mehr . Ich bin schwach , ich vermag die Mutter nicht zu heben ; aber der bleiche Mann wird mir helfen , sie auf das Ufer tragen , sie und ihren Bruder , daß ich mich mit ihnen hinabstürze . « » Wir wollen ihnen eine Grube scharren und sie bestatten , « versetzte ich tröstend , » wir wollen sie tief in die Erbe senken und Steine über ihnen zusammentragen , damit die Wölfe ihre Gebeine nicht benagen . « Ein Blitz des Verständnisses leuchtete aus ihren großen , schwarzen Augen . » Tief in die Erde , « wiederholte sie nachdenkend , » guter , bleicher Mann , willst Du mich neben sie legen ? « fragte sie darauf , mich gespannt anblickend . » Nein meine Tochter , « antwortete ich in strengem Tone , hoffend , daß ich auf diese Weise eher meinen Willen bei ihr durchsetzen würde ; » meine Tochter wird jetzt thun , was ich ihr heiße . Ich habe einen guten Traum gehabt und darnach muß ich handeln . Ich werde eine Höhle scharren , breit und tief , ich werde die Gestorbenen in dieselbe legen , und meine Tochter soll mir helfen , sie mit Erde und Steinen bedecken . Meine Tochter wirb aber von hier fortgehen und zusehen , wie ich grabe ; ich will es so , die Letzte der Mandanen soll noch länger leben und nicht die böse Krankheit von ihrer Mutter trinken . « Etwa eine Minute lang blickte die junge Indianerin mich an , als ob sie noch schwankend gewesen wäre ; dann aber stand sie auf , und gesenkten Hauptes vor mich hintretend , harrte sie der Befehlend die ich nunmehr an sie zu richten haben würde . Leichter , als ich erwartet hatte , gelang es mir jetzt , sie fügsam zu machen . Hatte sie nun Vertrauen zu mir gefaßt , war sie plötzlich zum Bewußtsein ihrer gänzlichen Verlassenheit und daher auch ihrer Abhängigkeit von mir gelangt , oder gewann die sklavische Unterwürfigkeit , welche den indianischen Frauen schon von frühster Jugend an eigen , bei ihr die Oberhand , ich vermochte es nicht zu unterscheiden , doch leistete sie mir ohne Widerrede Folge , als ich sie aufforderte , eine Art und eine Hacke , wie sie von den Eingeborenen zum Pflanzen von Mais benutzt werden , herbei zu schaffen . Nachdem ich meine Pferde abgesattelt und auf einer grasreichen Stelle gepflöckt hatte , begann ich an einer geeigneten Stelle die Erbe aufzuwühlen und eine Höhle , umfangreich genug , zwei Leichen zu bergen , auszuscharren . Mit den unvollkommenen Geräthschaften ging die Arbeit nur langsam von Statten und oft mußte ich rasten ; doch trug ich dann jedesmal Sorge , daß mein Schützling die unterbrochene Arbeit aufnahm und die lose Erde aus der Vertiefung entfernte . Meine Absicht , durch diese Beschäftigung ihre Gedanken von dem Verlust , den sie erlitten , wenn auch nur vorübergehend abzulenken , erreichte ich dadurch allmälig , und immer seltener und in größeren Zwischenpausen wurde sie von den an Fanatismus grenzenden Ausbrüchen ihres Schmerzes ergriffen , und sanfter und melodischer erklangen die gesangartigen Klagelaute , welche sie den Dahingeschiedenen nachsandte . Sobald die Gruft endlich die erforderliche Größe hatte , befahl ich dem , mir jetzt mit eigenthümlicher Ergebung gehorchenden Mädchen , in einem nahen Gebüsch Zweige vom duftenden Sassafras-Strauch zu brechen und herbeizubringen ; ich wollte sie nicht zum Zeugen haben , wenn ich dem Grab seine stillen Bewohner übergeben würde . Als sie nach Verlauf einer Viertelstunde mit den Zweigen zurückkehrte , da lagen ihre . Mutter und deren Bruder bereits unten in der Erbe friedlich nebeneinander gebettet . » Bedecke sie mit dem grünen Laub , meine Tochter , « sagte ich ernst , während ich den auf ihrem Antlitz heftig zuckenden Schmerz beobachtete . Einen Zweig ließ sie mechanisch in das Grab fallen , dann aber , als ob sie sich irgend eines wichtigen Umständes erinnere , legte sie ihre duftende Bürde auf den Rand der Grube nieder , worauf sie sich mit eiligen Schritten nach den Zelten hin entfernte . Ich errieth was sie beabsichtigte und ließ sie gewähren . Nach einigen Minuten kehrte sie zurück , aber beladen mit allen Gegenständen , welche sie in der Hast zusammenzuraffen vermocht hatte . Für den jungen Mann brachte sie dessen Waffen und seinen grellfarbigen Kriegsschmuck ; für ihre Mutter dagegen einige Decken , Glasperlen , Nadeln und zu Fäden gespaltene Wildflechsen , und nachdem sie Alles vorsichtig zu den Todten in das Grab gelegt , warf sie auch noch ein Säckchen mit ausgehülstem Mais und ein Bündel gedörrtes Büffelfleisch zwischen Beide . Jetzt erst , nachdem sie die Geister der Verstorbenen zu ihrer letzten Reise mit dem Allernothwendigsten ausgerüstet zu haben glaubte , bedeckte sie deren irdische Ueberreste behutsam mit den Zweigen , worauf ich schnell mit dem Zuschütten der Grube begann . Was ich erwartet hatte , traf ein . Die junge Indianerin , nicht mehr die entstellten Leichen vor Augen , beruhigte sich , und als ob sie mich nunmehr als ihr Einziges und Alles betrachtet habe , hingen ihre schüchternen Blicke beständig an meinen Augen ; wie um aus denselben meine Wünsche und Befehle herauszulesen . Getreulich half sie mir Steine herbeitragen und wälzen , und als wir dann endlich das Grab durch eine feste Pyramide gegen die Angriffe der wilden Bestien gesichert hatten , da sank sie vor mir auf die Kniee . » Bleicher Mann , « hob sie an , ihre großen , melancholischen Augen vertrauensvoll zu mir aufschlagend , » jetzt bin ich Deine Tochter ; Du hast es gesagt ; mache mit mir , was Du willst . « » Du sollst meine Tochter sein , « antwortete ich gerührt , indem ich sie durch , ein Zeichen bedeutete , sich zu erheben , » Dein Manitou hat Dich mir in den Weg geführt und ich will dein Vater sein . « Dies