, möchten Sie in der That auf Rechte pochen , die Sie einer augenblicklichen Verirrung , nicht aber der Liebe danken ? « Mit welch beißendem Hohne warfen die schmerzhaft zuckenden Lippen diese Worte hin ! ... Charlotte war sprachlos vor Bestürzung in sich zusammengesunken ; die Beleidigung aber traf sie wie ein Schlag in das Gesicht und gab ihr die Fassung zurück . » Er habe nie geliebt ? « fragte sie . » Wissen Hoheit nicht , weshalb er freiwillig in den Tod gegangen ist ? « » Aus plötzlicher Schwermut - er war krank - fragen Sie alle , die ihn gekannt haben , « murmelte sie und legte die Hand über die Augen . » Ja , er war krank , er war wahnsinnig vor Verzweiflung über den Tod - « » Ueber wessen Tod ! Ha , ha , ha ! « Charlotte sank abermals auf den Boden und umfaßte mit hervorstürzenden Thränen namenloser Angst die Kniee der Prinzessin . » Hoheit , ich beschwöre Sie , hören Sie mich nur einen Augenblick ruhiger an ! « flehte sie . » Ich bin bereits zu weit gegangen , um zurückweichen zu können . Ich muß die Wahrheit sagen , schon um meines Bruders willen , denn ich darf nicht dulden , daß Sie in dem Glauben beharren , wir seien illegitime Kinder ... Lothar von Claudius war verheiratet - in geheimer , aber von der Kirche eingesegneter , rechtmäßiger Ehe hat er in der Karolinenlust gelebt - da sind wir geboren . « » Und wer war die Glückliche , die er so heiß geliebt hat , daß er um ihretwillen gestorben ist ? « fragte die Prinzessin mit unheimlicher Ruhe - wie eine Statue von Marmor stand sie da , und die Worte zischten klanglos von ihren Lippen . » Ich finde nicht den Mut , ihren Namen auszusprechen , « stammelte Charlotte wie erschöpft . » Hoheit haben meine Mitteilungen zu ungnädig aufgenommen - ich darf nicht weitergehen ! ... Der Mann da drüben , « sie deutete über die Schulter zurück nach ihrem Zimmer , » darf vorläufig nicht erfahren , daß ich um das Geheimnis weiß - haben wir doch ohnehin schon unsern Anker verloren , da Hoheit sich von uns verfolgten und verlassenen Geschwistern abwenden ... Ich habe vorhin bei jedem heftigen Wort , bei jedem Laut angstvoll gezittert und gefürchtet , daß sie dort hinüber dringen würden ... Ich weiß es , Sie werden den Namen nicht mit Ruhe anhören - « » Wer sagt ihnen denn das , Fräulein Claudius ? « unterbrach sie die Prinzessin , sich hoch aufrichtend - die letzten Worte Charlottens hatten genügt , den ganzen Fürstenstolz in ihr wach zu rufen . - » Sie sind auf völlig falschem Wege , wenn Sie meiner augenblicklichen Hast einen andern Grund , als den einer allerdings maßlosen Ueberraschung zuschreiben ... Was geht es mich schließlich an , wer die Frau gewesen ist ? ... Ich würde es Ihnen erlassen , den Namen zu nennen , wenn ich nicht gerade beweisen möchte , daß ich ihn sehr ruhig anhören kann ; und somit befehle ich Ihnen , Ihre Bekenntnisse mit dem Namen zu schließen ! « » Nun denn , ich gehorche , Hoheit ! ... Die Frau war die Prinzessin Sidonie von K. « - Sie hatte sich vermessen , die stolze Fürstin ! Sie hatte gewähnt , sie könne das verächtliche Lächeln auf den Lippen festhalten , das Blut gebieterisch in die Wangen beschwören , wie auch der Name lauten mochte - und jetzt fiel er wie ein Blitzstrahl auf ihr Haupt , und sie sank mit versagenden Blicken an die Wand zurück und stöhnte auf , als sei ihr ein Messer durch die Brust gestoßen worden . » Das ist wohl der grausamste Betrug , der je an einem Frauenherzen verübt worden ist ! « hauchte sie . » Pfui , pfui , wie schwarz und falsch ! « Charlotte wollte sie stützen . » Fort ! Was wollen Sie ? « zürnte sie und stieß die Hände des jungen Mädchens zurück . » Ein Dämon muß Ihnen den teuflischen Gedanken eingegeben haben , mich , gerade mich zu Ihrer Vertrauten zu machen ! ... Gehen Sie ! Ich gebe Ihnen Ihr Geheimnis wieder in die Hände - ich will nichts gehört haben , nichts ! Denn ich kann und werde mich nie damit befassen , Ihnen zu Ihren sogenannten Rechten zu verhelfen ! « Sie richtete sich empor , war aber genötigt , sich sofort wieder am Tisch festzuhalten . » Haben Sie die Güte , mein Gefolge herbeizurufen - mir ist sehr übel ! « gebot sie mit erlöschender Stimme . » Verzeihung , Hoheit ! « rief Charlotte außer sich . Die Prinzessin zeigte wortlos und gebieterisch nach der Thür , während sie in den nächsten Fauteuil sank . Charlotte flog über die Schwelle , und sofort füllte sich der Salon mit bestürzt herzueilenden Gestalten . Auch die Musik riß mit einem schrillen Akkord ab - Herr Claudius kam herüber . » Ein altes Leiden hat mich plötzlich überrascht , « sagte die Prinzessin matt lächelnd zu ihm . » Ich habe Herzkrampf . Wollen Sie mir Ihren Wagen leihen ? Ich kann unmöglich warten , bis der meine kommt . « Er eilte hinaus , und nach wenigen Minuten führte er die hohe Leidende die Treppe hinab . Sie stützte sich fest auf ihn ; die Art und Weise aber , mit welcher sie sich von ihm verabschiedete , bewies , daß Charlottens Mitteilungen auch nicht den allermindesten Einfluß auf ihre Hochachtung für ihn ausgeübt hatten . 30 Ich benutzte die allgemeine Bestürzung und Verwirrung , hüllte mich unbemerkt in Mantel und Kapuze und verließ das Vorderhaus . Noch zitterten mir die Kniee , und das Blut jagte mir fieberisch durch die Adern - die Szene war entsetzlich gewesen ! ... Die grenzenlose Unbesonnenheit , mit welcher ich mich