näher zu kommen - - o , Sie sehen wol aus diesen tausend » weil « , daß nicht ein Funke tieferer Empfindung sich in mir fand ! Mein Herz ist kalt für Ihre Tochter ; meine Seele weiß nichts von ihr ! und wie könnte das auch anders sein .... neben Ihnen ! Wer von uns bemerkt ein niedliches Kind wenn eine Göttin tiefsinnig und geheimnißvoll durch unser Leben geht ? « » Aber dies Kind ist ein junges Mädchen , unterbrach ich ihn , das in der zarten Einfalt seines Herzens Ihre Freundlichkeit anders - und weit natürlicher gedeutet , und sich dieser Deutung mit tiefer warmer Innigkeit hingegeben hat . « » Davor hätten Sie Ihre Tochter warnen sollen , gnädige Gräfin ! « sprach Wilderich eiskalt . » Aber , Unseliger ! rief ich händeringend , ich deutete Ihr Wesen in dem Sinn meiner Tochter ! Ich müßte rasend gewesen sein um Ihren Wunsch bei uns zu bleiben , mit uns zu leben , uns wiederzusehen - auf mich zu beziehen ! Die Jugend paßt zur Jugend ! Es ist unnatürlich in Ihrem Alter von einem sechszehnjährigen blühenden Mädchen sich wegzuwenden und zu deren Mutter hin , die zwanzig Jahr älter ist . « » Ich habe nie nach Ihrem Taufschein gefragt , gnädige Gräfin ! « sprach Wilderich immer eiskalt . » Es ist unnatürlich , fuhr ich fort , gleich beim Eintritt ins Leben die Blüte und Kraft der Empfindung in einer Richtung zu verschwenden , die mit dessen eigentlicher und ernster Bestimmung nichts gemein hat . Die Liebe soll uns tüchtig machen für die Mühsale die uns erwarten , indem sie unser Glück an ein bestimmtes Ziel knüpft : an ein gemeinschaftliches Leben mit einem geliebten Geschöpf , das uns ergänzt und vervollständigt . « » Der Meinung bin ich auch , gnädige Gräfin ! « » Nun Wilderich , wenn Sie dieser Meinung sind , wie können Sie dann Ihre Liebe an eine Frau verschwenden , die durch Alter , Erfahrung , Verhältnisse und Richtung gänzlich derjenigen Sphäre entrückt ist , welche Ihrer in der Gegenwart und für die Zukunft harrt ! Ich bin ermattet vom Leben - und Sie sind erwartungsvoll und dürstend nach seinen Gaben . Ich zweifle an dem menschlichen Glück - und Sie sehen es an diese Zweiflerin geknüpft . Ich glaube nicht an die Dauer der Liebe - und Sie lieben als müsse sie in Ewigkeit fortbestehen . Ich spreche nur von inneren Verschiedenheiten . Der äußeren mag ich nicht erwähnen . Sie würden erschrecken wenn ich sie Ihnen grell vor die Augen hielte . « Ich hätte lange fortreden können ; aber ich schwieg , denn Wilderich starrte mich wie geistesabwesend an . Er hielt seinen Kopf in beiden Händen , und zuweilen überlief ein Zittern seinen ganzen Körper . Als ich schreckenvoll verstummte sprach er matt und tonlos : » Es ist aber doch gräßlich so mißverstanden zu werden ! nicht verstanden - ist schon traurig ; allein so mißverstanden - das ist noch nie geschehen ! Sie Gräfin , Sie mit Ihrem tiefen Blick und Ihrer ernsten Erkenntniß , Sie konnten nicht das schlichte Herz begreifen , das sich Ihnen zu eigen gab ? .... O , das ist unnatürlich , meine Liebe ist es nicht ! - Das Schöne zu lieben sei die Glorie des Lebens - lehrten Sie mich . Ich hab ' es gethan .... weiter nichts . « » O Kind ! Kind ! rief ich mit herber Trostlosigkeit , was hilft der Tiefblick der Erfahrung und der Erkenntniß , wenn er unser Herz nicht zu Rath zieht ! das eigene Herz lehrt uns das fremde verstehen , und ich - Sie wissen es ja ! - lebe in meinen Gedanken und Träumen , jedoch nicht mit meinem Herzen . Drum war ich nicht glücklich an der Seite des besten und zärtlichsten Mannes ; - drum täuschte ich mich über Otbert in einem solchen Grade , daß ich an seine Liebe für mich glauben konnte ; - drum erkannte ich nicht die mächtige flammende Liebe , die Fidelis für mich empfand ; - drum wähnte ich daß Sie mit Dankbarkeit an mir und mit einer erwachenden Neigung an meiner Tochter hingen . O sehen Sie diese schauderhafte grenzenlose Verwirrung meines Daseins , Wilderich , und vermehren Sie sie nicht durch Hingebung an Ihre Schwäche . « » Ich hatte mir ein Leben geträumt , sagte Wilderich mit heißer Wehmuth , edel reich und gut , wie Sie mir den Impuls dazu gegeben hatten . Es ist etwas Großes in Ihnen , das meine Seele weit macht ; und da Sie dafür keinen festen Anknüpfungspunkt gefunden : so war ich stolz genug zu wähnen , daß Sie ihn in mir finden sollten und festhalten müßten . Ich wollte meinen Weg gehen , meine Laufbahn machen , meine Wirksamkeit auf mich nehmen mit jenem Bewußtsein der inneren Berufung , welche uns über all dessen Sorgen und Aengste erhebt . Ich wollte Sie stolz machen - ja ja , meine Gräfin , stolz darauf daß Sie dies stille Feuer einer unüberwindlichen Beharrlichkeit im Guten entzündet hätten . Ich wollte unausgesetzt mit Ihnen leben - nicht bei Ihnen - in der schönsten Gemeinschaft die zwischen Menschen denkbar ist : in einem Geist , mit einer Gesinnung , zu einem Ziel ; stets eingedenk daß das Leben göttlich sein kann , wenn wir das Gute thun und das Schöne lieben . « » O ! rief ich tief bewegt , das kann ja Alles so werden - nur ein wenig anders ! « .... - - » Nicht so und nicht anders ! unterbrach er mich schwermüthig . Denn ein Wort der Ermunterung wollt ' ich hören und das sollte heißen : Ich liebe dich , Wilderich . « » O Wilderich ! rief ich - ich will Sie lieben wie die zärtlichste Mutter den edelsten Sohn liebt , wenn Sie nur zur Besinnung über