dicht neben ihr hinsetzte . Hatte mir erst ihre Schönheit geglänzt , hatte mich ihre süße Stimme bezaubert , so versetzte mich jetzt ihr heller klarer Verstand , die Innigkeit , die Zartheit ihres Gefühls , das rein weibliche fromme Wesen , das aus ihrem Innern hervorstrahlte , in den höchsten Himmel des Entzückens . Alles erhielt in ihrem Munde , in ihren süßen Worten einen ganz eigenen Zauberreiz , ihr Gespräch war ganz liebliche zarte Idylle . - So sprach sie z.B. mit Wärme von einem Milchbrei , den sie wenige Tage vor des Vaters Tode nicht ohne Appetit genossen , und als ich sagte , daß bei meinem Meister solch ein Brei ganz vorzüglich bereitet würde und zwar mit einer guten Zutat von Butter , da blickte sie mich an mit ihren frommen , grünstrahlenden Taubenaugen und fragte mit einem Ton , der mein ganzes Herz durchbebte : » O gewiß - gewiß , mein Herr ? - Sie lieben auch den Milchbrei ? - Mit Butter ! « wiederholte sie dann , wie in schwärmerische Träume versinkend . - Wer weiß nicht , daß hübschen blühenden Mädchen von sechs bis acht Monaten ( so viele konnte die Schönste zählen ) nichts besser kleidet als ein kleiner Anstrich von Schwärmerei , ja daß sie dann oft ganz unwiderstehlich sind . So geschah es , daß ich , ganz in Liebe entflammt , die Pfote der Schönsten heftig drückend , laut rief : » Englisches Kind ! frühstücke mit mir Milchbrei , und es gibt keine Seligkeit des Lebens , gegen die ich mein Glück austausche ! « - Sie schien verlegen , sie schlug errötend die Augen nieder , doch ließ sie ihre Pfote in der meinigen , welches die schönsten Hoffnungen in mir erregte . Ich hatte nämlich einmal bei meinem Meister einen alten Herrn , der , irre ich nicht , ein Advokat war , sagen gehört , es sei für ein junges Mädchen sehr gefährlich , ihre Hand lange in der Hand eines Mannes zu lassen , weil dieser es mit Recht für eine traditio brevi manu ihrer ganzen Person ansehen und allerlei Ansprüche darauf begründen könne , die dann nur mit Mühe zurückzuweisen . - Zu solchen Ansprüchen hatte ich nun aber große Lust und wollte eben damit beginnen , als das Gespräch durch eine Libation zu Ehren des Verstorbenen unterbrochen wurde . - Die drei jüngeren Töchter des hingeschiedenen Muzius hatten indessen eine frohe Laune , eine schalkhafte Naivität entwickelt , über die alle Kater entzückt waren . Schon durch Speise und Trank merklich dem Gram und Schmerz entnommen , wurde nun die Gesellschaft immer froher und lebendiger . Man lachte , man scherzte , und als die Tafel aufgehoben , war es der ernste Senior Puff selbst , welcher vorschlug , ein Tänzchen zu machen . Schnell war alles fortgeräumt ; drei Kater stimmten ihre Kehlen , und bald sprangen und drehten sich Muzius ' aufgeweckte Töchter mit den Jünglingen wacker herum . Nicht von der Seite wich ich der Schönsten , ich forderte sie auf zum Tanz , sie gab mir die Pfote , wir flogen in die Reihen . - Ha ! wie ihr Atem an meiner Wange spielte ! wie meine Brust an der ihrigen bebte ! wie ich ihren süßen Leib mit meinen Pfoten umschlangen hielt ! - O des seligen , himmlisch seligen Augenblicks ! Als wir zwei , auch wohl drei Hopser getanzt , führte ich die Schönste in eine Ecke des Kellers und bediente sie galanter Sitte gemäß mit einigen Erfrischungen , wie sie sich eben vorfinden lassen wollten , da das Fest eigentlich auf einen Ball nicht eingerichtet . Nun ließ ich meinem innern Gefühl ganz freien Lauf . Ein Mal übers andere drückte ich ihre Pfote an meine Lippen und versicherte ihr , daß ich der glücklichste Sterbliche sein werde , wenn sie mich ein bißchen lieben wolle . » Unglücklicher , « sprach plötzlich eine Stimme dicht hinter mir , » Unglücklicher , was beginnst du ! - es ist deine Tochter Mina ! « Ich erbebte , denn wohl erkannte ich die Stimme ! - Es war Miesmies ! - Launisch spielte der Zufall mit mir , daß in dem Augenblick , als ich Miesmies ganz vergessen zu haben geglaubt , ich erfahren , was ich nicht ahnen können , ich in Liebe kommen mußte zu eignem Kinde ! - Miesmies war in tiefer Trauer , ich wußte selbst nicht , was ich davon denken sollte . » Miesmies , « sprach ich sanft , » Miesmies , was führt Sie hieher , warum in Trauer und - o Gott ! - jene Mädchen - Minas Schwestern ? « - Ich erfuhr das Seltsamste ! - Mein gehässiger Nebenbuhler , der Schwarzgraugelbe , hatte sich gleich nachher , als er in jenem mörderischen Zweikampf meiner ritterlichen Tapferkeit erlegen , von Miesmies getrennt und war , als nur seine Wunden geheilt , fortgegangen , niemand wußte wohin . Da warb Muzius um ihre Pfote , die sie ihm willig reichte , und es machte ihm Ehre und bewies sein Zartgefühl , daß er mir dies Verhältnis gänzlich verschwieg . So waren aber jene muntre naive Kätzchen nur meiner Mina Stiefschwestern ! » O Murr , « sprach Miesmies zärtlich , nachdem sie erzählt , wie sich das alles ergeben , » o Murr ! Ihr schöner Geist hat sich nur in dem Gefühl geirrt , das ihn überströmte . Es war die Liebe des zärtlichsten Vaters , nicht des verlangenden Liebhabers , die in Ihrer Brust erwachte , als Sie unsre Mina sahen . Unsere Mina ! o welch ein süßes Wort ! - Murr ! können Sie dabei unempfindlich bleiben , sollte alle Liebe erloschen sein in Ihrem Innern gegen die , die Sie so innig liebte - o Himmel , noch so innig liebt , die Ihnen treu geblieben bis in den Tod , wäre nicht ein anderer dazwischengekommen und