraße ist nur sechs Schritt breit . Die Straßen sind nur zun Theil , und das so jämmerlich , gepflastert , daß es die Unbequemlichkeit erhöht . In der Mitte läuft die Gosse - wo eine solche existirt . Die Stadttheile an der nördlichen Bergwand , also Galata , Tophana , Pera etc. , laufen so steil in die Höhe , daß der Weg ein bloßes Steigen und Klimmen ist . Die Häuser sind hier meist von Stein gebaut , mit europäischen Einrichtungen , die indeß wenig dem Klima entsprechen ; die Hôtels der Gesandtschaften sind große prächtige Gebäude , ohne doch den Stadttheil zu zieren , da sie in hohe Mauern eingeschlossen oder durch enge und finstre Stiegen und Gäßchen abgesondert sind . Die Perastraße bietet eine Menge europäische Läden , mit dem Kram gefüllt , der in Europa als zurückgelegte Waare betrachtet wird . Galata ist der Hauptplatz des Verkehrs , halb türkisch , halb fränkisch . Die Kaufleute und zahlreichen Banquiers haben hier ihre Läden und Gewölbe , ebenso der türkische Handwerker , der in offener Bude an der Straße sein Geschäft übt . Der Verkehr ist hier nach der Hornseite zu enorm . Erreicht man über die erste Schiffbrücke das Ufer von Stambul , so tritt man alsbald in ' s volle türkische Leben . Ueber niedere Häuser , deren Wände vom Boden bis zum Dach mit Hühnerkörben gefüllt sind , ragen die Kuppeln und Minarets der Moschee der Sultanin Valide empor , und man vertieft sich in die zahllosen Gassen und Gäßchen , die zum großen Bazar , zum alten Serail , zum Palast der Pforte , zum Hippodrom , zur Suleimania1 und der Zahl reicher Prachtbauten der andern Moscheen führen . Die Bauart der türkischen Privathäuser ist ziemlich dürftig , ein Viereck , das nach dem innern Hof oder Garten zu geöffnet ist , während nach der Strafe hin entweder die Hofmauer es ganz absondert oder doch nur Erker und wenige Fenster hinausgehen , die mit grünen Holzjalousieen oder vergoldeten Stäben vergittert und geschlossen sind . Das untere Stock ist von Steinen erbaut , die obern , höchstens zwei Etagen , gewöhnlich aber nur eine , sind von Holz und Fachwerk und laufen bei der großen Vorliebe der Türken für Balkons , Erker und Vorsprünge , in denen sie behaglich sitzen können , die eine über die andere auf Balkenunterlagen hinaus . Der Anstrich des Hauses ist gewöhnlich rothbraun , das Dach flach , mit niedern Mauern oder Wänden umgeben , so daß die Familie ungesehen von den Nachbarn auf seiner Höhe sitzen kann . Das große Serail - Serai Burnu - das in der Abgränzung der umgebenden Mauern einen Flächeninhalt wie etwa die innere Stadt Wien einnimmt , war der eigentliche Palast und Wohnsitz der ottomanischen Herrscher und der Schauplatz aller jener Revolutionen und Blutthaten , die so häufig die Thronfolge änderten . Dennoch sind der gegenwärtige Sultan und seine Söhne die direkten Abkömmlinge Ottoman ' s , des Gründers der Monarchie , und gehören demnach zu den