! aus festem Vorsatz , den ersten Schritt zu thun , und ein Zusammentreffen selbst schicklich einzuleiten , dem für beständig auszuweichen , nun einmal vernünftiger Weise für Bewohner einer Stadt nicht möglich war . Wenn ich Agathokles , seit er verheirathet ist , nicht mehr sehen wollte , wenn ich von dem Augenblick , als er Theophanien gefunden hatte , seinen Anblick floh , berechtigte ich ihn nicht zu dem stolzen Gedanken , sein Verlust schmerze mich tief , und ich könne die Gegenwart einer glücklicheren Nebenbuhlerin nicht vertragen ? O diese bloße Möglichkeit empörte mein Herz . Was habe ich denn zu scheuen ? Den Göttern sey Dank ! die Rücksicht , die Theophania zur Verborgenheit bewegen konnte , brauche ich nicht zu nehmen ; und so war es Pflicht , die ich mir selbst , meinem Ruf und der Achtung , die er für mich haben soll , schuldig war , diese Gedanken nie in ihm aufkommen zu lassen , und ihm zu beweisen , daß ich nur seine Freundin war , weil ich es auch jetzt blieb . So mußte es zwischen uns stehen , wenn ich ruhig seyn , und sein unvermutheter Anblick mir nicht einst drückend werden sollte . Und überdies , war ich ihm nicht innigen Dank schuldig ? Er hatte , auf welche Art konnte ich nicht erfahren , mich von der Bosheit und Zudringlichkeit des Marcius befreit , ich mußte diese Schuld abtragen . Ich fühlte das , und that es gern ; aber nicht blos mit Worten , mit Thaten wollte ich es thun . Die Bedingung seines Vaters , unter der er ihm seine Einwilligung zusagte , schien mir immer sehr hart , sehr unväterlich , ich glaubte Agathokles keinen größern Dienst leisten zu können , als wenn ich es dahin brächte , seinen Vater zum Widerruf zu vermögen . Ich sprach mit unserm davon , er fand einige Bedenklichkeiten - er kann alten Hegesippus nicht wohl leiden . Aber für mich bekam mein Plan , je langer ich ihm nachsann , je mehr Reize , und so erhielt ich denn endlich halb durch Ueberredung , halb durch die Vorstellung , daß ein solcher Schritt nothwendig sey , um Agathokles von der Ruhe meines Herzens zu überzeugen , die Erlaubniß , mein Vorhaben auszuführen . Ich kenne die alten Herren . Wenn sie für keine Frau oder Tochter mehr zu fürchten haben , finden sie eben keine so strenge Sitte , und ängstliche Verhüllung nöthig , wie sie mancher junge Mann , wahrlich auch nur aus Eifersucht , von seinem Mädchen fordert - und ich kleidete mich daher etwas weniger matronenmäßig , als ich wohl ehedem zu thun pflegte , wenn ich seinen Sohn zu sehen hoffte . Es klingt lächerlich , dies zu sagen , aber können wir Weiber dafür , daß die Männer in der Jugend aus Selbstsucht eifersüchtig , und im Alter aus Selbstsucht verliebte Gecken sind ? So sandte ich hin , und ließ ihn um eine Stunde bitten , wo ich ihn sprechen könnte . Ich wußte , daß er das nicht annehmen , und selbst kommen wurde . Er kam auch - nur etwas spät ; aber als er einträt , sah ich die Ursache dieser Verspätung wohl ein . Der alte Herr hatte sich in große Unkosten von Pracht und Niedlichkeit gesetzt , er duftete wie alle Würzen Arabiens , und sein Bart ( wenn es möglich ist , so war es ein falscher ) hätte einer Büste des Plato Ehre gemacht . Verwunderung und Neugier malten sich auf seinem Gesicht , und ich sah , welche Mühe es ihn kostete , sie unter den Schranken der guten Lebensart zu halten . Aus Mitleid ließ ich ihn nicht lange warten , sondern rückte so eilig , als es die etwas sonderbare Art meines Geschäfts erlaubte , mit meiner Bitte heraus . Sein Erstaunen wurde nun noch größer , obwohl er sich bestrebte , es zu verbergen , und in diesem Erstaunen und einigen entschlüpften Worten las ich deutlich seine Meinung über mein Verhältniß zu seinem Sohne , das wohl so ziemlich die Meinung der ganzen Stadt seyn mag . Um so lieber war es mir , durch diesen Schritt ihn und die Welt vom Gegentheil zu überzeugen . Ich sprach mit Wärme von den vorzüglichsten Eigenschaften seines Sohnes , seiner Schwiegertochter . ( Ich vermochte das , Lucius , in einer Aufwallung von Großmuth , über die ich selbst erstaunte . ) Ich suchte ihm darzuthun , daß alle Schritte , die Agathokles bisher gethan , nur Wirkungen derselben Tugenden und jenes allzustrengen Pflichtgefühls wären , das wir , auf andere Gegenstände angewendet , an einem Curtius , Cocles , Cato bewundert hatten . Ich ließ ihn die Freundschaft des Armenischen Königs und Constantins Liebe für seinen Sohn , die Achtung , in der er allgemein steht , im schimmernden Lichte sehen , und hinter diesem Schimmer sein eigenes Bild , auf das der Ruhm seines Sohnes keinen unbedeutenden Ganz warf . Im Eifer des Gesprächs waren die Locken Um meinen Nacken losgegangen , sie sanken auf die Brust herab , ich mußte sie zurückstreichen , und verschob dadurch den Schleier , so , daß auf einen Augenblick ein Theil des Busens sichtbar wurde . Ich strebte das Unglück zu verbessern , aber indem ich den Arm über die Schulter legte , fiel auch das faltenreiche Gewand zurück , und der Arm erschien beinahe ganz unverhüllt . Hegesipps Auge folgte leuchtend meinen Bewegungen , und er war auf einige Augenblicke so mit Schauen beschäftigt , daß er mir ganz verkehrt antwortete . Ich nutzte diese Stimmung , ich drang nun mit Bitten in ihn , und was früher Vernunftgründe nicht erschüttert hatten , fiel nun durch die vereinte Wirkung eines rührenden Tons , einer flehenden Miene und eines Paars unverhüllter Arme , die bittend gefaltet vor seinen Augen spielten . Ganz verklärt und mit jugendlicher Munterkeit sagte er mir , es sey