hingehauchten , gedichteten Linien , tauchte Bild um Bild vor mir auf mit den köstlichen Merkzeichen des Tages , des Ortes und des Sonnenscheins , unter welchem sie entstanden . Schöne Klöster und Kastelle glänzten in diesem Sonnenschein an schönen Bergabhängen , Himmel und Meer ruhten in tiefer Bläue oder in heitrem Silberton , und in diesem badete sich die prächtige , edle Pflanzenwelt mit ihren klassisch einfachen und doch so vollen Formen . Dazwischen sangen und klangen die italischen Namen , wenn Römer die Gegenstände benannte und Bemerkungen über ihre Natur und Lage machte . Manchmal sah ich über die Blätter hinaus im Zimmer umher , wo ich hier eine rote Fischerkappe aus Neapel , dort ein römisches Taschenmesser , eine Korallenschnur oder einen silbernen Haarpfeil erblickte ; dann sah ich meinen neuen Beschützer aufmerksam und von Grund aus wohlwollend an , seine weiße Weste , seine Manschetten , und erst , wenn er das Blatt umwandte , fuhr mein Blick wieder auf dasselbe , um es noch einmal zu überfliegen , ehe das nächste erschien . Als wir mit dieser Mappe zu Ende waren , ließ mich Römer noch flüchtig in einige andere blicken , von denen die eine einen Reichtum farbiger Details , die andere eine Unzahl Bleistiftstudien , eine dritte lauter auf das Meer , Schiffahrt und Fischerei Bezügliches , eine vierte endlich verschiedene Phänomene und Farbenwunder wie die Blaue Grotte , außergewöhnliche Wolkenerscheinungen , Vesuvausbrüche , glühende Lavabäche und 50 weiter enthielten . Dann zeigte er mir noch im andern Zimmer seine gegenwärtige Arbeit , ein größeres Bild auf einer Staffelei , welches den Garten der Villa d ' Este vorstellte . Dunkle Riesenzypressen ragten aus flatternden Reben und Lorbeerbüschen , aus Marmorbrunnen und blumigen Geländern , an welchen eine einzige Figur , Ariost , lehnte , in schwarzem ritterlichen Kleide , den Degen an der Seite . Im Mittelgrunde zogen sich Häuser und Bäume von Tivoli hin , von Duft umhüllt , und darüber hinweg dehnte sich das weite Feld , vom Purpur des Abends übergossen , in welchem am äußersten Horizonte die Peterskuppel auftauchte . » Genug für heute ! « sagte Römer , » kommen Sie öfter zu mir , alle Tage , wenn Sie Lust haben ; bringen Sie mir Ihre Sachen mit , vielleicht kann ich Ihnen dies und jenes zum Kopieren mitgeben , damit Sie eine leichtere und zweckmäßigere Technik erlangen ! « Mit der dankbarsten Verehrung verabschiedete ich mich und sprang mehr , als ich ging , nach Hause . Dort erzählte ich meiner Mutter das glückliche Abenteuer mit den beredtesten Worten und verfehlte nicht , den fremden Herrn und Künstler mit allem Glanz auszustatten , dessen ich habhaft war ; ich freute mich , ihr endlich ein Beispiel rühmlichen Gelingens als einen Trost für meine eigene Zukunft vorführen zu können , besonders da ja Römer ebenfalls aus Herrn Habersaats kümmerlicher Pflanzschule hervorgegangen war . Allein die siebzehn in der weiten Ferne zugebrachten Jahre , welche zu diesem Gelingen gebraucht worden , leuchteten meiner Mutter nicht sonderlich ein ; auch hielt sie dafür , daß es noch gar nicht ausgemacht wäre , ob der Fremde sich wirklich wohl befinde , indem er als solcher so einsam und unbekannt in seiner Heimat angekommen sei Ich hatte aber ein anderweitiges geheimes Zeichen von der Richtigkeit meiner Hoffnungen , nämlich das plötzliche Erscheinen Römers , unmittelbar nachdem ich gebetet hatte , da ich ungeachtet meines unkirchlichen Rebellentums noch immer ein richtiger Mystosoph war , sobald es sich um mein persönliches Wohl oder Weh handelte . Hievon sagte ich aber nichts zu meiner Mutter ; denn erstens war zwischen uns nicht herkömmlich , daß man viel von solchen Dingen sprach ; und dann baute die Mutter wohl fest auf die Hilfe Gottes , aber es würde ihr nicht gefallen haben , wenn ich mich eines so merkwürdigen und theatralischen Falles gerühmt hätte . Sie war froh , wenn Gott das Brot nicht ausgehen ließ und für schwere Leiden , für Fälle auf Leben und Tod seine Hilfe in Bereitschaft hielt , und sie hätte mich wahrscheinlich ziemlich ironisch zurechtgewiesen ; desto mehr beschäftigte ich mich den Abend hindurch mit dem Vorfalle und muß gestehen , daß ich dabei doch eine zweifelhafte Empfindung hatte . Ich konnte die Vorstellung eines langen Drahtes nicht unterdrücken , an welchem der fremde Mann auf mein Gebet herbeigezogen sei , während , gegenüber diesem lächerlichen Bilde , mir ein Zufall noch weniger munden wollte , da ich mir sein Ausbleiben nun gar nicht mehr denken mochte . Seither habe ich mich gewöhnt , dergleichen Glücksfälle , so wie ihr Gegenteil , wenn ich nämlich ein unangenehmes Ereignis als die Strafe für einen unmittelbar vorhergegangenen , bewußten Fehler anzusehen mich immer wieder getrieben fühle , als vollendete Tatsachen einzutragen und Gott dafür dankbar zu sein , ohne mir des genauern einzubilden , es sei unmittelbar und insbesondere für mich geschehen . Doch kann ich mich bei jeder Gelegenheit , wo ich mir nicht zu helfen weiß , nicht enthalten , von neuem durch Gebet solche Lösungen anzustreben und für die Zurechtweisungen des Schicksals einen Grund in meinen Fehlern zu suchen und Besserung zu geloben . Ich wartete ungeduldig einen Tag und ging dann am darauffolgenden mit einer ganzen Last meiner bisherigen Arbeiten zu Römer . Er empfing mich freundlich zuvorkommend und besah die Sachen mit aufmerksamer Teilnahme . Dabei gab er mir fortwährend guten Rat , und als wir zu Ende waren , sagte er , ich müßte vor allem die ungeschickte alte Manier , das Material zu behandeln , aufgeben , denn damit ließe sich gar nichts mehr ausrichten . Nach der Natur sollte ich fleißig vorderhand mit einem weichen Blei zeichnen und für das Haus anfangen , seine Weise einzuüben , wobei er mir gerne behilflich sein wolle . Auch suchte er mir aus seinen Mappen einige einfache Studien in Bleistift sowie in Farben , welche ich zur Probe kopieren sollte , und als ich hierauf