, sie zu halten und zu stützen . Sie weinte laut und bitterlich , als ob sie beide allein miteinander in einer Wüste gewesen wären . Es war für beide die Zeit vergangen , wo sie auf die Gefühle der Leute um sie her Rücksicht nahmen , den Anstand bewahrten und Furcht hatten , sich lächerlich zu machen . Sie waren ja allein in einer Wüste allein in der Wüste des Lebens , der Lebendigkeit . Sie fühlten wohl den Boden , den Fels , auf welchem sie standen , unter sich wanken , sie wußten , daß die Wogen um sie her wuchsen , daß das Leben , die Lebendigkeit immer recht behält , sie wußten , daß sie verloren waren , und sie waren doch glücklich und sicher - gerade darum waren sie glücklich und sicher . Mit zärtlicher , liebkosender Hand streichelte der Ritter von Glaubigern unter den Blicken des Edlen von Haußenbleib , des Grafen Basil , der schönen Damen und des Junkers Hennig von Lauen der Tonie Häußler die Wangen : » Mein Kind ! ... Mein liebes , liebes Kind ! Da bin ich ; ich bleibe bei dir . Sei still , mein Kind . « » Ich kann nichts sagen ! Mein Vater , mein Vater ! Und ich habe gedacht , daß niemand mir helfen würde ! Mein Freund mein Vater , wie bin ich nun in Sicherheit ! Hab Dank - Dank- « Sie schloß die Augen und glitt mit einem schweren schmerzlichen Seufzer langsam an der Brust des Greises herab . Der Ritter von Glaubigern sah mit einem wilden , zornigen Blick umher ; er schwankte unter der Last , und Tonie würde ihn mit sich zu Boden gezogen haben , wenn jetzt nicht Hennig und die Kammerjungfer beide aufgefaßt hätten . » Pardon « , sagte der Graf , » das gnädige Fräulein « - aber er vollendete nicht ; der Chevalier winkte ihm zu schweigen , und er schwieg wirklich . Für die übrigen Herren und Damen wurde die Szene allmählich ein wenig peinlich trotz dem Interesse , welches sie so überreichlich darbot . Es wurde leer in dem Salon des Edlen von Haußenbleib , und selbst Zoe von Wanesch und Emanuele Werdenberg nahmen endlich mit Tränen in den Augen und wiederholten heftigen Küssen von der wehrlosen , halb bewußtlosen jungen Freundin Abschied und entrauschten , um mit lebhaftesten Farben und glühender Phantasie das Erlebte weiterzutragen im Kreise der Bekannten und Freunde des Hauses und überall eine lächelnde Verwunderung zu erregen . Die Nächstbeteiligten fanden sich allein , und mit einem Ton und Ausdruck , den wir bis jetzt noch nie von ihm vernahmen , sprach der Ritter von Glaubigern , die Hand seines Pflegekindes fest in der seinigen und ihr Haupt auf den Kissen des Diwans im Arm haltend : » Meine Herren , ich habe vielleicht in irgendeiner Weise die Formen des heutigen Tages verfehlt , und ich bitte , das zu entschuldigen . Ich bin sehr alt , um ein bedeutendes älter als der Herr von Häußler , und der Herr von Häußler weiß , aus welchem abgeschlossenen Dasein ich hierherkomme , und wird dem Herrn Grafen gewiß später das Notwendige darüber mitteilen . Ich bitte , Geduld mit mir zu haben ; denn ich komme , vieles zu fordern - ein ungeschriebenes Recht , mein Recht an dieses Kind - diese junge Dame . « Der Graf Basilides verbeugte sich stumm vor dem alten Herrn . Er stand da wie Buffon mit dem Knochen eines vorsintflutlichen Tieres vor sich , und nicht ohne einen geheimen Reiz baute auch er aus der Erscheinung , den ersten Worten und Gesten des Chevaliers eine untergegangene Welt auf . Der Edle aber ergoß sich wiederum in einen Schwall von Worten und konnte doch nicht Worte genug für seine Gefühle finden . Mit der Hand auf dem Herzen versicherte er immer von neuem , daß er sich unendlich geehrt durch diesen Besuch des Herrn von Glaubigern und durch dessen Teilnahme an dem Wohle seiner Familie tief gerührt fühle . Er habe es nie vergessen und werde es nie vergessen , was das berühmte , edle , alte Haus unter den Harzbergen für ihn - den Edlen von Haußenbleib - und seine Enkelin getan habe . Daß das Haus derer von Haußenbleib dem Herrn Leutnant zur unbeschränkten Verfügung stehe , sei so selbstverständlich , daß er hoffentlich darüber kein Wort zu verlieren brauche . Der Ritter von Glaubigern neigte das Haupt und verwendete diese Verbeugung zu gleicher Zeit mit zu einem kurzen Gruße für Hennig , den er bis jetzt von allen Anwesenden am wenigsten beachtet hatte . Dann sagte er ruhig : » Ich danke Ihnen , mein Herr von Häußler . Ich werde Ihre Freundlichkeit nicht mißbrauchen . Ich werde niemand ein wirkliches Recht streitig machen : aber auch das meinige wünsche ich mir zu erhalten und bitte deshalb , mein Erscheinen allhier so ernsthaft als möglich zu nehmen . Herr Graf , ich bitte Sie , sich der Vorteile der Jugend nicht überall in unserm Verkehr miteinander zu erinnern . « » Mein Herr « , sagte der Graf sehr ernsthaft , » ich fühle mich so alt wie Sie , und ich vertrete eine Welt , die nicht jünger ist als die Ihrige . Ich bin mir keines Vorteils gegen Sie bewußt . « Zitternd faßte die Hand des Mädchens den Arm des Greises fester ; aber der Chevalier legte der Tonie seine Hand auf die Stirn und sprach : » Der Herr Graf hat recht , Tonie , und wir werden freundlich miteinander verkehren und friedlich miteinander auskommen . Liege still , mein Kind ! Du liegst wie auf dem Strohlager der Hanne Allmann im Siechenhause zu Krodebeck ; - der Schnee fällt draußen - liege still , wir wachen . « » Herr von Glaubigern , Herr von Glaubigern , ich bitte Sie ! « rief der Edle von Haußenbleib trotz aller seiner