ihn ja schonen , weil ein Geheimniß und mit ihm vielleicht er selbst und seine Ehre , vielleicht das Leben seines Vaters in den Händen des Juden war ; er mußte vermeiden ihn zu beleidigen , ihm seine Verachtung zu zeigen - er antwortete nur stolz : » Ein christlicher Baubruder bedarf nie eines Dankes dafür , daß er seine Pflicht thut - er nimmt ihn nicht an , selbst wo er ein Opfer gebracht hätte . Aber hier kann von gar keinem Dank die Rede sein - das ist die einzige Antwort , die ich für Frau von Scheurl haben kann . « » Die wird ihr sehr wenig gefallen , « sagte Ezechiel ; » eine schöne Frau , die einen jungen Mann auffordert zu kommen im Dunkeln in ihr Haus , die ist nicht zufrieden mit solcher Antwort . « » Kein Wort weiter ! « fuhr Ulrich auf , » und seid froh , wenn Ihr weiter keines von mir hört ! « » O ich merke wohl , « begann Ezechiel dessen ohngeachtet von Neuem , » ich merke wohl , daß Ihr nicht trauet dem armen Juden , und für diesen Fall hat mir die Frau Scheurl in der Eile auch ein Blatt gerissen aus einem schönen Buche und mir mitgegeben , darauf geschrieben steht ihr eigener Name von ihrer eigenen zierlichen Handschrift . « Ulrich griff nach dem Blatte : es war ein Titelblatt aus der Beschreibung Nürnbergs von Konrad Celtes ; unten am Rande stand mit blauen Buchstaben : » Elisabeth Behaim . « Ulrich schwankte einen Augenblick , ob er das Blatt zurückgeben sollte oder behalten . - » Darauf sollet Ihr schreiben die Antwort , wenn Ihr sie nicht wollt geben mündlich , « sagte der Jude . » Das Blatt muß ich wieder bringen . « » So bring es ihr , wie es ist , « sagte Ulrich nach einigem Besinnen : » das ist auch eine Antwort . « Vergeblich war alles weitere Reden des Israeliten . Ulrich mußte mit aller Gewalt an sich arbeiten , daß er ihn noch glimpflich statt schimpflich behandelte . Endlich mußte er doch unverrichteter Sache gehen . Das Titelblatt des Buches nahm er wieder mit . Ulrich glaubte nicht , daß Elisabeth den Juden zu ihm gesendet - und doch konnte er auch wieder nicht begreifen , zu welchem Ende derselbe irgend ein freches Spiel mit ihm treiben sollte ; er hatte ihm ja nur Gutes erwiesen , und Ezechiel selbst hatte sich in Lobreden und Dankesworten für ihn erschöpft . Aber um ein Geschäft zu machen , meinte Ulrich , sei solch ' einer Judenseele Alles möglich . War er nicht mit Streitberg in Verbindung , da er dessen Ring besaß ? - oder wieder , da er ihn an Elisabeth ausgeliefert , hatte er nicht diesem damit einen schlechten Dienst erwiesen , oder auch hiermit » ein gutes Geschäft gemacht « ? Und war es nicht einst Rachel gewesen , die Streitberg ' s Anschläge wider Elisabeth gekannt und ihm , Ulrich , zu ihrem Schutze zum Theil verrathen hatte ? Woher wußte sie das , wenn nicht ihre Umgebung wenigstens mit Streitberg in Verbindung war ? Hatte nicht dieser gegen Kreß ihm und Elisabeth versucht durch bösen Leumund zu schaden - hatte er nicht auch hier die Hand im Spiele ? Ulrich kam mit all ' diesen Fragen zu keinem klaren Resultat - und doch fühlte er , daß ihn und Elisabeth eine dunkle Macht bedrohe , und daß jetzt mehr als je etwas geschehen müsse sie zu schützen und selbst auf seiner Hut zu sein - aber es vergingen wieder Wochen , und es war Alles geblieben , wie es war . Da scholl die Kunde durch Nürnberg , daß der berühmte Reisende Martin Behaim zurückgekommen sei , und daß ihm wenige Meilen von der Reichsstadt entfernt und noch auf deren Gebiet der Wagen , der sein Reisegut geführt , überfallen und ausgeraubt worden von frechen Raubrittern und Straßenräubern . Den Seinigen und seiner Vaterstadt und deren Gemeinwesen habe er die herrlichsten Dinge mitgebracht , die nun in die Hände der Verbrecher gefallen , die nur den allerunwürdigsten Gebrauch davon machen oder sie gar vernichten würden . Und wie die Fama die Erzählung weiter trug von Ohr zu Ohr und von Mund zu Mund , so wurden die mitgebrachten kleinen Affen zu fürchterlichen Waldmenschen mit Schwänzen und die indianischen Raben zu fabelhaften Vögeln , die mit menschlichen Zungen redeten und goldene Eier legten , und die wundersamsten Schilderungen liefen um von Martin Behaim ' s indischen Schätzen . Nicht nur der Rath bot all ' seinen Scharfsinn und all ' seine Macht auf , die Thäter zu entdecken , sondern jeder einzelne Nürnberger schien es sich zur Ehrensache zu machen , so viel an ihm war auch mit zu forschen und zu spähen , ob nicht irgendwo etwas zu sehen und zu erhalten sei von dem absonderlichen Eigenthum ihres berühmten Landsmannes . Und diesmal - um ihres Bruders und um ihrer Vaterstadt Willen - schwieg auch Elisabeth nicht . Nach der Beschreibung des Boten nannte sie zwar nicht Streitberg , aber den Ritter von Weyspriach und einen Gefährten als die muthmaßlichen Thäter . Indeß das Wort gilt immer noch : die Nürnberger hängen Keinen , den sie nicht haben . Und wie konnte man der Ritter habhaft werden ? Die saßen sicher auf Weyspriach ' s alter Burg - und wer konnte sicher beweisen , daß dieser mit dabei gewesen ? Wie konnte man ihn zur Rechenschaft ziehen ? oder wie konnte man allein auf diesen Verdacht hin etwa mit reichsstädtischer Mannschaft ihm vor die Burg rücken und entweder Einlaß begehren , nach den geraubten Schätzen zu suchen , oder jene zu belagern ? Dann hätte Nürnberg zuerst den Landfrieden gebrochen , das so streng auf dessen Wahrung hielt , und nicht jener Ritter , der vielleicht ja doch unschuldig war , vielleicht auch das verrätherische Gut