grüne Meer , mein Herz war traurig und lag zusammengepreßt von scharfem Weh in meiner Brust , der Mond schien hell und klar , und ich sah mit tränenlosem , ödem Auge in die unbegrenzte Fläche hinein . Da hörte ich plötzlich eines jener ukrainischen Lieder , es klang wie eine Geisterklage durch die stille Nacht . Von der tiefen Einsamkeit sprach es , und daß kein Baum in der Nähe sei , mit dessen Flüstern der Hirte schwatzen könne . O , wie schön war diese Einsamkeit , hieß es weiter , als die Pferde noch frei waren und keine andern Sättel zu fürchten hatten als die polnischen . Da jagten sie fröhlich an meiner Hütte vorüber und wieherten mir ihre Freude zu , daß sie täglich größer und stärker würden und bald einen polnischen Reiter tragen könnten . Und jetzt kommt der Tatar Mit dem dicken Schädel , Wirft das stumpfe Auge , Wirft die starke Schlinge Auf das freie Tier , Schlägt die plumpen Beine Um den freien Leib , Ach , du Meer von Polen , Grüne Ukraine , Du bist jetzt verlassen ; Einsam , einsam , einsam , Seit der Tatar kommt - Ach , ihr freien Pferde , Und ihr freien Polen ! Ich hatte vorher nicht weinen können , obwohl ich mein Liebstes verloren hatte , jetzt rannten mir die Tränen stromweis über das Gesicht , ich wendete den Kopf meines Pferdes wieder herum nach Volhynien zu , von wo ! ich gekommen war , um mein Mädchen zu suchen . Das Tier eilte rastlos nach der Heimat , und als beim Anbruch des Morgens eines jener schlanken Steppenrosse wiehernd und wild an mir vorüberflog , da sah ich schon von weitem die ewigen hohen Wälder , in welchen meine Heimat liegt . Dort zwischen den alten Bäumen , auf den feuchten , mit hohem Gras bewachsenen Wiesen war ich groß geworden , hatte den Wolf gejagt und das muntere Pferd getummelt . Mein Vater war ein reicher Gutsbesitzer , und ich war das einzige auf der Welt , an dem er noch Freude hatte , seit er Steuern zahlen mußte an den russischen Herrn . Er war immer ein alter strenger Mann , solange ich mich seiner erinnere , der die Freiheit noch gesehen hatte , und die Leute erzählten von ihm , daß er nicht mehr gelacht habe , seit der russische Statthalter in Zitomierz erschienen wäre . Seine Untertanen behandelte er hart , aber sie waren ihm damals zugetan , weil er für den bravsten Polen der Provinz galt . Mir ließ er aus der Schweiz einen Lehrer kommen , der mich in allem unterrichten mußte . Kasimir , pflegte er zu sagen lerne fleißig , dein Vaterland wird kluge Leute brauchen , wenn es die Fesseln der Arglist abschütteln will . Er selbst lehrte mich unsere vaterländische Geschichte , und wie Hamilkar seinen Sohn zog er mich auf in tödlichem Hasse gegen die Moskowiter . Eines Tages hatte mich die Fährte des Wildes weiter als gewöhnlich in die Wälder gelockt , ich verirrte mich zwischen den Sümpfen des dunklen Buchenwaldes und entkam mit Mühe und Not auf eine Lichtung festen Bodens . Es war wohlgepflegtes Ackerland , und nach sorgfältigem Umherblicken entdeckte ich in der Dämmerung das Häuschen dessen , dem wahrscheinlich diese Besitzung gehören mußte . Der Herr des Häuschens war nicht daheim , seine Tochter empfing mich , wies mich zurecht , und ich kam bei einbrechender Nacht , mit gesundem Leibe nach Hause . Aber schon den andern Tag verirrte ich mich wieder nach jener Gegend , Ludmilla hatte mir den Weg so vortrefflich gezeigt , daß ich keinen andern mehr finden konnte , als den zu ihres Vaters Häuschen . Dieser Vater war ein sogenannter Slachtcziz , das heißt , er gehörte zu dem niedrigen , herabgekommenen Adel , der oft nichts weiter besitzt als ein Paar tüchtige Arme und ein Paar muskulöse Schenkel , um ein Pferd zu bändigen , das noch keinen Reiter getragen . Ludmillas Vater hatte noch ein Paar Stück Ackerland gerettet , die auf den offenen Plätzen des Forstes in der Nähe seines Häuschens lagen . Er sagte lange Zeit nichts zu meinen Besuchen , als er aber gewahrte , daß meine Neigung zu Ludmillen immer heftiger und leidenschaftlicher wurde , da trat er mir eines Tages in den Weg , als ich eben wieder auf seine Wohnung zuritt , und sprach : Du liebst mein Kind , du bist jung und reich , mein Mädchen sieht hier wenig solche Bursche , auch wenn ich sie einmal zur Kirche fahre , sie wird deiner Neigung schwerlich entgegen sein . Wenn du sie heiraten willst , so wird dir dein Vater die Türe weisen , willst du bloß deinen Scherz mit ihr treiben , so trifft dich am hellen Mittage die Kugel meiner Büchse - was willst du in meinem Hause ? Ich hatte Ludmillas Liebe gewonnen , unter der hohen , breitästigen Rüster neben ihrem Hause hatte ich sie zum ersten Male den Tag vor dieser Anrede geküßt , die Sonnenstrahlen waren durch die dunkeln Blätter geschlüpft bis auf unsere Häupter , und wir hatten uns im stillen Walde miteinander verlobt , ich liebte , daß mich das Herz schmerzte vor glücklicher Regung . Deshalb antwortete ich dem Vater , daß ich seine Tochter heiraten würde , mein Vater möge sagen , was er wolle . Als wir zu seiner Wohnung kamen , stürzte uns Ludmilla entgegen , das schöne braune Haar flatterte aufgelöst um ihre Schultern , die roten Wangen waren bleich , die größte Bestürzung sprach aus allen Zügen und Bewegungen . Wir erfuhren , daß der russische Steuerbeamte aus Berdiczow dagewesen sei und sich aufs unanständigste und zudringlichste gegen sie betragen habe . In der nächsten Woche wolle er wiederkommen , und wenn die rückständige Steuer nicht bezahlt würde , so könnt ' s was Neues geben . Ich teilte dem Alten an Barschaft mit ,