und führte die Marschallin zu ihrem Wagen , bestieg den seinigen und eilte in sein Zimmer , alle Bedienung fortschickend , um allein zu bleiben - der unglücklichste Mensch der Erde , wie er wähnte . Die Wälder von St. Roche , die Gärten , die das Schloß zunächst umgaben , die Weideplätze und Wiesengründe , die daran stießen , Alles prangte in dem schönen Grün des Juni-Monats , und schien der Seligkeit einer vollständig erreichten , üppigen Entwickelung hingegeben . Täglich sich nachdrängende bunte Blumen , die zarten ersten Früchte , die an Sträuchern und Pflanzen glänzten , Alle schienen sich in den grünen Hallen ein Willkommen zuzujauchzen , als heitere Gespielen , für die der Boden ergrünet . - Auch standen diese schönen Ankömmlinge an einander gereiht , wie reizend geschmückte Tänzer , bereit , den schönen Sommerreigen über die Erde zu tanzen ; und in den blauen Lüften , in den schattigen Lauben erklang dazu aus tausend kleinen verschiedenen Kehlen ihr melodisches Orchester . Warme Sonnenstrahlen belebten den langen Tag , tauige Nächte erfrischten die duftende Schönheit der ganzen Natur . Leise aufhorchend so vielen Wundern , sie alle belauschend mit kindlich wachsamem Auge , so vertraut damit , so beseligt dadurch und zugleich so schüchtern , so behutsam , als könnte ein zu kühnes Hinblicken oder Berühren die kleinen fleißigen Arbeiter in ihrem Aufblühen , Duften und Reifen stören - so glitt Fennimor ' s leichter Fuß durch die Pracht des Sommers ! Sie wußte nicht , daß sie keine aufblühende Blume zu beneiden hatte - selbst so reizend erblüht , daß sie zu ihnen zu gehören schien ; und wenn das kindliche Antlitz aus den volleren Falten ihrer Kleider schaute , konnte man vergleichend sagen : die Knospe beuge sich über die aufgeblühte Blume , an demselben zarten Stengel getragen . Sie wollte immer unglücklich sein , da Leonin noch fehlte ; aber sie konnte doch nicht Zeit dazu finden vor all der Herrlichkeit in und außer ihr . Die Thränen , die sie weinte , waren wie die kurzen Nächte , sie dauerten nicht lange ; denn mit der Sonne - was kamen da all für süße Gedanken ! - Emmy Gray hatte ihr endlich entdecken müssen , was ihr geschah ; und nun war es ihr , als ob der Altar des Herrn in ihr errichtet sei , und sie hätte in aufhorchender Stille auf ihren Knien , auf denen sie Emmy ' s Verkündigung erfuhr , liegen bleiben mögen , damit sie heilig würde zu der großen Gemeinschaft mit Gott , wie sie sagte . - Wie lange konnte sie still und in sich gewendet zwischen den Blumen sitzen , und gar Nichts wollen , als voll anbetenden Erstaunens das Wunder bedenken , zu dem Gott auch sie berufen . Ihre Augen waren so ernst , so tief und forschend auf dies heilige Geheimniß gerichtet , und um ihren Mund nur schwebte das kaum angedeutete Lächeln unaussprechlicher innerer Wonne - und all die kleinen unschuldigen Kindereien , die dazwischen ihre Gedanken berührten und sie in die seligsten Spielereien mit dem kleinen , noch verhüllten Gefährten versenkten , flatterten durch den ernsten Kultus ihrer Empfindungen , wie geflügelte Engel um die Glorie der Mutter Gottes . Mit Lesüeur hatte sie auch ihre große Noth gehabt , weil er von Gott gelassen und sich nun vor ihm fürchtete ; aber sie hatte sich schnell daran gemacht und traute sich überdies jetzt mehr zu , da sie dachte , in ihrem Zustande müsse man ihr auch mehr Glauben schenken . Da war ihr denn auch Alles mit ihm gelungen , wie wir schon wissen , und sie war dessen recht froh und sagte oft zu Emmy : » was wollen sie doch machen , wenn eine Mutter zu ihnen redet - da ist ihr Unglaube ja gleich überwunden ; das größte Wunder steht vor ihnen , sie müssen glauben lernen ! « Doch vergeblich sah Emmy Gray vor ihren Augen das rührendste und reinste Bild göttlicher Gemeinschaft und des daraus entstehenden heitern Friedens , der alle Angst der Welt besiegt - ihr armes , leidenschaftliches Herz faßte es nur auf , um sich zu kränken , zu erzürnen , und der Heiligenschein , den sie um ihren Liebling leuchten sah , steigerte nur ihre Ansprüche für eine irdische Welt , die ihr dafür einen Lohn zahlen sollte , ihren eiteln Wünschen gemäß ; - die Bitterkeit darüber , daß er ihr noch immer verweigert sei , verzehrte sie fast . Wenn Fennimor den Zustand ihrer Gefährtin erkannt hätte , würde sie gewiß mit dem Uebel in Kampf getreten sein . So aber verdeckte Emmy mit unerschütterlichem Schweigen ihr Inneres ; denn konnte sie auch ihren Abgott in Nichts nachahmen , so flößte Fennimor ihr doch eine an Ehrfurcht grenzende Schonung ein ; und wie ihr Nichts gut genug für sie schien , so nahm sie auch sich davon nicht aus , und es war in ihrem Grolle mit begriffen , daß ein solcher Engel keinen andern Umgang haben solle , als so ein geringes Weib , wie sie . Lesüeur ' s Ankunft erfüllte sie zuerst mit Hohn , Verachtung und Mißtrauen : er käme nur , damit der Herr Graf wegbleiben könne - er solle ein Gesellschafter sein , wozu dieser sich zu gut halte . Von Malern hatte sie überhaupt geringe Begriffe ; sie schienen ihr durchaus unnütz , umsonst da ; - und daß dieser kranke , bleiche , verfallene Mann in die Gesellschaft ihres Engels treten sollte , schien ihr ein wahrer Spott . Dagegen schlug Fennimor vor Freuden in die Hände , daß sie endlich einen Maler sehen sollte , weil sie von dessen Berufe auf Erden die größten Begriffe hatte , und so gern wissen wollte , wie ein Mensch aussehe , der sich begeistert fühle , Gottes Werke nachzubilden . Emmy hörte kopfschüttelnd , wie sie sich freute und den Gast einzuführen gebot . » Ach , «