« rief Eduin immer heftiger . Elisabeth trat zurück und lehnte bleich und halb bewußtlos an einem Baume . Wenn Du Deinen Rausch ausgeschlafen hast , Knabe , « sagte jetzt Jaromir stolz , » will ich Dich um Erklärung Deiner jetzigen Rede bitten . « In diesem Augenblick trat der Rittmeister zu dem neuangekommenen Gast . Er entschuldigte seine Verspätung mit der Wegsunkenntniß seines Kutschers . - Die Gesellschaft vereinigte sich wieder , dann fuhr der Graf Hohenthal mit Gemahlin und Tochter ab , ohne daß diese noch ein vertrautes Wort mit Jaromir hatte wechseln können . VIII. Der Aufstand » So mag denn über Dich , Du Brut , Du stolze Brut , das Aergste kommen ! « A. Meißner . Polizeirath Schuhmacher war triumphirend zurückgekehrt . Er hatte mit Erfolg seinen Unterricht ertheilt in der von ihm gerühmten Kunst , da hinein zu verhören , wo Nichts heraus zu verhören war ; und so hatte er denn glücklich erfahren , daß einer der gefänglich eingezogenen Eisenbahnarbeiter früher ein guter Freund von Franz Thalheim gewesen war und einen Brief von diesem an ihn ausgeliefert erhalten , in welchem Frau ; geschrieben hatte : daß die Fabrikarbeiter noch weniger verdienten , als die Arbeiter bei den Eisenbahnen . Diese Worte genügten , um die weitläufigsten Folgerungen und Combinationen daran zu knüpfen und die lange Reihe von Anklagen , welche man schon gegen Franz in Bereitschaft hatte , zu vervollständigen . Der Polizeirath brachte einen Polizeidiener und einen Verhaftsbefehl mit . Es schien ihm aber gerathener , den Befehl gleich in in aller Frühe , wenn Franz noch zu Hause , Alles noch still und dämmerig sei , als am hellen Tage , und vielleicht mitten unter den Arbeitern , zu vollziehen . Daher gingen der Polizeidiener , der Gensdarm des Ortes und noch zwei zuverlässige Männer in aller Frühe , da es noch dunkel war , nach Thalheims Wohnung . Aber so früh und dunkel es auch noch war , schon trieben sich viele Frauen und Kinder vor den Thüren herum und machten seltsame neugierige Gesichter . Wie die vier Männer an ihnen vorüberkamen , stießen ein paar beisammenstehende Frauen sich leise an und sagten : » Was wollen denn die ? « » Sie werden es doch nicht schon gehört haben mit ihren Maulwurfsohren ? « » Mit denen nehmen wir ' s auch noch auf , laßt sie nur kommen ! « » Sie machen grimmige Gesichter - « » So wollen wir ihnen bald noch bessere schneiden . « So murmelten die Frauen unter einander hin und her - Jetzt kam Franz mit gesenktem Haupte langsam des Weges her - zwei andere Männer folgten ihm . - Heute war nämlich der Morgen , an welchem Berthold ' s Weib sammt Kind begraben wurde . Alle Arbeiter waren leise aufgestanden und mit hingezogen auf den fernen Kirchhof . Auch Franz war mitgegangen - dieser neue Jammer hatte ihm in tiefster Seele weh gethan - - ihm selbst war wie einem Menschen zu Muthe , der aus hundert Wunden blutet und darüber nicht mehr fühlt , welche ihn am Meisten schmerzt . Aber er wußte noch nicht , was die Arbeiter sannen , warum sie gerade heute Alle einer Leiche folgten , da doch oft eine solche einsam hinausgetragen ward . Denn die Kameraden mißtrauten ihm jetzt und hielten deshalb ihre Absichten vor ihm geheim . Auch wußten eigentlich nur Wenige von einem bestimmten Vorsatz und Plan , die Meisten thaten aus einem blinden Instinkt wie die Andern . Draußen am Grabe hielt Wilhelm eine Rede : » Das ist das Loos unsrer Weiber und Kinder , « sagte er . » Uns macht man zu elenden Sklaven , unsre Weiber und Kinder mordet man ! - Ich brauche Euch nicht erst an unser ganzes erbärmliches Dasein zu erinnern - Ihr habt es ja täglich vor Augen ! Und Ihr habt es auch täglich vor Augen , wie , während man so mit uns verfährt , unsere Peiniger von unsrem Schweiß und Blut Paläste aufbauen und mit dem schwelgen , wovon uns ein gutes Theil gehört - eilen wir uns dieses Theil zu nehmen ! « Wildes Beifallsgeschrei folgte darauf . Ein Anderer sagte : » Und Ihr wißt auch , wie die verfluchten Maschinen daran Schuld sind , daß wir jetzt schlechtern Verdienst haben - sie machen unsere Hände entbehrlich - nun , so wollen wir auch hier das Ding umkehren und die Maschinen vernichten - sie sind unsre schlimmsten Feinde ! « » Weg mit den Maschinen , wir wollen sie alle zerstören ! « schrie die Menge . » Brüder , Kameraden , das wird nicht gut , hört mich , « begann Franz . » Laßt ihn nicht zu Worte kommen ! « riefen viele Stimmen . Franz suchte sie zu überschreien : » Hört mich dennoch ! wenn wir Recht haben wollen , dürfen wir nicht mit einem Unrecht anfangen ! - Wir wollen Einige hingehen und sagen , daß wir nicht länger arbeiten könnten , weil solche Theuerung geworden sei , wenn - « Aber die Andern übertäubten ihn . » So haben die Eisenbahnarbeiter angefangen und sind dafür bestraft worden und schlecht genug weggekommen ; wir müssen es gleich besser anfangen , nicht betteln , sondern zugreifen . « Franz hatte sich aus dem Gedränge zurückgezogen , er war tief bekümmert , denn er sah ein , daß Keiner auf seine Warnungen mehr hören werde . So ging er schnell und traurig von dannen . « Wie Andere dies bemerkten und ihn allein auf die Fabrik zugehen sahen , riefen sie : » Eilt ihm nach , damit er uns nicht verräth ! « » Das thut er nicht , « sagten Andere , » er hat nun einmal immer seinen Kopf für sich . « So folgten ihm zwei Arbeiter , gleichsam um ihn zu bewachen . Als sie so eine Weile gegangen waren , wurden sie die Vier von