dann Leonin ' s Gattin werden , wenn seine Verhältnisse auch ihn auf irgend eine Weise an die Person der Königin fesselten , die sie nie verlassen wolle . Beide Majestäten hatten vielfach Gelegenheit gehabt , den Werth dieses edeln Wesens zu erkennen , sie waren daher dankbar für eine so hingebende Aufopferung und hatten längst eine solche Stelle bei der Königin für Leonin bestimmt , deren wirkliche Uebertragung nur durch die bereits mitgetheilten Kabalen der Marschallin und des Marquis de Souvré aufgehalten wurde . Viktorine konnte jedoch nicht zweifeln , daß Leonin von ihrer Weigerung , unter andern als den genannten Umständen die Seinige zu werden , unterrichtet sei , dies für Mangel an Liebe halten müsse , und dadurch in die Stimmung sich versetzt fühle , in der sie ihn vor sich sah . Hoch wallte daher ihr Herz dem Wunsche entgegen , ihm offen ihre wahre Empfindung gestehen zu dürfen , und mit der Gemüthsbewegung , die sie in Leonin ' s Augen so schön machte , horchte sie seinen Worten , das heraus zu finden , was ihr dazu Gelegenheit geben würde . Jedes schien ihr dazu Veranlassung ; aber ehe sie ihre stolze Schüchternheit überwinden konnte , erhoben sich die Majestäten , um einem Concerte beizuwohnen , welches Lully mit seinem ausgezeichneten Orchester im Nebensaale aufführte . Hier kam der verhängnißvolle Augenblick , wo der König , an Leonin vorübergehend , stehen blieb und , ihm mit dem wohlwollendsten Lächeln zunickend , sagte : » nun , Graf Crecy , Sie wollen Ihre Besitzungen von Ste . Roche übernehmen ? « Leonin beugte sich bejahend bis zur Erde . - » Bleiben Sie nicht zu lange fort - die Königin wünscht Sie um ihre Person zu beschäftigen - ich habe Sie heute zum Kammerherrn und Reisekavalier ernannt und werde mich freuen , wenn dies auch Ihre andern Wünsche zur Reife bringt . « » Madame , « sagte er , zur Königin sich wendend , » sind Sie zufrieden ? « Die Königin verbeugte sich gegen den König , der huldvoll grüßend voranging , während die Königin noch einige Augenblicke verweilte , um Leonin einige höfliche Worte zu sagen und seine Dankbezeigungen anzunehmen . Kaum hatten die Herrschaften den Saal verlassen , als der ganze Hof auf Leonin einstürzte , um ihm Gratulationen auszusprechen , die so den Stempel der herzlichsten Theilnahme trugen , daß , wer den Kreis nicht kannte , hätte glauben können , Leonin sei hier in dem Zirkel einer ihn zärtlich liebenden Familie . Eben so empfing die anwesende Marschallin die schönsten Worte des Antheils , die sie jedoch besonders kalt und übellaunig aufnahm , nur gegen den König und die Königin in ein Meer vorschriftsmäßiger Huldigungen übergehend . Ihr war allerdings ein bedeutender Grund zum Mißfallen gegeben , und um so mehr , da es ihr unerklärlich war , von welcher Seite ihr diese Störung ihres Planes kam . Die plötzliche Ernennung von Seiten des Königs sollte es Leonin unmöglich machen , nach Ste . Roche zu gehn , und eben der König erwähnte diese Reise als angenommen und erlaubt , die durch diese Erwähnung jetzt sogar unumstößlich geworden war . Die Marschallin konnte auch den Zusammenhang nicht ahnen ; denn die Ursache davon war die gute , empfindsame Gräfin Grammont gewesen , gegen die Leonin , als er die abschlägige Antwort der Prinzessin erhielt , in der gedankenlosesten Befangenheit eine Unruhe und Angst , nach Ste . Roche zu kommen , ausgesprochen hatte , von der die gute Dame so gerührt ward , daß sie ihm wenigstens diesen Dienst nach der mißglückten Audienz zu leisten wünschte und die Prinzessin mit Bitten bestürmte , diesen Wunsch des armen jungen Mannes doch beim Könige zu vertreten . Henriette hatte dies mit ihrer unbefangenen Gutmüthigkeit gethan , und der König es bewilligt . In welcher Bewegung jedoch Leonin durch die plötzlich auf ihn einstürmenden Eindrücke sich fühlte , würde unbeschreibbar sein ! Das angeregte Verhältniß zu Fennimor entkräftete zwar in etwas den Triumph dieses Abends ; aber er wurzelte schon zu tief in diesen Zuständen , um nicht das Aufbrausen des Ehrgeizes mit Wonne zu fühlen ; - und sich endlich sagen zu können , das er erreicht habe , was er gewollt , belebte sein Antlitz , daß Jeder darin das erfüllte Verlangen erkennen mußte . Auch Viktorine , während des Concertes hinter dem Stuhle der Königin gefesselt , erkannte mit höherem Herzschlage das veränderte Ansehen Leonin ' s ; ihre Blicke suchten und fanden sich , und das edle Mädchen , so nahe sich der Auflösung ihres Zwanges wähnend , ließ ihn in ihren Augen ihr ganzes Gefühl lesen . Jetzt erhoben sich die Herrschaften und begaben sich , von ihren nächsten Umgebungen gefolgt , grüßend an der Menge vorüber , in ihre Zimmer . Leonin stellte sich Viktorinen bei diesem langsamen Zuge absichtlich in den Weg . Sie sollte ihm Glück wünschen - freudig blickte er , herausfordernd zu ihr auf . Sie glaubte ihn zu verstehen . » Leonin « sagte sie , bebend mit glühenden Wangen und gesenkten Augen , » ich kenne die Wünsche unserer Freundin - ich kenne die Wünsche unserer Familien - ich habe Sie verstanden , und mein Herz widerstrebt diesen Wünschen nicht länger , da sie mein erstes Gelübde gegen die Königin nicht aufheben werden . Die Königin kennt unsere Wünsche und billigt sie . Nach Ste . Roche also ! Ich breche die Brücke nicht ab , die zu mir zurück führt ! « Schnell folgte sie dem Zuge . Es war ein Glück - Leonin war an ihren Worten zur Salzsäule geworden ; - sie sah es nicht mehr . » Wollen Sie mir Ihren Arm geben , mein Sohn ! « sagte die Marschallin in diesem Augenblicke . » Sie werden , denke ich , nicht eher abreisen , bis Sie Ihrem Vater Ihre so überaus ehrenvolle Anstellung mitgetheilt haben . « » Gewiß nicht , « erwiederte Leonin