sah , daß der Florentin , trotz seiner glatten Reden , viel zu hochnasig war , um nicht lieber mit einer amerikanischen Prinzessin , als mit einem deutschen Bauernmädel zu charmieren : so kümmerte ich mich nicht weiter darum und arbeitete für die deutsche Freiheit , die mich und Rosel zu hohen Ehren bringen sollte . Statt dessen ging das Ding schief . Die Fürsten brauchten ihr Recht , wie ich jetzt sage ; damals sagte ich : Gewalt ! und ließen tüchtig auf die Revolutionäre schießen , was sie von Anfang an häten tun müssen , um die Rädelsführer zu ducken und die Betörten zu belehren , daß man sich beim Barrikadenbau ganz umsonst die Fäuste blutig arbeite . Bei dem Maiaufstand in Dresden im Jahre 1849 war ich noch ; denn ich zog umher , bald hier und bald da , und ließ mein Weib auf unserem Hofe wirtschaften , und ließ mir jeden Kreuzer schicken , den sie , Gott weiß wie sauer ! erarbeitete . Aber in Dresden bekam ich ' s satt . Da hieß es freilich , nun müßten alle tüchtigen Männer nach Holstein ziehen und den Dänenkönig aufs Haupt schlagen . Aber ich ging nicht mit ; sondern heim , verkaufte in der Stille meinen Bauernhof und erklärte dann meiner Frau , wir wären jetzt Auswanderer , die sich in Amerika ein Stück Paradies aussuchen würden . Ihr Jammergeschrei klingt mir noch in den Ohren ! - Der Hof war verschuldet , daß von der Verkaufsumme nicht einmal unser Reisegeld übrig blieb . Der Herr Graf und Sie , hochwürdiger Herr , mußten eine Beisteuer geben , die ich durch mein armes Weib erbitten ließ , wobei Sie noch sagten : es tue Ihnen recht leid wegen der guten Frau . Endlich mußte auch noch die Bärbel mit ihrem Sparpfennig herausrücken , damit wir nur fortkämen . Das war eine erbärmliche Reise , ein Stück vom Fegfeuer , hochwürdiger Herr ! mein jüngstes Kind starb auf der Überfahrt ; ein herziges Kind , die Theres , sechs Jahre alt , der Mutter Augentrost . Es konnte die Stürme und die Seekrankheit und das Elend der Zwischendeckspassagiere nicht aushalten ; es bekam ein Fieber , das immer stärker und stärker wurde und am neunten Tage war es tot . Unter den Passagieren der ersten Kajüte befand sich der Florentin , der inzwischen in Italien Revolution gemacht hatte - aber auch nicht auf die Dauer . Er war ja ein studierter Arzt und er besuchte auch die kleine Theres ; allein er sagte , gegen einen so heftigen Typhus sei nichts zu machen . Das Kind war kaum verschieden und noch nicht kalt , da schrie das ganze Schiff , man müsse es gleich über Bord werfen , damit es aus dem Wege komme und nicht Ansteckung verbreite . Sie hätten es schon gerne bei lebendigem Leibe über Bord geworfen , glaub ' ich ! Meine Frau wollte schier verzweifeln . Ach , erbarmt euch , ihr Leute , erbarmt euch ! schrie sie , und schafft mir einen Priester , daß er den letzten Segen über mein Kind spreche . Es war aber kein Priester auf dem Schiff , und die Leute , die umherstanden und hörten , wie sie nach einem Priester jammerte , brummten in den Bart oder grinsten höhnisch und einer sagte , man müsse nicht so viel Umstände machen mit dem Stückchen Fischfraß . Als nun meine Frau fortwimmerte : erbarmt euch meiner , ihr Leute ! es ist ja ein christliches Kind ! ein im heiligen Blut Jesu getauftes , unschuldiges Kind ! das kann man ja nicht dahinwerfen ohne priesterlichen Segen ! da trat die Rose auf sie zu , schüttelte sie am Arm und sagte ganz rot und verlegen : Mutter , schreit doch nicht so ! die Leute sehen Euch an und wundern sich , was ihr mit dem Priester wollt ! man muß sich ja schämen für Euch ! - Starr blickte die arme Frau die Rose an und sagte kein Wort mehr ; aber sie schluchzte , als ob ihr das Herz brechen wollte . Und nun nahm sie das Beste , was sie ihrem Kinde zu geben hatte , ihren Rosenkranz nahm sie vor , der am heiligen Blut zu Waldürn geweiht war , den sie manches Jahr in der Tasche bei sich getragen und hundert- und tausendmal gebetet hatte . Den zog sie hervor und küßte ihn andächtig , und küßte einzeln den lieben Herrgott und die Muttergottesmedaille , die daran hingen . Dann schug sie ihn um den Hals des Kindes und steckte das Kreuzchen mitten auf der Brust des Kindes mit einer Nadel ganz fest am Hemdchen an . Dann schlug sie die kleine Leiche von Kopf bis zu Fuß in eine ihrer Schürzen sauber und sorgsam ein und trug sie vorsichtig auf ihren Armen zu den Matrosen , welche sie in ein altes Stück Segeltuch wickelten , mit Stricken auf ein schmales Brett festschnürten , an dessen Fußende eine eiserne Kugel hing . Das sah sie alles mit an , die arme Mutter , und die drei Buben und ich sahen es auch mit an ; und darauf sagte sie : Nun kommt , ihr Kinder ! nun wollen wir fünf Vaterunser und fünf Gegrüßt seist du , Maria für unsere liebe kleine Theres beten , damit sie bald zur seligen Anschauung Gottes gelange ; kniete nieder mit ihren Buben und betete laut . Und ich betete mit , hochwürdiger Herr , aber leider nur ganz leise . Und ich kniete auch nicht ; mir waren die Knie steif von Trotz gegen Gott und von Menschenfurcht . Die Rose aber war gar nicht mitgegangen , hatte sich in ein Eckchen gedrückt und weinte da still vor sich ; denn nicht aus Bosheit hatte sie so hart zur Mutter geredet , sondern aus Menschenfurcht , besonders wegen dem Florentin ; und Sie sehen , hochwürdiger Herr , daß sie von