kann sie nicht wieder hören ! Das beste Schiffsbauholz , fuhr Benno mit um so größerm Nachdruck fort ... Die Cigarre war noch nicht im Gange ... Das beste Schiffsbauholz - wiederholte Lucinde , um gleichsam den Faden festzuhalten ... Bieten die Urwälder Canadas ! Sie wissen doch , Fräulein , wo Canada liegt ? Lucinde dachte an ihre Langen-Nauenheimer Wandlandkarte und zeigte mit dem Sonnenschirm fest und sicher nach Westen hinaus . Mutatis mutandis ! bemerkte Benno ... Es konnte heißen : Wer Latein kann , weiß auch das ! Oder : Da so herum ist allerdings richtig , aber Amerika besteht nicht aus Canada allein ! Das beste Schiffsbauholz , fuhr er fort , bieten die Urwälder Canadas , und die bequemste Gelegenheit , es auf dem Lorenzostrom und von da ins Weltmeer und nach England und Holland zu transportiren , findet man bei den vielen Nebenströmen des Lorenzo durch die furchtbaren Fälle derselben . Ich weiß nicht , ob sich unser Freund Thiebold de Jonge , Sohn der großen Handels- und Holzfirma » De Jonge ' s Erben « drüben in der Residenz des Kirchenfürsten , auf dem St.-Moritzstrome quer über die tausendjährigen Eichen setzte und mit ihnen die drei- bis fünfhundert Fuß stürzenden Fälle hinunterschwamm in seinen carrirten schottischen Inexpressibles ; nur so viel ist geschichtlich bekannt geworden und in Lindenwerth der abendliche Geisterspuk , wenn die Englischen Fräulein über die Lectüre des » Telemaque « einnicken , daß eines Tages , Sonntags , nicht wahr , Hedemann ? ... Sonntags ... antwortete dieser kopfschüttelnd ... Eines englischen Sonntags also , wo die Engländer auch in Canada daheimsitzen und keine Landpartieen aus Quebec oder Three Rivers in jene Gebirge hinauf machen , aus denen der St.-Moritz mit den tausendjährigen Eichen der Firma » De Jonge ' s Erben « niederstürzt - zwei so melancholische Hypochonder wie der Oberst von Hülleshoven und sein Freund und Rathgeber da , Remigius Hedemann aus Borkenhagen bei Witoborn , nach Montreal wollten oder nach Isle de Jesus , wo man noch eine gute und richtige römische Messe zu hören bekommen kann in dem abtrünnigen ketzerischen Amerika ... Hedemann schüttelte den Kopf ... Nicht ? fuhr Benno fort . Sieh ! Sieh ! Euch denuncir ' ich doch noch der Inquisition ! Ihr kommt mir beide schon lange so vor , als wenn Ihr in den alten Wäldern , wo die Indianer dem » großen Gotte « scalpirte Menschenköpfe zum Opfer bringen , heiligere Schauer verspürt haben wollt als in unserer alten borkenhagener Dorfkirche ! Schämt Euch ! Steigen die beide da nun herum über die Felswände in der Nähe des kleinen Patersonsees und träumen von vergangenen Tagen und künftigen englischen Halbsoldpensionen . Da scheu sie plötzlich einen jungen lustigen Dandy gerade unter dem letzten Sturz des St.-Moritz herumhüpfen , wie wenn er hätte eine von den Töchtern der hochmögenden Frau Walpurgis Kattendyk zum Tanze führen wollen ! Die reichste Familie drüben in der Residenz des Kirchenfürsten , Fräulein ! Keine Ausschmückungen ! sagte Lucinde . Der Oberst , fuhr Benno fort , zeichnet gerade den malerischen Sturz , Hedemann raucht eine transatlantische Originalcigarre , da verschwindet plötzlich der Tänzer und beide wissen nicht , war es ein absichtlicher oder unabsichtlicher Entrechat , nach dem die beiden Firnißstiefel plötzlich aufhörten in der Sonne zu glitzern . Von einem Hülferuf konnte nicht gut die Rede sein , denn der St.-Moritz donnert dort zwar nicht wie der Niagara , spricht aber doch immer noch vernehmlicher als unser immer zahmer und kleinlauter werdender Rheinfall bei Schaffhausen ... ( ob man sich gleich auch noch jetzt bei dem in der Taxe für die Ueberfahrt verhören und drüben einen Franken zahlen kann , wenn man hüben nur auf einen halben bedungen zu haben glaubt ) . Ringsum , wie gesagt , englischer Sonntag ! Man wußte , daß in einem Orte Namens Forges eine Colonie von Flößern wohnt , die jedoch auf keine sonntägliche Wasserpartieen begierig schien und daheim trotz der Hitze vielleicht irgendeinen soliden Gin-Punch braute . Nur jenen einen Tänzer hatte man bemerkt . Da er nicht wieder zum Vorschein kam , wurden unsere Menschenfeinde denn doch ein wenig unruhig , und der ärgste aller Timone , dort unser Hedemann , beliebte zu äußern : Wenn nur das Bürschchen nicht in den Sturz gefallen ist ! In den Sturz nämlich , von dem man die ganze Ausdehnung von dem Orte , wo sie sich befanden , nicht übersehen konnte ! Man macht sich nun allmählich auf , klimmt empor , erreicht den Rand der Felsen , durch die der St.-Moritz sich hindurchdrängend in einen Kessel niederstürzt , aus dem hochauf eine riesige Schaumkrone sich erhebt und dann pfeilgeschwind weiter gleitet dem Lorenzo zu . Sie entdecken da nichts . Alles still ; nur wilde Vögel fliegen quer über den Sturz , dessen Schaumtropfen hoch hinaufspritzen , daß die Dinger wie taumelnd mit benetzten Flügeln das Weite suchen ... Da plötzlich entdeckt Hedemann ' s scharfes Auge unten an einem Felsenvorsprung eine Mütze , eine so elegante , wie sie nur Herr Thiebold de Jonge getragen haben konnte . Nun stand es fest , daß der Tänzer verunglückt war . Zu sehen war nichts . Man rief englisch , deutsch , französisch . Keine Antwort . Aber die Mütze lag da auf der Felsenkante und erst von dieser an konnte man senkrecht in die Tiefe blicken . Nun wuchs die Besorgniß . Sie steigerte sich mit dem immer gleichen Donnern und Zischen der aufspritzenden weißen Strudel , die ihr Opfer verschlungen hatten , wenn der Gestürzte nur einen Fuß breit von der Felswand weiter entfernt lag und sich im Niedergleiten nicht an der Wand irgendwie noch hatte halten können . Wer stieg die Wand zuerst hinunter , Hedemann ? Der Oberst ! Erzählen Sie selbst , Herr Hedemann ! unterbrach jetzt Lucinde . Herr von Asselyn , scheint es , brodirt die Geschichte , wie wenn sie in den Exercices des strasburger Englischen Fräuleins gestanden hätte