Liebe und die Schönheit zu ersetzen . Sie wähnen gar , die Liebe sei verloren , Weil sie sich selbst vermissen Das Leben in Verzeichnisse schon bringen , Als würde fernerhin nicht mehr geboren , Als bräch aus Finsternissen Der Tod herauf , die Mutter zu verschlingen . Mit solchen Wunderdingen Vermeinen sie die längst verlornen Grenzen Der Liebe zu ergänzen , Und ordnen uns und stellen nach den Flammen Dem Tode in Systeme uns zusammen . Wie schöner Sieg ! Wir können hier nicht sterben , Denn hier war uns kein Leben , Ein Frühling nur , wir sind es selbst gewesen , Erblühen und Verglühen - kein Verderben Kann unser Bild entweben , Nur Opfer kann der Liebe Fessel lösen , O freudiges Genesen ! Erhebe , sanfte Königin , den Schleier Dem reinen Himmelsfeuer ; Will liebend nicht das Leben dich erringen , So laß vom stillen Gotte dich umschlingen . Wie glüht der Mittag heiß , in tiefem Schweigen Eröffnet sie den Schleier , Der Liebe Heiligtum muß sie enthüllen , Und zu dem Throne glühe Strahlen steigen , Des stillen Gottes Freier , Die wachen Schmerzen tötend ihr zu stillen . Sie reicht dem mächtgen Willen Die Liebe hin , und löset ihre Krone Und breitet auf dem Throne Die duftenden Gewänder , an den Gluten Des Bräutigams sich opfernd zu verbluten . Mir ist das schöne Opfer bald verglommen , Es wallt das letzte Düften Dem lichten Gott , der mit der Krone fliehet , Er wand sie mir , er hat sie hingenommen , Und in den reinen Lüften Das bunte Leben mit ihm heimwärts ziehet , Mein stiller Abend glühet , Und wo des hohen Glanzes reine Wellen In heißem Purpur schwellen , Da brechen sich der Sehnsucht letzte Wogen , Und ist der Streit der Liebe hingezogen . « O Nacht ! so voller Liebe , Ergieße deine dunkle Flut der Bangen , Umfange ihr Verlangen , Laß kühlend um die kämpfenden Gestalten Das stille Meer der ewgen Liebe walten ! Godwi zog nun den Vorhang des Nachtstückes in die Höhe . Das Bild nahm die eine Wand der kleinen Stube ganz ein , wir saßen gegenüber auf einem Sopha . - Der ganze Moment des Bildes war heftige Spannung , Männer mit schwarzen Mänteln ringsum , immer dunkler gegen den Rand . Mitten unter dem Baume ragt eine Fackel heraus , welche grelle Lichter über die hagern plumpen Gesichter der Leichenmänner wirft ; von ihren Hüten fallen schwarze Flöre , welche schön durchsichtig dem hellen Scheine eine Halbtinte entgegensetzen . Etwas entfernt von den Fackeln , doch allein in ganzer Beleuchtung , lehnt der Jüngling ohnmächtig im Arme eines Dieners , sein Kopf sinkt abwärts , so daß er von oben beleuchtet wird ; er hat schöne blonde Locken , und einen edlen Gesichtsschnitt ; der Bediente zieht ihm das Halstuch ab , und hat ihm die Kleider geöffnet , ein grüner Mantel fällt von seinen Schultern , und antwortet dem Grüne des Baumes , der durch die Fackel von unten erleuchtet wird ; in dem Baume sieht man den Italiäner dunkel sitzen . Im Ganzen sind keine heftigen Farben , nur starker Kontrast von Dunkel und Licht . Es war , wie dumpfes Murren in den dunkelsten Stellen , um die Flamme der Fackel einige lauten Schreie , um den Jüngling stille Bangigkeit , und er selbst leises Atmen und Seufzen . - Man meinte , es müsse sich nun bald ändern , sie müßten bald auseinandergehn . Godwi ließ den Vorhang wieder fallen , und ich sagte : » Gut , es war Zeit , lange konnten die vielen Menschen nicht hier in der kleinen Stube sein , der Atem ward mir schwer . « Wir verließen den Saal , und ich besuchte Georg , den Diener , der sehr krank war . Sechsundzwanzigstes Kapitel Fortsetzung der Geschichte der beiden Schwestern Marie und der Vater waren sehr stille auf ihrer Fahrt nach dem Gute der Gräfin ; sie waren lange nicht im Freien gewesen , ihre Gemüter waren gleich ruhig , sie hatten sich nichts mitzuteilen , und es war ihnen beiden , als wären sie allein ; doch fühlten sie eben durch dieses stillschweigende doppelte Dasein ineinander dies Alleinsein nicht . - ( Dies mag wohl das eigentliche Wesen der Freundschaft sein , das so selten lebt , ohne wirkliche Vermischung - bloßes stilles wohltätiges Gefühl der schönen Umgebung , das Nebeneinanderströmen harmonischer Töne . Der Freund kann nichts , als unser Selbstgefühl aufheben , in dem er das seinige verliert , und sich wohl befindet . Wo man die Freundschaft selbst fühlt , giebt einer oder der andere zu viel oder zu wenig , und hat die Sache ihr Ende . Sie ist bloße Verstärkung des Daseins , und Verminderung des Selbstgefühls im allgemeinen Medium des Lebens ; aus den Einzelnen macht sie eine Summe , stellt sie dem Mächtigen entgegen , und macht den Begriff Volk allein ehrwürdig , im Gegensatze des Begriffes Herrscher , Weiser , Dichter . - Sie setzt in der höchsten Unschuld keine Notwendigkeit der eignen Gattung voraus , der natürliche gesunde Mensch ist ebenso Freund mit dem Licht und dem Dunkel , den grünen Bäumen , seinen Werkzeugen , Werken und Gedanken , als seinem menschlichen Freunde ; ja die Freundschaft mit dem Menschen insbesondere ist Folge der verlornen Unschuld , es liegt ein Zusammentreten gegen die Natur , etwas Feindseliges und Boshaftes in der bloßen Freundschaft mit seiner Gattung , und sie folget dem Verluste der Eigentümlichkeit und der Kraft des Einzelnen , der die Natur nicht mehr zwingen kann und eine Menge gegen die größte Einheit bilden will , um sich ihr entgegenzustemmen . - Zwischen zwei Menschen , von denen einer sich die Welt nimmt , und der andre sich der Welt giebt , kann sie nie stattfinden , denn in ihr kann sich keiner geben und kann keiner nehmen , sie ist bloßes Dasein ohne Tätigkeit