war mit dem Gehörten vollkommen einverstanden . Mit bebender Stimme lud sie den Mann zum Essen ein , dem so großes Unrecht angetan war , daß der Himmel seinen bösen Wunsch erhörte . Wohl sah sie jetzt in ihm den Mörder des geliebten Vaters ; aber sie fand auch den besten Trost darin , ihm Gutes zu tun und seinen Dank zu verdienen , den sie wie den Segen der Versöhnung empfand . Wäre das Mathisle nicht auch in der Folge noch zu sehr von seinem Gewissen beunruhigt worden , um sich an Zusels reichlichen Geschenken recht zu freuen , die es von diesem Tag erhielt , so würde dieses jetzt die beste Zeit seines Lebens gehabt haben . Sein Lieblingswunsch war erfüllt . Es konnte von fremdem Überflusse leben , aber keinen Augenblick war ihm dabei recht wohl . Jeden Tag kam es ins Haus des Krämers , nachdem es der Messe beigewohnt hatte , und blieb oft bis gegen Abend sitzen . Wenn auch es und Zusel nichts Gemeinsames zu haben schienen als ihr unruhiges Gewissen und das , daß sie den Tod des Krämers nicht mehr vergessen konnten , wenn sie sich auch eher fürchteten als liebten , war es ihnen doch Bedürfnis geworden , einander stets Liebes und Gutes zu erweisen , um sich gegenseitig zu überzeugen , daß das Vergangene allerdings nicht vergessen , aber doch vergeben sei . So kam man sich immer näher . Das Mathisle wurde sozusagen Zusels Vertrauter . Sie teilte ihm bald auch ihre häuslichen Sorgen mit ; hauptsächlich , daß Angelika das vom Vater hinterlassene Durcheinander mit allem Fleiß nicht zu entwirren vermöge . Das Mathisle begann seinen Hansjörg und auch den Jos zu empfehlen , die als frühere Gehilfen sicher in manchem Bescheid wüßten . Klüger und fleißiger nun wäre Jos , das wisse jetzt die ganze Gemeinde und auch der Vorsteher , aber eben darum sei dem schon so viel übergeben , daß er , wie gern er auch überall aushelfe , doch nicht so leicht Zeit haben werde als Hansjörg , der wenig anzufangen wisse , seit er an jenem Abend mit Jos das Schwärzen abgeschworen habe . Es kam auch wirklich bald dazu , daß Hansjörg von den beiden Schwestern als Geschäftsführer angestellt und bevollmächtiget wurde . Zusel hatte schon Mathisles erste Andeutung für einen Wink des Himmels gehalten , wie sie dem vielleicht durch ihre Schuld herabgekommenen guten Burschen wieder helfen und Gelegenheit geben könne , seine Fähigkeiten zu zeigen und sich schnell wieder zu Ehr ' und Ansehen zu bringen . Hansjörg sollte , mußte glücklich werden , darum war es ihr mehr zu tun als um das Ordnen von Geschäften , um die sie sich nie viel gekümmert hatte . Angelika hätte sich anfangs , wo das beständige Zählen und Rechnen gar nicht zu ihrer Gemütsstimmung passen wollte , weit lieber helfen lassen als jetzt , wo sie besonders im Verkehr mit allerlei Menschen das beste Mittel gegen die Schwermut fand , welche sie in müßiger Einsamkeit behalten wollte . Im Geschäfte gab sich ' s von selbst , daß sie den Spuren folgen mußte , welche der Vater hinterließ . Je mehr sie sich nun in sein Walten auf ihre Weise hineinlebte , desto mehr mußte sie den strebsamen Mann und seine Vielseitigkeit bewundern . Sie mochte sich wohl täuschen , wenn sie zuweilen glaubte , daß sie nirgends besser als in so einen Laden passen würde , denn sonst hatte sie eben die Freude noch nie empfunden , die wohl jede dauernde Beschäftigung auch dem Kummerbelasteten zu gewähren vermag ; das aber war gewiß richtig , daß auch ohne Hansjörgs Beistand sie alles gehörig im Gang erhalten hätte . Trotzdem stimmte sie der Schwester freudig bei , sobald diese den ehemaligen Ladenschneider ins Haus nehmen wollte . Ja sie betrieb das nun selbst mit einem Eifer , der beinahe die Sorge verriet , es könnte der jetzt gänzlich unberechenbaren Zusel schon über Nacht wieder anders werden . Angelika dachte dabei an die frühere Neigung , die in beiden immer noch nicht ganz erloschen schien . Vielleicht ... Auf Hansen rechnete Zusel nicht mehr . Der hatte seit jenem Unglücksabend ihr Haus nicht mehr betreten . Aus einem beständigen Zusammenleben konnte doch noch etwas Gesundes für die Gemütskranke erwachsen . Ja , so mußte Zusel wieder geheilt werden ... ! Früher würde das Mathisle seine größte Freude gehabt haben , Hansjörgen schon wie den Herrn des Hauses walten zu sehen ; jetzt aber war sogar das nicht mehr imstande , die trübe Stimmung zu vertreiben , die seiner sich nun immer mehr bemächtigte . Wenn man mit ihm von Hansjörgs schönen Aussichten redete , so wehrte es sich gewaltig und sagte , daß es nicht seinen Sohn auf den Platz des Krämers habe fluchen wollen , wenn es sich schon erfrecht habe , vom Himmel das Verderben dieses Mannes zu fordern . Aus Fluch könne weder ihm noch den Seinen wahrer Segen werden . Es war vergebens , gegen diese Vorstellung anzukämpfen . Sie blieb in dem Unglücklichen , raubte ihm den Schlaf , verdarb ihm jeden Genuß und warf ihn endlich aufs Krankenbett , von dem er nicht mehr aufstehen sollte . Erst der Kaplan konnte dem Leidenden bei seiner letzten Beichte die Überzeugung beibringen , daß nicht sein Fluch , sondern die verfluchten Handlungen an allem Unglück schuld seien und daß der barmherzige Gott nicht so strenge gestraft hätte , wenn nicht auch in dieser Strafe wieder nur lauter Segen wäre . Unmöglich aber war es dem Kaplan , auch die Zusel von ihrer Schwermut zu heilen . Er bemühte sich um so mehr , weil ihre Beichte ihn überzeugte , daß der von seinen Betschwestern gewonnene Einfluß auch auf sie sehr nachteilig gewirkt und deren gemeines Auftreten sie um das volle Vertrauen zu allen gebracht habe , welche mit heiligen Worten auf andere zu wirken suchten . Aber was der verlegene Kaplan auch sagen mochte , sie behauptete