seinem Blick war starres Staunen , kopfschüttelnd meinte er : » Seltsam bin ich verwandelt . Muß wohl verblendet gewesen sein , als ich dir feind gewesen . Was aber war ' s , das mich verblendet ? Sie doch nicht , die ich liebte , die ich lieben werde bis zu meinem Grabe . « Und es zuckte über sein Antlitz wie verhaltenes Weinen . Auch ich blickte starr auf das Geheimnis unserer Herzen und fand nach schweigendem Sinnen die Worte : » In uns beiden lebt die eine Liebe . Wenn sie nun bisher nicht vermocht hat , uns zu einen , so muß wohl ein Störendes in ihr gewesen sein , so jeden von uns eigensüchtig vom andern abweichen ließ . Es wollte halt jeder ihm allein solle Thekla gehören , wie ein köstlich Ding , das man eigentümlich besitzt . So freilich mußte jeder des anderen Nebenbuhler sein . « - » Und jetzo ? « fragte Zetteritz , die Hand auf seine Stirn gelegt , » wie kommt es , daß du mir nicht mehr Nebenbuhler bist ? « - » Sie ist ja tot ! « erwiderte ich mit bebender Stimme ; » genommen ward sie uns beiden , entrückt von dem Schicksalsgrunde , darin wir wurzeln und weben . Verblieben ist uns eine Thekla , um die zu hadern völlig sinnlos wäre . Ihr Bildnis hat sie jedem unserer Herzen hinterlassen . Wohlan , Zetteritz , verehren wir einträchtiglich diesen heiligen Schatz . « Aufschluchzend warf sich der Kriegsmann zu meinem Lager auf die Knie und preßte mir die Hand , indem er stammelte : » Bruder ! « - » Genung ! « sagte da der Oheim fest , wiewohl ihm Tränen im Auge stunden . » Höret auf , von Thekla zu reden . Bedenket , die Kopfwunde ist noch nicht heil . « - » Schon recht , guter Tobias « , gab ich zur Antwort ; » doch Aussprache gibt mir eher Ruhe als Verschweigen . Unkenntnis foltert mich . Drum tu Bericht über alles , was sich zugetragen , vom Tag an , als ich die Abendburg verließ . « Da sahen der Oheim und Zetteritz einander an , als sei zwischen ihnen stilles Einvernehmen , und Zetteritz sprach : » Sag ihm , Tobias , was er wissen muß , mir aber wollet derweilen Urlaub geben ; ich werde draußen graben . « - » Was will er graben ? « fragte ich , und seufzend kam die Antwort : » Wir haben Gräber nötig . « Wie wir beide allein waren , vernahm ich vom Oheim folgenden Bericht : » Berthulde hat durch einen Burschen , dem sie ' s angetan , vom Boten den Weg zu Thekla erkunden und ein Pferd stehlen lassen und ist dann in der Nacht des Festes davongaloppiert . So ist sie dir zuvorgekommen und hat dein Weib entführt , vorgebend , zu dir solle die Reise gehn . Du hast dann zu Altenau die Wunde davongetragen und bist von deinen drei übriggebliebenen Leuten heimgebracht . « - » Nur drei sind übriggeblieben ? « fragte ich ; » und Segebodo ? « Segebodo ist mit den zwei andern in Altenau gefallen . « Nach trauervollem Schweigen bat ich den Oheim , fortzufahren , und er sprach : » Mit dir langten die Reiter am Morgen der Johannisfeier hier an . Tags zuvor schon war Berthulde gekommen ... « Angstvoll unterbrach ich den Oheim : » Hatte sie Thekla bei sich ? « Düster schüttelte er das Haupt und ergriff beschwichtigend meine Hand : » Unterwegs hat die Eifersüchtige die Untat verübt - wo , weiß keiner . Aber sie hat es eingestanden , hat sich der Tat gerühmt . « Ich fuhr zusammen , als habe ich eine Viper berührt . » Ruhig , Johannes , höre weiter . Eine Hexe ist sie gewesen , des Teufels Anbeterin . Ich Blinder , der ich das nicht gleich gesehen , der ich gar die Zauberin dir empfohlen habe ! Nun hat sie all dies Unheil über uns gebracht . Schon das flammarische Ding hätte mich warnen sollen . Denke nur , diese Putzkeller bringen ihrem Moloch lebendige Menschen zum Opfer . « - » Woher willst du das wissen ? « fragte ich . - » Woher ? Hat sie denn nicht ihre heidnische Ketzerei unseren Leuten hier in den Kopf gesetzt und mit ihrem Aberglauben selbst etliche aus Schreiberhau verseucht ? Hat sie nicht eine heimliche Partei gebildet , am Johannistage dem Feuergötzen Menschenopfer darzubringen ? Und ist sie nicht vor meinen eigenen Augen in die Opferflamme gesprungen ? « Tobend hatte der Oheim diese Worte herausgeschrien ; verzerrt das Angesicht , schüttelte er die Fäuste . Wie versteinert war ich , dann murmelte ich : » In die Opferflamme gesprungen ? Der flammarische Dämon hat ihr den Kopf verrückt ! « Mit scheuem Raunen fuhr der Oheim fort : » Wie die Verruchte am Tage vor Johanni hier wieder auftauchte , hielt sie sich von mir zurück . Heimlich war sie beflissen , die Johannisfeier vorzubereiten , damit das Lichtreich , wie sie sagte , würdig beginne . Ihrer Kränzeljungferngilde hat sie eigne Lieder beigebracht und , in ihrer tollen Brunst für ihren König , wunderliche Anordnungen getroffen , wie man dich empfahen und wie man abends die Lichtmette begehen solle . Ihre Helferin ist ein Soldatenweib gewesen , und schier alle fremden Soldaten haben der jungen Hexe gehuldigt . Schrecken aber hat uns befallen , wie du auf einmal halbtot gebracht wurdest . Aufgekreischt hat die erblichene Berthulde , nach ihrem Herzen getastet und mit blauen Lippen gemurmelt : O wehe , da sticht mich mit seinem Stachel das Zauberding - verfallen bin ich ihm , habe ja kein Glück in der Minne ! Denn es stirbt mir mein Liebster , o weh ! Johannistag aber ist heut , und huldigen wollten wir dem Herrn der Berge .