- wie weit - ich - richtig - porträtirt - habe . - - Gott - Gott ! « - - Sein Haupt sank zurück , ein krampfhafter Frost schüttelte alle Nerven , wie ein Windstoß die Wipfel der Bäume , die hohe Stirn berührte mit kaltem Finger der Tod - Casimir verschied . - Wenige Minuten vorher hatte sich Friedrich auf den Tisch des Zimmers gesetzt ; er fing an mit den Füßen zu baumeln und spielte unter lustigem Lachen die Melodie : » O du lieber Augustin « etc. Mardochai erschrack . » Auf dem Kreuzberge , « sagte er dumpf vor sich hin , » ward das Ding auch getanzt . - Gott ist doch mächtiger als ein Mensch ! « Ich hatte unterdeß die Maske von Sara ' s lebloser Gestalt gehoben . Mardochai verbarg sie sorgfältig und versuchte seine Tochter durch stärkende Essenzen zu beleben . Allein um ihr Auge floß nicht mehr der Thau des neuen Lebenstages , sie war verschieden . » Was gibt es ? « fragte Mardochai , ein Geräusch beachtend , das sich im Zimmer erhob . Ich wandte mich mit flüchtigem Blick um ; - zur Thür herein trat ein Zug von Knaben , Körbchen um die Schultern tragend , jeder einen Beutel in der Hand . Ich hatte genug gesehen . Es waren die betriebsamen Handelsleute am Dome . Sie wollten Rechenschaft ablegen und dem großen Rächer , der Gott in sein Amt zu greifen gedachte , den Gewinn einhändigen . Mardochai winkte den Buben , sich zu entfernen . Zum ersten Male trat eine Thräne - ich glaube , der Neue - in sein Auge , er zerriß sein Kleid und verhüllte schluchzend an dem zerbrochenen Körper der geliebten Tochter niederstürzend , sein Angesicht . So kniet die Schuld an dem Opfer , das ihrer eigenen Sühne fällt ! - So furchtbar , Raimund , endigte dieser Tag . Wie ein Taumelnder schlich ich zurück nach Bardeloh ' s Wohnung . Hell glänzte , als die erhabene Stirn der Welt , durch deren majestätische Wölbung die Sternbilder als des Gedankens unauslöschliche Flammen leuchteten , der Himmel über mir . Aber ich hatte kein Auge für diese stille Pracht des schaffenden Gottes , für das Schwanken und Schwärmen , Funkeln und Sprühen dieser Ideen einer weltumfassenden Zukunft . Mein Herz war gebrochen vom Gewicht des Augenblicks . - Der Amerikaner unterhielt sich noch lebhaft mit Rosalie . Auch Bardeloh that sich Gewalt an und sprach theilnehmender , als sonst . Mein Eintritt , noch mehr mein Aussehen , brachte eine große Störung hervor . Von hundert Fragen bestürmt rief ich meinen Gastfreund und Burton in Richard ' s Warte und theilte ihnen mit wenigen Worten das Vorgefallene mit . Der Amerikaner wich entsetzt zurück , Bardeloh sagte blos : » Schade ! Warum konnte der Mensch nicht noch zwei Tage länger leben ? Und Mardochai ? « setzte er fragend hinzu . Ich erzählte das Nothwendigste . » Nun , wenn Er nur lebt , « erwiederte , von Neuem auflebend der mir Unbegreifliche . » Dann ist ja nichts verloren ! Daß Casimir untergehen würde auf irgend solch eine Weise , habe ich mir längst gedacht . - Lebt Sara noch , meine Nichte ? « Eine bestimmte Antwort hierauf konnte ich nicht geben . » Armes Kind , ärmer noch als deine Mutter ! « fuhr Richard fort , für sich sprechend . » So strebt doch Alles zu einer gerechten Versöhnung hin , selbst durch Frevel und Verbrechen . Diese Welt ist ein wunderlicher Guckkasten ! - Ich gebe meine Schwester dem Juden , weil sie ihn liebte , Mardochai gebraucht sie , wie ein Möbel , die Lust der Rache schon in sich tragend , und das Kind dieser liebenden Rache muß wieder der Rache zum Opfer gebracht werden ! Das ist seltsam , sehr seltsam ! - Man könnte zweifelhaft werden . - Doch nein ! Nein ! Nein ! rief er laut aus , und die Stimme sogleich wieder abdämpfend zu leisem Gemurmel , setzte er hinzu : Es liegt ja Alles blos an unsern verdorbenen Zuständen . Darum vorwärts ! Ohne Zaudern , sicher , fest , dem Ziele entgegen ! Dieser Granitblock bedarf furchtbarer Hebel , wenn er in Schwung gerathen soll . - Bald darauf wünschte uns Bardeloh eine gute Nacht , ich begleitete Burton noch eine Strecke , der mich ermahnte , Alles zur Abreise bereit zu halten . Als ich zurückkam , hörte ich den Mönch wieder einmal singen , doch nicht brünstig , eher mit großem Wohlbehagen . - « 18. An Raimund . Köln , den 6. Februar . Heut Morgen sah ich Casimirs hinterlassene Papiere durch , die ich unordentlich durch einander geworfen auf seinem Zimmer fand . Das Meiste ist bedeutungslos , wenigstens für die Welt , ein so wichtiger Beitrag es auch sein würde zur geheimen Geschichte der menschlichen Seele . Nur zwei Papiere haben Werth für mich ; in dem einen findet sich das fertige Manuscript seiner Tragödie mit umgekehrten Lettern » Besuch Gottes in der Hölle . « Das andere enthielt einen Brief an mich , den Casimir in einer Ahnung seines baldigen Todes geschrieben haben muß . Aus ihm erklärt sich genau die entsetzliche Katastrophe . Eingeweiht in den Lebensabriß , der nun bald hinter mir liegt , theile ich Dir dieses letzte Testament des unglücklichsten und doch auch begabtesten Sohnes unseres an Widersprüchen überreichen Zeitalters unverkürzt mit . Casimir an Sigismund . » Du hast mir geantwortet , wie ich es wünschte , und ich bewundere dabei nur Deine capriciöse Ehrlichkeit . Ein Hundstoller , hast Du mir gesagt , tobt , beißt und zerreißt , was ihm vor die Zähne kommt . Brav gesprochen ! Du sollst Dich an meinem Gebiß ergötzen . Sollten mir zufällig dabei die giftigen Hauer ausfallen , oder fromme Zuckungen der nervenschwachen Erde einen kleinen Spectakel im Weltall improvisiren , so nimm