hatte sich im Kriege ausgezeichnet ; das Erheben zu einer bedeutenden Stelle hatte seinen Stolz erweckt , und dieser seinen bösen Willen unterdrückt ; seine beiden komischen Begleiter waren in angemessenen Stellen untergebracht . - Waller hatte sich schon wieder ein paarmal verlobt und einmal verheiratet ; sein Talent erlosch fast ganz in literarischen Streitigkeiten ; da er lange Zeit nur sich gekannt , nur seine Arbeiten gelesen hatte , so konnte er es nicht ertragen , als er bei andern auch andre Gedichte fand ; alle diese Gedichte , meinte er , wären gegen ihn gerichtet , er schimpfte dagegen , aber leider blieben seine Streitschriften ungelesen und so versank er in eine lächerliche literarische Melancholie , drückte seinen Bekannten die Hände , und seufzte : » Was soll aus unsrer Literatur noch werden ? « Wollte sich einer einen Spaß machen , so trug er ihm einen literarischen Zwist vor , der entweder gar nicht vorhanden war oder aus Gottscheds Zeit ; gleich verfaßte Waller eine plumpe schmutzige Schrift dagegen , ließ sie drucken und dann war er in großer Verlegenheit , den Leuten zu erklären , was er eigentlich damit gewollt habe . Mannigfaltig entwickelte sich das Schicksal des Prediger Frank ; wir wollen es teils nach seinen eignen Briefen , die er aus alter Anhänglichkeit dem Grafen geschrieben , teils aus eigner Bekanntschaft mit ihm und mit den Seinen wiedererzählen . Wir erinnern uns , daß er über viele Glaubensmeinungen und Auslegungen von dem Hergebrachten in seiner Kirche abwich ; lange Zeit machte er daraus ein Geheimnis , endlich aber war er durch das Studium der Kantischen Moralphilosophie zu einem Abscheu gegen jede Art der Lüge gebracht worden . Aus dieser Wahrheitsliebe suchte er seine Meinung von Jesus , den er bloß als Menschen ausgezeichnet wissen wollte , eben so auffallend durchzusetzen , als seine Meinung von der Predigerkleidung , die ganz zufällig und sogar gegen den Willen Luthers sich von einem gewöhnlichen bescheidnen Bürgerkleide auszeichne ; weswegen er seine nächste Predigt über Jesus als Menschen in einem blauen Bauerrocke , wie ihn die Reicheren tragen , und mit abgeschnittenen Haaren hielt . Diese Geschichte machte Aufsehen , aber die Milde der Regierung und der langsame Gang aller ihrer Verhandlungen zögerten mit der Untersuchung . Unterdessen trat seine kleine geliebte Amalie in die Jahre , wo das Heiraten erlaubt ist ; ihre Erzieherin schrieb ihm , er möchte jetzt kommen , um dies Mädchen näher zu kennen und zu prüfen , die ganz nach seinen Grundsätzen gebildet worden . Er blieb einen Monat in der Stadt ; Amalie hatte viel kindliche Anhänglichkeit für ihren Wohltäter ; sie hatte ihm so oft dankbar die Hand geküßt , sie war noch immer in dem schönen Traume , der noch keinen Unterschied zwischen Neigungen zu machen weiß , keinen eignen Willen zuläßt , und schlug mit Freuden ein , als er ihr seine Hand antrug . Nachdem er diese Zusage empfangen , eilte er aufs Land , seine Zimmer selbst recht angenehm zu malen , und die nötigen Einrichtungen , wie sie seinem künftigen Haushalte angemessen , zu treffen , in drei Monaten sollte die Hochzeit gefeiert werden . In dieser Zeit traf der Gutsherr seines Dorfs , ein alter General , der seinen Abschied genommen , mit seiner Tochter Leona dort ein , um in Ruhe die letzten Tage seines Lebens durch Landluft zu erfrischen : ein herrlicher Mann , dessen ganzes Leben fast Entsagen und Selbstüberwinden bezeichnete ; in gleichem Sinne hatte er die Tochter erzogen ; was ihr lieb , das entriß er ihr , und so war sie nur in allem dem , was sie mit Überlegung wollte , entschieden , aber unwandelbar in solchem Entschlusse . Frank mußte ihr einigen Sprachunterricht geben , sie und ihr Vater faßten eine unbegrenzte Achtung gegen ihn ; sie wünschten ihm von ganzem Herzen Glück , als er zum Brautholen in die Stadt abreiste . Er kam spät Abends unerwartet zu Amalien , sie trat mit einem Lichte herein , in dem Vierteljahre sehr verschönert , gewandter durch den geselligen Umgang , zu dem er sie aufgemuntert hatte . Sie erschrak , als sie ihn erblickte ; es erkältete sie der Gedanke , daß sie diesem Manne in wenig Tagen sich ganz aufopfern sollte , der ihr immer als Vater erschienen ; sie konnte sich kaum den nötigsten Ausdruck von Anhänglichkeit geben ; dankbar vor ihm zu knieen , war ihr einziger Wunsch , und das litt er nicht . Frank nahm dieses Erschrecken erst für Freude , bald aber mußte er sich gestehen , es habe etwas Fremdartiges , fast wie ein Zurückschaudern , das er als ein Liebling aller Weiber , sich lange nicht eingestehen wollte . Er bat sich darüber schriftlich eine Erklärung von ihr aus , wenn eine andre Zuneigung sie gefesselt , sie möchte es nicht verhehlen , er bliebe ihr stets ein treuer Vater . Die Antwort , halb mit Tränen vermischt , erklärte ihm mit Umschweifen , wie sie ihm tausendfache kindliche Verehrung weihe , aber vor dem Heiraten erschrecke sie , doch ohne eine andre Liebe zu hegen . - Frank war zu fest , um zu verzweifeln , er versicherte ihr noch einmal schriftlich seine dauernde väterliche Liebe , und setzte sich auf den ersten Postwagen , der eben angespannt war , und in der Nähe seines Dorfs vorbei fuhr ; dort stieg er aus und ging dahin zu Fuß . Als sein Dorf vor ihm lag , setzte er sich hinter einen Steinhaufen und schämte sich seines Unglücks ; er hätte ewige Zeiten da sitzen können , wäre nicht Leona , die mit ihrer Flinte über das Feld kam , zu ihm getreten . Ihr Blick erkannte , daß ihm ein Unglück geschehen ; er berichtete ihr alles so kalt , als beträfe es einen andern ; zuletzt sagte er , wie er sich krank fühle . Gesundheit ist wie das Geld , wir fühlen erst ihren Wert