Ihre eigene Empfindung kommen könnten ! « » Ich bin über sie zur vollständigsten Besinnung gekommen .... und grade jezt , meine Gräfin ! - Da muß ich Ihnen denn der Wahrheit gemäß und auf meine Ehre bekennen , daß ich Sie nicht liebe wie ein Sohn seine Mutter . « » Ueber ' s Jahr wird es anders sein , Wilderich , oder doch in fünf oder zehn Jahren ! « » Ich weiß wol daß dies Ihre Ansicht ist . « » Und Sie vertrauen ihr ? « » Ich kann es nicht mehr da Sie mich so fürchterlich mißverstanden haben ! folglich muß Etwas in mir sein , das Ihr Auge nicht ergründet - und dies Unergründliche ist vielleicht meine Liebe für Sie . « » Mein Gott ! ächzte ich , welch ein Unstern waltet über meinem Leben , daß Alles mir zum Fluch wird , was einem Andern Heil und Segen bringt ! - Aber was liegt an mir ? - gar nichts ! - desto mehr an Ihnen und an ihr .... mein Gott , an ihr ! « » Ich fühle daß wir jezt nicht mehr wie sonst zusammen leben können , sagte Wilderich . Es soll auch sogleich anders werden ! « Er stand auf und ging einmal durch den Salon als wolle er jeden Gegenstand der ihn füllte in seine Seele prägen . Das Bild vom Rosenlaui , Original und Copie , zierlich in purpurfarbenen Sammt eingerahmt , stand auf der Staffelei . Er nahm eins derselben , betrachtete es und sagte : » Es ist gut ! .... ich nehme es mit mir ! « - kehrte dann zu mir zurück , kniete vor mir nieder und sprach in einem Ton der durch seine Ruhe mein Herz beben machte : » So leben Sie denn wol , meine Gräfin ! ich bitte Sie nicht um Verzeihung für meine Liebe ; das wäre eine Schmach für mein Herz ; - aber dafür daß ich Ihren Wunsch hinsichtlich Ihrer Tochter nicht erfüllen kann . Zum Beweis Ihrer Vergebung geben Sie mir einen Kuß - und dann leben Sie wol ! ich sehe Sie nie wieder ! ich verdamme mich selbst zur ewigen Trennung . « » Sie dürfen nicht fort , Wilderich ! sagte ich ganz außer mir und umklammerte seine Hände . Benvenuta liebt Sie . Ich selbst habe die Hofnung in ihr geweckt , die Gewißheit ihr gegeben daß Sie sie liebten . Sie zagte , sie zweifelte .... ich zweifelte nicht . Sein Sie barmherzig ! machen Sie mich nicht meiner Tochter gegenüber zur Lügnerin ! ersparen Sie ihr und mir den gräßlichen Schmerz , woran ich weiß nicht was für ein sündhafter verbrecherischer Anstrich klebt , daß Sie - die Mutter lieben ! besinnen Sie sich ein Jahr , zwei Jahr auf Ihren Irrthum , auf diese Täuschung Ihres schönen warmen dankbaren Herzens ! - O Wilderich ! wenn Sie mich je geliebt haben , so erbarmen Sie sich meiner ! « Er war aufgestanden und sagte nun langsam und beklommen : » Wie ist es denn aber möglich mich nicht zu verstehen , wenn ich doch sage und wieder sage : ich liebe Sie ! « » Ich verstehe nichts , nichts , gar nichts .... als daß ich meine Tochter vielleicht fürs Leben elend gemacht habe - wenn Sie nicht Erbarmen haben . « » Meine Gräfin , wie kann ich das ? « fragte er sanft . In einem Paroxismus von Schmerz sank ich vor ihm nieder und flehte mit gerungenen Händen : » Wilderich .... Sie müssen meine Tochter lieben ! « Angstvoll hob er mich auf und rief : » Um Gotteswillen , Sie sind außer sich ; fassen Sie sich .... dann werden Sie einsehen daß Sie Unmögliches von mir verlangen ! - Ich liebe nicht Ihre Tochter , kann und werde sie nie lieben , denn bei dem bloßen Gedanken packt mich ein namenloses Grauen . Und gar sie zu heirathen - das wäre sündhaft , das wäre verbrecherisch . Und dann wissen Sie ja auch , setzte er schwermüthig lächelnd hinzu , daß ich kein reiches Mädchen heirathen mag . « » Sie scherzen und mir zerspringt der Kopf oder das Herz , Wilderich ! .... was soll ich denn morgen meiner Tochter sagen ? wie soll ich ihr gegenüber treten ? wie ihre Fragen , ihre Unruh , vielleicht ihre Klagen oder Vorwürfe aushalten ? ich muß umkommen in dieser Qual . « » Sagen Sie ihr , meine Gräfin , ich sei todt . « » Wieder eine Lüge ! .... und sie wird es nicht glauben . « » Oder sagen Sie ihr ich hätte mich als unwürdig erwiesen ! ich sei ihrer nicht werth - leichtsinnig , Spieler , unbeständig - was Sie wollen . « » Ich soll Sie verleumden , Wilderich ? « » O , rief er lebhaft , es ist mir ganz gleichgültig was Benvenuta von mir denkt ! ich sinne nur auf Erleichterung für Sie . « » Wollen wir einmal ruhig überlegen ! sagte ich da ich ihn so sehr gesammelt sah ! Wilderich , erfinden Sie einen Brief von Ihrer Mutter , der Sie plötzlich zurückgerufen hätte ! - Eine Unzufriedenheit mit der Neigung welche Sie in so früher Jugend fesselt , ein Verlangen zuvor Rücksprache mit ihr zu nehmen , würde nicht ganz unwahrscheinlich sein . Einige Zeit würde darüber hingehen und Benvenuta vielleicht gleichgültiger werden - oder Sie können sich ändern ! Wenn Sie uns in zwei oder drei Jahren wiedersehen , staunen Sie vielleicht über Ihre jetzige Verblendung . « » Möglich , meine Gräfin ! möglich ! « sagte er mit einer himmlischen Sanftmuth , denn ich sah an seinen entstellten Zügen und seiner leichenhaften Blässe wie sehr er litt und welche ungeheure Gewalt er sich anthat um nicht in Ausbrüche von Schmerz und Leidenschaft zu verfallen . Aber ich hatte kein Mitleid mit ihm