so bin ich doch von ganzem Herzen bereit , jeden einzelnen guten Zweck , den Sie zu erreichen streben und mir mittheilen wollen , damit ich beurtheilen kann , ob auch ich ihn für gut halte , aus allen Kräften zu unterstützen , besonders wenn Sie mir versprechen wollen , sich sogleich von dieser Verbindung zu trennen , so bald der jetzt angegebene Zweck , die Befreiung des Vaterlandes von den Franzosen , erreicht ist . Wenn das erreicht ist , sagte der junge Graf mit glühenden Wangen , wofür wir alle bereit sind , unser Blut bis auf den letzten Tropfen zu vergießen , wenn wir unser Vaterland vom fremden Drucke befreit sehen , wenn unser König wieder in der Mitte seiner Unterthanen mit Ruhe und Sicherheit für das Wohl Aller wachen , und Milde und Gerechtigkeit üben kann , dann bedarf es keiner Verbrüderung mehr , und gewiß kehren dann Alle wieder ruhig unter den Schutz der Gesetze zurück . Habe ich Ihr Wort , daß wenigstens Sie so handeln werden ? fragte der Graf . Gewiß , erwiederte sein Verwandter , indem er die dargebotene Hand des Oheims ergriff . Unter solchen Bedingungen , sagte dieser , können Sie mich gewissermaßen als ein Ehrenmitglied Ihrer Vereinigung betrachten , deren von mir gekannte und gebilligte Absichten ich aus allen Kräften unterstützen werde , und deren jetziges hochwichtiges Bestreben ich keinesweges verkenne . Es wurde über diesen in der damaligen Zeit höchst wichtigen Gegenstand noch Vieles gesprochen und erörtert , und der Graf sagte endlich : Nachdem wir nun so viel über öffentliche Angelegenheiten gesprochen haben , sollten Sie mir denn nichts über Ihr eigenes Glück zu vertrauen haben ? Der junge Graf bekannte seinem Oheim die lang genährte zärtliche Neigung für die schöne Therese und den Vorsatz , ihr seine Hand anzubieten , obgleich er ihr kein glänzendes Loos versprechen könne . Der Oheim billigte sein Gefühl für ein zärtliches , edles Wesen , dessen Neigung für seinen Verwandten er lange errathen hatte . Er freute sich über eine Verbindung , die , wie er glaubte , Beide beglücken müsse , und schloß endlich , indem er lächelnd sagte : Und nun lassen Sie auch mich Ihnen einen Plan mittheilen , den ich seit einiger Zeit mit stillem Vergnügen innerlich ausbilde , und der Ihr häusliches Glück und Ihr öffentliches Wirken vereinigt fördern könnte . Der junge Graf erwartete mit Spannung , was sein Oheim ihm mittheilen wolle , und dieser fuhr fort : Sie haben , mein lieber Vetter , so vieles Trübe im Leben erduldet , daß dieß einigermaßen in Ihren Charakter überzugehen droht ; deßhalb wäre es mein Rath , daß Sie ein Jahr Ihres Lebens daran wendeten , diesen Trübsinn wieder los zu werden und von der Welt etwas mehr kennen zu lernen , als den engen Raum , auf dem Sie sich bis jetzt unter ungünstigen Umständen bewegt haben . Dabei könnten Sie die Gesinnungen in Deutschland mit Behutsamkeit zu erforschen streben , vielleicht auch Verbindungen knüpfen , die in der Zukunft für Ihre Pläne dienlich wären ; zugleich könnten Sie sich die nöthigen Kenntnisse von der Landwirthschaft verschaffen , einen tüchtigen Mann in diesem Fache zu Ihrem Beistande auffinden , und wenn Sie mit einem solchen nach einem Jahre zurückkämen , dann würde ich Ihnen meine Güter zur Verwaltung übergeben und die Bedingungen natürlich so einrichten , daß Ihnen bedeutende Mittel bleiben , Ihre Pläne zu verfolgen ; dann könnten Sie Neuerungen einführen , ohne aufzufallen ; Sie könnten die Schulen verbessern und die Jugend in den Waffen üben , und käme die Zeit , so könnten Sie die jungen Landleute von meinen und Ihren Gütern wohl bewaffnet und wohl geübt dem Könige zuführen , und an deren Spitze selbst für unser aller Wohl fechten . Der junge Graf war entzückt über diesen Plan , nur betrübte es ihn , daß er sich von Neuem von seiner schönen Freundin trennen sollte . Auch für diese , sagte sein Oheim , ist ein Aufschub ihrer Verbindung heilsam . Das arme Kind hat so vielen Druck des Lebens erduldet , daß ihre Gesundheit darunter gelitten hat ; lassen Sie diese sich jetzt erst wieder befestigen und gönnen Sie ihr die Zeit , unter Anleitung der Gräfin ihre Bildung zu vollenden , die sie , durch ungünstige Umstände verhindert , früher hat versäumen müssen , und die sie um so weniger entbehren kann , da sie die Leitung eines Hauses , die Sorge für eine entstehende Familie ohne den Beistand einer erfahrnen Mutter übernehmen muß . Der junge Graf umarmte mit dankbarem Entzücken seinen gütigen Oheim und ging freudig in dessen wohlwollende Pläne ein . Es wurde nun noch beschlossen , die Mutter des jungen Grafen und seine Schwestern in Breslau wohnen zu lassen , damit die Erziehung der letzteren dort vollendet werden könne , und der junge Graf sowohl , als sein Oheim faßten den ernsten Entschluß , jede unnütze Ausgabe zu meiden , um den Ueberschuß ihrer Einkünfte zum Wohle des Vaterlandes verwenden zu können . Zuletzt erinnerte noch der Graf seinen Vetter an die Nothwendigkeit , die stattgefundene Unterredung dem Obristen Thalheim in so weit zu verschweigen , in wie weit sie das Wohl des Vaterlandes betraf , weil bei dessen heftiger Liebe für den König und daraus entspringendem heftigem Haß gegen dessen Feinde nicht Vorsicht genug von ihm zu erwarten war , und er also leicht , ohne es zu wollen , in freudiger Hoffnung Dinge verrathen könne , die durchaus verschwiegen bleiben mußten . Von neuen entzückenden Hoffnungen erfüllt erschien der junge Graf mit seinem Oheime zum Frühstück im Saal , wo man Beide schon erwartete . Aber er konnte nicht Theil nehmen an heiteren Gesprächen ; er sehnte sich nach der Einsamkeit und verließ deßhalb die Gesellschaft bald , um auf einem langen einsamen Spaziergange die mannigfachen Gefühle in seinem Busen gegen einander auszugleichen . Zum ersten Mal lachte ihm das Leben in heiterem Glanze entgegen , die Sehnsucht