in d ' Stuben eini ! Schau ihn an , dein armen Schatz , wie er daliegt , so lieb und schön ! « Die Stubentür war halb geöffnet , und man sah den Tisch mit der Hängelampe darüber , die einen hellen Lichtkreis über die Dielen warf . Auf einem Sessel mitten in der Stube stand eine irdene Schüssel mit rot gefärbtem Wasser , in dem ein blutfleckiger Lappen schwamm . Gebrochen , mit käsigem Gesicht , saß der Zaunerwastl auf der Ofenbank ; als die Meisterin und das Lieserl über die Schwelle geschlichen kamen , zuckte es in seinen Fäusten , und mit irrem Blick streifte er das Sofa , auf dem der Tote lag : in der schmucken Uniform mit den blinkenden Knöpfen , den seitlich geneigten Kopf in die Kissen versunken . Das hübsche , junge Gesicht , das sorgfältig vom Blut gereinigt war , zeigte einen gutmütigen , fast knabenhaften Ausdruck . Vom Arm der Mutter umschlungen , stand Lieserl vor dem Toten , mit aufgerissenen Augen , von einem Schauer gerüttelt , daß ihr die Zähne klapperten . » Schau , Lieserl , da liegt er ! « schluchzte die Zaunerin . » Druck ihm die lieben Äugerln zu ! Der hat ' s verdient um dich . « Meister Zauner wurde unruhig . Von der Mutter geschoben , näherte Lieserl sich dem Sofa . Als ihre Finger die Lider des Toten berührten , wich sie zurück und schlug die Hände vor das Gesicht : » Mutter ! Ich fürcht mich vor ihm ! « Da sprang der Zauner auf , mit geballten Fäusten . » Naus ! « schrie er in seinem Zorn , daß ihm der Schaum vor die Mundwinkel trat . » Naus zu Stuben ! Du ! Solang er glebt hat , hast dich net gforchten ? Gelt ? Da hast scharwenzeln können und ' s Fenster sperrangelweit aufreißen ! Und jetzt tät dir grausen vor ihm ? Naus zur Stuben , du Fratz , du gottvergessener ! Oder ich vergreif mich an dir ! « Lieserl , die Arme über den Kopf schlagend , floh aus der Stube ; zum erstenmal im Leben hatte sie Angst vor ihrem Vater . » O du grundgütiger Heiland ! « kreischte die Zaunerin . » So was von Gemütlosigkeit is mir meiner Lebtag noch net unterkommen ! Lieserl ! Mein arms Lieserl ! « Sie wollte ihrem mißhandelten Kinde folgen . » Du bleibst ! « keuchte der Zauner . » Mit dir hab ich z ' reden ! « Er faßte das Weib am Arm und warf die Tür zu . Lieserl hatte im Flur die brennende Kerze aufgerafft und rannte , wie von einem Gespenst gejagt , über die Treppe hinauf in ihr Stübchen . Zitternd schob sie den Riegel vor , schloß in scheuer Hast das Fenster , das noch immer offen stand , und trug den Leuchter zum Spiegeltisch . Ihr Blick fiel in das Glas , und sie sah die roten Flecken an ihrer Brust und am Ärmel . Von Grauen befallen , riß sie das Leibchen herunter ; eine Hafte verfing sich am Nacken in ihrem Haar , und das verursachte ihr solchen Schreck , daß sie aufschrie und in blinder Angst immer zerrte , bis ihre Zöpfe sich lösten . Unter einem Zähneschauer riß sie die Tür wieder auf , schleuderte das Leibchen in den dunklen Flur hinaus und schlenkerte die Finger wie ein zu Tod erschrockenes Kind , das sich im Spiel mit dem Feuer die Hände verbrannte . In Rock und Schuhen , das Gesicht von Angst und Erschöpfung entstellt , warf sie sich über das Bett ; es war aufgedeckt und frisch überzogen wie vor hohem Feiertag ; nur die Kissen fehlten . Lautloses Schluchzen erschütterte den Körper , während sie den Kopf in das flaumige Oberbett vergraben hielt . So hörte sie keinen Laut , obwohl man aus der Stube herauf den Klang der wechselnden Stimmen vernehmen konnte . Tritte polterten im Flur , und die Haustür knarrte . Über die Fenster des Stübchens zuckte ein unruhiger Schein , als ginge man mit einer Laterne gegen die Straße . Eine halbe Stunde herrschte tiefe Stille da drunten , dann wurde die Haustür geschlossen , und müde Tritte schlurften über die Treppe herauf . Die Zaunerin kam in das Stübchen geschlichen . Ein Bild des Jammers , fiel sie neben dem Bett auf einen Sessel . Nach einer Weile strich sie scheu mit der Hand über Lieserls entblößte Schulter . » Jetzt mußt dich nimmer fürchten ! Er is schon aus ' m Haus . « Das Mädel fuhr auf , stierte die Mutter an und verbarg das Gesicht wieder in den Federn . » Der Vater hat gmeint , es könnt dem gnädigen Herrn lieber sein , wenn d ' Leut sagen : ' s Unglück is auf der Straßen gschehen - lieber , als wenn ' s Geschrei umanand ging : er is am Zaunerlieserl ihrem Fenster ausgrutscht ! Es wär auch besser für dich , wenn die Sach vermankelt wird . Soviel Ehr : daß der junge Herr Graf seine gnädigen Augen zu dir erhoben hat . Aber d ' Leut fassen so was gspassig auf . Da könntst an Treff kriegen fürs Leben ! Und der Vater hat gar net denkt an dich ! Nur allweil an gnädigen Herrn Grafen ! Und drum hat er den armen Kerl abitragen in Seebachgraben und hat ihn hingelegt , als ob er in der Nacht über d ' Straßen naustreten wär und hätt sich derfallen . Und jetzt is er fort , der Vater , und is auffi zum gnädigen Herrn in d ' Jagdhütten . Der wird Augen machen ! « Seufzend blies die Zaunerin den Atem aus , und ihre Zähren begannen wieder zu fließen . Nach einer stummen Weile erhob sie sich und drückte stöhnend die Fäuste in den Rücken . » Jetzt muß ich sauber machen drunt