, Dein Herz ohne Erbarmen , Deine unbezwingliche Neigung zur Intrigue bloßlegt , wie noch nie , fühle ich mich doppelt berufen , Bruck um jeden Preis von dem Vampyr zu befreien , der nach seinem Herzblut trachtet -- Du darfst keine Gewalt mehr über ihn haben . . . Er soll ein neues Leben anfangen ; er wird sich eine Häuslichkeit schaffen , die ihn beglückt und befriedigt ; er wird nicht mehr verurtheilt sein , an der Seite einer herzlosen Gefallsüchtigen ein steifes Salonleben zu führen – ” “ Sehr verbunden für die schmeichelhafte Beurtheilung ! Du sprichst viel zu warm für sein Glück , als daß ich Dir mein Kleinod anvertrauen möchte . ” “ Gib es her -- Du kannst es getrost . ” “ Und wenn er Dich nun wirklich und wahrhaftig liebte ? Die Lippen des jungen Mädchens zuckten in unsäglicher Qual ; sie verschlang die Hände angstvoll in einander , wie es die Verzweiflung tut , aber sie blieb standhaft . “ Wäre es auch -- ich bin nicht unersetzlich . Wie leicht wird es ihm werden , eine Bessere zu finden ! Und daß er nicht wieder blindlings ein falsches Loos zieht , dafür bürgt seine schmerzliche Erfahrung . Gib mir den Ring , den gefälschten , von dem ich weiß , daß in Wahrheit auch nicht die leiseste Spur von einem Recht mehr an ihm hängt -- ich verspreche Dir , ihn zu achten , wie den , der im Flusse liegt , weil er trotz alledem und alledem Brucks Befreiung verbürgt . ” Sie streckte die Hand aus . “ So wie ich Dich kenne , bist Du ehrenhaft genug , ihn nie zu Deinen Gunsten zu verwenden , ” sagte Flora nachdrücklich und den Ring abstreifend ; ein leises Zittern durchlief Käthes Glieder , als das Gold ihre Handfläche berührte -- dann schlossen sich die Finger wie im Krampf über dem Reif ; dabei stahl sich ein bitterverächtliches Lächeln um den Mund des Mädchens -- sie war zu stolz , auch nur mit einer Sylbe ihre makellose Absicht zu betheuern . ” “ Nun ? ” rief Flora beunruhigt . “ Du hast mein Wort . Jetzt bin ich die Marionette , die Du an diesem Drahte lenkst , ” -- sie hob die geschlossene Hand mit dem Goldreif ; -- “ bist Du zufrieden ? ” Damit ging sie . In dem Moment , wo sie auf die Schwelle der geöffneten Thür trat , kam Doktor Bruck die gegenüberliegende Treppe herauf . Sein Blick überflog die zwei Gestalten , von denen die eine aufrecht , triumphierend inmitten des Zimmers stand und ihn kalt anlächelte , während das herausschreitende , fieberglühende Mädchen bei seinem Anblick fast zusammenbrach . Er eilte bestürzt herbei und legte rückhaltslos den Arm um die Schwankende . Die Thür hinter ihnen fiel zu , und in ihr Geknarr mischte sich ein wohlbekanntes , gedämpftes Auflachen . 28. Nachmittags brach der Sturm los , den die wie die Möwen um das Haus schwirrenden Gerüchte verkündigt hatten -- eine Gerichtskommission erschien . Man hatte sich die feierliche Beschlagnahme seit den frühen Morgestunden vergegenwärtigt , und doch ging es wie ein erschütternder Schlag durch das ganze Haus , als die Herren unter das Portal traten . Sie kamen für Alle zu früh . Noch schleppten die Bedienten die altmodischen , blinden Mahagonitische und Kommoden der Präsidentin , die Sophas und Stühle mit den verstaubten und zerschliffenen Bezügen vom Dachboden herab in den Hauptkorridor ; noch standen Floras Kisten mit dem eingepackten Trousseau droben und harrten auf den säumigen Spediteurwagen ; noch lag im kleinen Haus- , Wein- und Bierkeller allerlei “ Trinkbares ” , das man nicht mehr bei Seite bringen konnte . Die Präsidentin hatte sich stolz und vornehm in ihr Schlafzimmer zurückgezogen -- sie wollte die Herren nicht sehen , aber so höflich und respektvoll dieselben auch waren , sie durften auf die Nervenzufälle der gnädigen Frau keine Rücksicht nehmen ; sie mußten fragen , ob die Zimmereinrichtung ihr Eigentum sei , und auf das Vermeinen der Dame hin bitten , einstweilen in ein leerstehendes , heizbares Entree überzusiedeln , weil das Zimmer versiegelt werden müsse . Nun wurden die alten Möbel aus dem Korridore in das kleine , freundliche Zimmer geschoben , die pensionierten Federbetten gelüftet und bezogen und unter die verschossene , braunseidene Steppdecke gesteckt , die der Präsidentin seit Jahren nicht vor die Augen gekommen war und bei deren Erblicken ein Schauder des Abscheus durch ihre Glieder zog . Die Jungfer richtete das Stübchen so wohnlich wie möglich ein ; sie hatte den kleinen Mahagoniblumentisch am Fenster mit einigen aus dem Wintergarten eroberten Blaupflanzen gefüllt und Manches aus dem Schlafzimmer herübergerettet , was ihrer verwöhnten Herrin besonders lieb und unentbehrlich war , aber die alte Dame sah die Bemühungen nicht -- sie saß am Fenster und stierte nach dem Pavillon hinüber , dessen neuglänzendes Dach hinter der Bocage auftauchte . Dieser gefürchtete und namenlos verhaßte “ Witwensitz ” war ein wahres Feenschlößchen geworden . Reiche Gardinen hingen hinter den Spiegelscheiben ; sie sah eine köstliche Spitzenkante an einem Eckfenster , welches das Ahorngeäst freiließ . Es funkelte Alles im Glanze der Neuheit , das spiegelglatte Parquet , die eleganten Möbel , die Deckenmalereien , die Lüsters in dem Salon ; selbst die Küche war splendid und vorsorglich ausgestattet , bis auf den einfachsten Blechlöffel hinab . Dieses “ Bijou ” hätte ihr Eigentum sein sollen bis an ihr Ende , und sie hatte es verächtlich mit dem Fuße fortgestoßen , aus Furcht , es werde sie von der Geselligkeit im Hause des Kommerzienrates isolieren -- und nun , und nun ! ! Währenddem kämpfte Flora um ihre Effekten , aber alle erschöpfenden Argumente , das schließliche Berufen selbst auf das Zeugniß der Dienerschaft waren vergeblich . Fräulein Mangold möge später reklamieren , augenblicklich müsse aues Vorgefundene in Bausch und Bogen unter die Siegel -- lautete die höfliche , aber sehr bestimmte Antwort .