für dienlich erachtet . Wie hätte ich nun nach allem diesen es noch übers Herz bringen können , dem unvergleichlichen Mann sein Spiel zu verderben oder länger in ihn zu dringen ? Ich entließ ihn also , konnte aber freilich nicht ganz ohne lachenden Mund mein Adieu , guter Freund , und nehm Er ' s nicht übel ! hervorbringen . Er sah mir ' s um die Lippen zucken , kehrte sich unter der Tür noch einmal um und sagte im liebenswürdigsten Ton Ich sehe wohl , der Schulmeister von neulich hat mir einen Streich gespielt , ich bitte , Euer Exz . mögen diese meine gegenwärtige Figur noch zur verkehrten Welt schlagen . Dürft ich aber vollends hoffen , daß dieser Auftritt unter uns bliebe , so würde ich Ew . Exz . sehr verpflichtet sein , und Sie haben hiemit mein Ehrenwort , daß mein Geheimnis ohne das mindeste Arge ist ; aber für jetzt liegt mir alles dran , das zu scheinen , was ich lieber gar sein möchte . Jetzt nahm ich länger keinen Anstand , ihn bei seinem Namen herzlich willkommen zu heißen . Da er natürlich geniert war , in seinem gegenwärtigen Aufzuge einen Diskurs fortzusetzen , und doch mein Interesse ihm nicht entging , so hieß er mich Zeit und Ort bestimmen , wo wir uns gelegener sprechen könnten , und so verabschiedete er sich mit einem unwillkürlichen Anstande , der ihm selbst in diesen Kleidern trefflich ließ . Um mir nun die ganze sonderbare Erscheinung einigermaßen zu erklären , lag freilich der Gedanke am nächsten , es habe dem Künstler gefallen , die niedrige Natur eine Zeitlang an der Quelle selbst zu studieren , wiewohl derselbe Zweck gewiß auf andre Art bequemer zu erreichen war . Als wir kurz nachher auf meinem Gute zusammenkamen , schien er mich auch wirklich auf meinem Glauben lassen zu wollen ; doch dachte er zu redlich , um nicht die wahre Absicht , deren er sich vielleicht schämen mochte , wenigstens als ein Nebenmotiv bemerklich zu machen , und da überdies eine hypochondrische Seite in seinem Gespräche mehrmals anklang , so erriet ich leicht , daß dies wohl der einzige Beweggrund sein müsse . Ich vermied natürlich von nun an die Materie gerne , aber auffallend war es mir , daß Larkens , wenn ich das Gespräch auf Kunst und dergleichen hinlenkte , nur einen zerstreuten und beinahe erzwungenen Anteil zeigte . Er zog praktische oder ökonomische Gegenstände , auch die unbedeutendsten , jedesmal vor . Mit wahrer Freude untersuchte er meine Baumschule und jede Art von Feldwerkzeug , zugleich suchte er sich beim Gärtner über alle diese Dinge gelegentlich zu unterrichten und gab mitunter die sinnreichsten Vorteile an , die ihm weder Handbuch noch Erfahrung , sondern nur sein glücklicher Blick gezeigt haben kann . Übrigens waren unserer Zusammenkünfte leider nicht mehr als drei ; vor sechs Tagen speiste er das letzte Mal bei mir . « Der Präsident war fertig . Eine tiefe Wehmut war auf alle Gesichter ausgegossen und keines wollte reden . Hatte man während dieser Erzählung , wenigstens in der Mitte derselben , nur das rege Bild eines Mannes vor sich gehabt , welcher , obgleich nicht im reinsten und glücklichsten Sinne , doch durch die feurige Art , wie er die höchsten Glanzerscheinungen des Lebens und der Kunst in sich aufnehmen konnte , mit Leib und Seele dieser Welt anzugehören schien , und konnte man also auf Augenblicke völlig vergessen , es sei hier von einem Verstorbenen die Rede , so überfiel nun der Gedanke , daß man in wenig Stunden werde seinen Sarg in die Erde senken sehen , alle Gemüter mit einer unerträglichen Pein , mit einer ganz eigenen Angst , und unsern Freund durchdrang ein nie gefühlter brennender Schmerz der ungeduldigsten Sehnsucht . Sekundenlang konnte er sich einbilden , sogleich werde die Türe sich auftun , es werde jemand hereinkommen , mit freundlichem Gesicht erklären , es sei alles ein Irrtum , Larkens komme frisch , und gesund unverzüglich hieher . Aber ach ! kein Wunder gibt es und keine Allmacht , um Geschehenes ungeschehen zu machen . Der Präsident trat stille auf Theobald zu , legte die Hand auf seine Schulter und sprach : » Mein Lieber ! es ist nun Zeit , daß ich eine Bitte , eine rechte Herzensbitte an Sie bringe , mit der ich seit gestern abend umgehe und welche Sie mir ja nicht abschlagen müssen . Bleiben Sie einige Tage bei uns . Es ist uns beiden unerläßliches Bedürfnis , des teuren Freundes Gedächtnis eine Zeitlang miteinander zu tragen und zu feiern . Wir werden , indem wir uns beruhigen , auch seinen Geist mit sich selber zu versöhnen glauben . Wir müssen , wenn ich so sprechen darf , dem Boden , welchem er seine unglückliche Asche aufdrang , die fromme Weihe erst erteilen , damit diese Erde den Fremdling mütterlich einschließen könne . Wenn Sie uns verlassen haben , so ist hier keine Seele außer mir , die Ihren Larkens kennte und schätzte wie er es verdient , und doch sollen zum wenigsten stets ihrer zwei beisammen sein , um das Andenken eines Abgeschiedenen zu heiligen . Ja , geben Sie meiner Bitte nach , überlegen Sie nicht - Ihre Hand ! Morgen reisen wir alle aufs Gut und wollen , traurig und froh , eines dem andern sein was wir können . « Nolten ließ den in Tränen schimmernden Blick freundlich auf Agnesen hinübergleiten , die denn , zum Zeichen was sie denke , mit Innigkeit die Hand Margots ergriff , welch letztere , diese Meinung liebreich zu erwidern , sich alsbald gegen beide Mädchen hinbeugte und sie küßte . » Wer könnte hier noch länger widerstehn ! « rief Nolten aus . » Ihre Güte , teurer Mann , ist fast zu groß für mich , ich nehme sie aber , wenn auch nur schüchtern , im Namen unseres Toten an . - Unsere Reise ,