seiner Liebe , die er bis jetzt nur zaghaft zu nähren gewagt hatte , sollte nun auf ' s Schönste befriedigt werden , und zugleich zeigte sich ihm ein Weg , seine begeisterte Liebe für seinen König und sein Vaterland thätig zu beweisen , und er fühlte in dem Maße den persönlichen Haß in seiner Brust sich mildern , als sich ihm die Mittel zeigten , seiner Liebe genug zu thun ; so daß er sich leise im Inneren gestehen mußte , daß sein Oheim wohl Recht haben möge in seiner Andeutung , daß Liebe und Zorn vereinigt zu Thaten begeistern können , der Haß aber eigentlich durch das Gefühl der Ohnmacht erzeugt wird . Er dachte an seinen unglücklichen Vater , an dessen feindliche Stimmung gegen alle Menschen , und wie auch dessen Haß aus dem Gefühle entsprungen sei , daß er sich nicht aus den ihn bedrückenden Verhältnissen loszuwinden vermöge . Ach , armer Vater ! seufzte er , wenigstens darin hattest Du Recht , daß sich mein Loos glücklicher gestaltet , und daß es nicht Tugend in mir ist , wenn mein Herz wärmer für die Menschen schlägt , als das Deine , von Allen mißhandelte . Mit Beschämung dachte er daran zurück , in welcher feindlichen Stimmung er das Haus seines Oheims das erste Mal betreten hatte , dem er nun Alles verdanken sollte , die beglückende Befriedigung seiner innigen Liebe und die stolze Hoffnung , die seinen Busen erweiterte und schwellte , so oft sie in seinem Geiste Raum gewann , daß er einst an der Spitze von Braven dem gemeinsamen Feinde entgegen rücken und zur Befreiung des Vaterlandes beitragen würde . Er hatte sich , vertieft in solche Gedanken , weit vom Schlosse entfernt , ohne es zu bemerken , und suchte nun den Rückweg durch anmuthige , enge Schluchten , indem er dem Laufe der Bäche folgte . Er erreichte endlich die Ebene wieder , bemerkte aber , daß er sich dem Garten seines Oheims von der entgegengesetzten Seite des Schlosses her näherte . Ein Diener , der den kürzeren Weg zu einer nahe gelegenen Mühle gehen wollte , öffnete eben die Hinterthüre , die auf eine mit Bäumen bewachsene Wiese führte , und der junge Graf benutzte die Gelegenheit , den Garten von dieser Seite zu betreten . Wie er durch die schattigen Gänge hinging , hörte er mit Befremden ganz in der Nähe Schüsse fallen , und als er sich eilig der Gegend näherte , woher der ihn beunruhigende Schall kam , mäßigte er bald seine Schritte , denn er hörte St. Juliens Gelächter und erreichte auch bald eine kleine Ebene , die durch eine leichte Einfassung von dem übrigen Garten getrennt war , und die St. Julien zum Platze für Waffenübungen bestimmt zu haben schien , denn er und der junge Gustav waren eben damit beschäftigt , nach dem Ziele zu schießen , und St. Juliens Gelächter erscholl jedes Mal , so oft der junge Mensch fehlte . Der junge Graf hielt sich nah verborgen und bemerkte , daß St. Julien meisterhaft schoß , mit sicherer Hand und geübtem Auge beinah niemals fehlte , daß aber auch sein junger Freund nicht so viel Spott und Tadel verdiente , wie ihm durch seinen wohlwollenden Lehrer zu Theil wurde . Jetzt ist genug Pulver verdorben , hörte er St. Julien endlich sagen , jetzt zu den andern Waffen , und die Rapiere wurden von Beiden ergriffen , und hier erndtete der Schüler selbst von seinem Meister Lob . Der junge Graf hatte der Waffenübung eine Zeitlang mit Theilnahme zugesehen , ehe er seine Gegenwart bemerken ließ . Er betrachtete mit einem sonderbaren Gefühle den Eifer , welchen der junge Franzose anwendete , seinem aufmerksamen Schüler den Gebrauch der Waffen zu lehren , und konnte sich nicht enthalten , schaudernd an die Möglichkeit zu denken , daß dieser die erlernten Vortheile ein Mal gegen den Lehrer selbst anwende . Ja er dachte daran , daß er selbst , wenn seine Sehnsucht erfüllt werden sollte , dann auch dem Freunde feindlich gegenüber stehen müsse , und betete innerlich , daß nie eine Nothwendigkeit eintreten möge , die ihn zwänge , sein Schwert gegen dessen Brust zu richten . Um diesen peinlichen Gedanken los zu werden , machte er seine Gegenwart bemerklich , indem er St. Julien rief . Dieser warf die Waffen von sich und schwang sich mit Leichtigkeit über die niedrige Umzäunung ; nun ! rief er dem Freunde zu , haben Sie die Grillen auf den Bergen gelassen , die heute Morgen Ihre edeln Gedanken beschäftigten , und kann man wieder Antworten erwarten , wenn man Sie anredet ? Zunächst , sagte der junge Graf , danke ich Ihnen , daß Sie sich für die Ausbildung meines jungen Freundes bemühen . Ach , das thun wir gegenseitig , sagte St. Julien , Der dort ist gegen mich gerechnet ein Gelehrter , er steht mir mit den Gaben seines Geistes bei , und ich suche ihm das Aeußerliche beizubringen , und ich wollte nur , ihm gelänge es mit mir so gut , wie mir mit ihm ; denn betrachten Sie nur , wie er ganz das schulmeisterliche Ansehen unter meinen Händen verloren hat ; aber auch ich mache ihm wenigstens keine Schande , ja bei dem neulichen Konzert legte ich durch seinen Beistand selbst Ehre ein , denn er hatte mir meine Stimme vortrefflich eingeübt . So verstehst Du Musik ? fragte der junge Graf überrascht . Mein Vater war ein so gelehrter Musiker , erwiederte der junge Mensch mit Bescheidenheit , daß er Kantor an der Hauptkirche der größten Stadt hätte sein können , und er hat mich früh angehalten , Generalbaß und Kontrapunkt zu studiren ; ich hatte nur in der letzten Zeit keine Gelegenheit Musik zu üben und habe darum die Fertigkeit im Spielen verloren . Das ist nicht wahr , rief St. Julien , ich habe seit einigen Tagen ein Instrument auf meinem Zimmer und weiß darum ,