nach Australien bringen sollte . Es befand sich darunter auch die Familie eines wohlhabenden Kaufmanns , der nach Sidney übersiedeln wollte , bei dem aber unterwegs eine schwere Lungenkrankheit zum Ausbruch kam . - Wir hatten eine ausgezeichnete Fahrt und befanden uns bereits im Indischen Ozean . Noch heute weiß ich nicht , wie es dazu kam , aber plötzlich in der Nacht ertönte aus dem Zwischendeck der Ruf : Feuer ! - Feuer ! Du kannst dir die Verwirrung denken , Bob , beschreiben läßt sich das gar nicht . Die Frauen kreischten oder wurden mitten auf Deck ohnmächtig , so daß man die armen , hilf losen Geschöpfe wie kleine Kinder forttragen mußte , die Männer kamen fassungslos die Treppe heraufgestürzt und jammerten , die Kinder schluchzten , weil sie alle Erwachsenen in Tränen und Aufregung sahen , und die Mannschaft arbeitete mit der Hast der Todesangst an den Booten , um sie aufs Wasser hinabzulassen und mit den nötigen Lebensmitteln zu versehen . Wir hatten in Anbetracht der vielen Menschen eine große Gig und noch drei weitere Boote zur Verfügung , aber was machte das aus , da mehr als achtzig Personen innerhalb kürzester Zeit darin Platz finden , oder mit dem brennenden Schiff untergehen mußten ? Und diese Erkenntnis verbreitete sich an Bord mit unheimlicher Schnelligkeit . In Todesangst drängte sich jeder an die Schanzkleidung , um in das nächste Boot hinabzuspringen . Solche Stunden bringen ja auch den Besonnensten außer Fassung und lassen alle menschlichen Überlegungen zurücktreten . Da kennt keiner mehr seinen Freund oder Bruder , da stößt er jeden mitleidslos zurück , um selbst der erste zu sein . Aber unser Kapitän war ein richtiger Mann , ein Kerl , der den Kopf auch im wildesten Sturm oben behielt , und dessen eiserner Wille sich immer durchsetzte . Er trat mit dem geladenen Revolver unter die erregte Menge . Ruhig , Leute , rief er gebieterisch aus , noch bin ich Kapitän auf diesem Schiff und verlange Gehorsam . Obersteuermann , nehmen Sie einen der drei Schiffsjungen , vier Matrosen und sechs von den Passagieren in die Gig . Hier , diesen Herrn mit den beiden Damen und drei Kindern . Gott befohlen , Roland , - kommen Sie glücklich an die nächste Insel . Er drückte die Hand des Offiziers , der ihm einige leise Worte zuflüsterte , worauf unser braver Kapitän mit einem Kopfschütteln antwortete . Dann wurden vier Mann ausgewählt - darunter ich , der heulende Junge mit Rippenstößen ermuntert und die Passagiere in das Boot hinunter befördert . Ach , Bob , das war ein schrecklicher Auftritt . Der Kapitän hatte sich in der Eile verzählt und nur drei Kinder gerechnet , es klammerten sich aber vier laut jammernd an die Kleider der Mutter , die natürlich kein einziges Kind zurücklassen wollte . Da half nichts , der Kapitän mußte nachgeben , obgleich schon die Anzahl von zwölf Personen für unsere Gig viel zu groß war . Wir stießen so schnell wie möglich von dem brennenden Schiff ab , während der Kapitän mit gespanntem Revolver die nachdrängenden Menschen abwehrte . Ohne seine kaltblütige Entschlossenheit hätten sich zwanzig auf einmal in das kleine Fahrzeug gestürzt und es rettungslos untergehen lassen . So sahen wir denn aus einiger Entfernung zu dem unglücklichen , brennenden Schiff hinüber und konnten beobachten , wie der Kapitän auch die drei kleineren Boote bemannte . In jedes kamen ein Steuerkundiger , ein Matrose , ein Junge und fünf Passagiere , immer Frauen und Kinder zuerst . Als das letzte Boot im Begriff war abzustoßen , wurde der mutige Mann , der an sich selbst keinen Augenblick gedacht hatte , von der Überzahl der Verzweifelten zurückgeworfen , und mindestens zehn Männer sprangen über die Schanzkleidung in das Boot . Natürlich entstand ein furchtbares Durcheinander , ein Rufen und Drohen , zuletzt ein vielstimmiger Schrei des Entsetzens , und dann sank das Fahrzeug vor unseren Augen pfeilschnell in die Tiefe . Bald darauf kam es kieloben wieder an die Oberfläche . Einzelne der Ertrinkenden tauchten noch ein paarmal aus dem Wasser auf und griffen mit den Armen hilflos um sich , - dann wurde es still um das Schiff , nur einige Matrosen schwammen zu dem gekenterten Boot , richteten es auf und nahmen die Plätze ihrer verunglückten , dem blinden Wahnsinn der Passagiere geopferten Kameraden ein . Der Wind wurde immer stärker , er blies mit kurzen Stößen in die schon zum Teil brennenden Segel und trieb das steuerlose Schiff vor sich her , während die rote , höllische Glut alles in ihren weiten Feuermantel hüllte . Der Kapitän stand mit verschränkten Armen am Heck und grüßte noch einmal zu uns herüber , dann entzog sich das Schiff unseren Blicken . Wir sahen noch die brennenden Masten stürzen , einen Augenblick lang verbreitete sich Tageshelle , und dann erlosch plötzlich alles . Die See war über ihre Beute dahingegangen . Wir durften uns dem Mitgefühl für die unglücklichen Kameraden nicht lange ungestört hingeben , denn unsere eigene Lage war bedenklich genug . Die Gig war etwa sieben Meter lang und anderthalb Meter breit , stellt man sich also darin dreizehn Menschen vor , darunter Frauen und Kinder , dann wird einem der Ernst der Lage vollständig klar . Überdies waren auch die Matrosen von Anfang an mutlos , weil sie die Unglückszahl Dreizehn fürchteten . Dreizehn Personen ! Wie konnte das gut gehen ? Ärgerliche Blicke verfolgten das kleinste Kind der Frau . Ein Murren durchlief den Kreis der Seeleute . Eins ist an Bord zuviel ! sagten sie ziemlich ohne Scheu . Roland , unser Steuermann , ließ aber nichts dergleichen aufkommen , er stellte sofort einen Mann an das Ruder , einen anderen an den Ausguck und ließ den Jungen Wasser schaufeln , so daß die beginnende Meuterei im Keim erstickt wurde . Aber die arme Mutter hatte doch verstanden , daß man ihr Kind verwünschte , und schluchzte krampf haft . Sie hielt jetzt