auf seiner unruhig steigenden Brust , und erstickte jedes Wort der Erklärung . Heftig wandte er dem Sohne den Rücken , und ging aus dem Gemach . Verwundert und gekränkt sah ihm Dagobert nach . » Ehrsame Frau , « begann er nach einer Weile zu Margarethen , die den Blick auf den Boden geheftet vor ihm stand , - unschlüssig , ob ihr zu gehen , ob ihr zu bleiben zieme , - zögernd , von dannen zu scheiden , ängstlich , noch länger in des Gefährlichen Nähe zu verweilen , - » Ehrsame Frau . Könnt Ihr mir nicht erklären , wie es eigentlich um den Vater stehe ? Welch unheimlich Geberden , welche grollende Verschlossenheit hat er angenommen ? « - » Sein Unfall ... « antwortete Margarethe stockend : » ... seine Wunde , die noch nicht geschlossen , .... « - » Ach , wehe uns ; « seufzte Dagobert : » wehe uns , wenn jener meuchlerische Bube tödtlich den Fleck verletzte , wo die Liebe für den treuen Sohn sitzt . Täuscht mich nicht , gute Stiefmutter . Ich will nicht glauben , daß Ihr mich so gänzlich hinterrücks aus dem Felde geschlagen . Ich habe Euch ja nie Leides gethan , und liebe Euern Sohn , als ob ihn meine eigne Mutter geboren ; aber , Wallrade ..... ? « - Margarethe nickte heftig mit dem Kopfe , und Dagobert fuhr fort : » Gelt ? ich hab ' s getroffen ? O die verläumderische Heuchlerin ! Doch will ich nicht verzweifeln . Den Vater will ich zwingen , seine Gunst mir wieder zuzuwenden , und Ihr , mein zweites Mütterlein , sprecht ein gutes Wort für mich . Ich bin ein ehrlicher Geselle ; verlaßt Euch darauf , und redet mir zur Minne . « - Bittend hatte er ihre beiden Hände ergriffen , die sie , erschrocken über die heftige Bewegung ihres Gemüths , schnell aus den seinigen zog , obgleich ihre Augen mit einem sanften Ausdruck auf dem Stiefsohne ruhten . - » Mißtraut mir nicht ; « sprach sie langsam : » ich hoffe , es wird sich Alles geben . Mein Herr wird nicht in seinem Irrthum beharren . Vor meinen Augen seyd Ihr rein , - rein , wie dieser ! « - Sie deutete auf das Bild des heiligen Georg , und verließ eilig mit dem Knaben die Stube . Dagobert konnte sich lange nicht von dem nie gehofften Eindruck erholen , den der Empfang im Elternhause auf ihn gemacht . Wehmüthig sinnend saß er da , den Kopf in beide Hände gestützt , wischte sich dann eine Thräne , wie nur gekränkte Treue sie weint , aus dem Auge , und richtete seine Blicke auf St. Georgii Bild . » Die gute Stiefmutter ! « sprach er halb lächelnd zu sich selbst : » Wenn sie recht hätte , und ich ein Gotteskämpfer wäre , wie der heilige Reitersmann dort oben . Den Teufel wollte ich mich um alle Wallraden und Prälaten des heiligen römischen Reichs scheeren , wären sie auch alle meine Schwestern und Vettern . Der Verläumdung stieße ich die Rennstange wohlgemuth zwischen die Zähne , bis sie verendete , und beim Vater müßte der liebe Herrgott ein Wort der Sühne einlegen , kräftiger als das Fürwort aus Frau Margarethens Munde , obschon dieser Mund allerliebst ist , und vielleicht nur von einem Einzigen in ganz Teutschland übertroffen wird . « Er schritt durch das Gemach , und blieb alsdann mit verschränkten Armen vor dem Bilde stehen . - » Ein schmuckes Gemälde ! « begann er , sein Herz durch Zerstreuung von schwerer Sorge abzulenken : » hab ' s noch niemals in Vaters Hause gesehen . Hu ! wie der Schimmel springt und steigt ! Wie des Reiters braune Locken im Winde flattern ! wie stolz und stattlich er im Sattel sitzt ! Ja ! solch ein Mann zu seyn .... das wäre eine Lust ! Die Dirne möchte ich sehen , die mir dann spröde widerstünde ! - Närrischer Schalk ! « unterbrach er sich , lachend : » als ob mir ' s darum zu thun wäre ! Wie sang der arme Barfüßer , der draußen im Haus der Aussätzigen verkümmert , während aus seinem fruchtbaren Kopfe unzählige Lieder der Minne und Geselligkeit entspringen , und in ganz Teutschland nach gefälligen Weisen gesungen werden ? Ein Fischlein mir gar wohl gefällt , doch darf ich sein nicht kosten ! Drum sey der Fischzug eingestellt ... Die Angel mag nun rosten ! Das ist auch mein Bescheid , und kalt , wie ein rechter Frosch will ich seyn , trotz dem wackern Kämpfer Georg , dessen anmuthig Gesicht ich schon irgendwo gesehen haben mag , so bekannt spricht mich ' s an . Und , wenn mir recht ist , so ist ' s gar mein Brüderlein Johann , das dem Heiligen gleicht . Wahrlich , wahrlich ! Ein feiner Sprößling , der Bube ; und eben dessen Züge waren mir beim ersten Zusammentreffen so wenig fremd , daß ich darauf hätte schwören mögen , ich hätte ihn vor Kurzem erst , zu Costnitz oder irgendwo , gesehen . Es mag aber leichtlich nur ein Traumbild gewesen seyn ; denn mein guter Predigermönch sagte gar vielmal , daß es Beispiele gegeben , wie gewisse Menschen andere im Traume gesehen , die sie nachher auf dem , Lebenswege angetroffen , und lieb gewinnen müssen . - Ach ! auch Esther war ein Bild meiner frühsten Träume ; nicht selten ist sie eine Erscheinung meiner jetzigen ; und zu verwundern ist ' s , wie einem frommen Christen von einer halben Heidin träumen , ... wie diese an des Rechtgläubigen Herz wachsen darf , während sie doch nimmer in seine Arme wachsen darf ! « Fußnoten 1 Versammlungshaus und Trinkstube der edelsten Geschlechter von Frankfurt . Drittes Kapitel . Was ist schärfer , denn ein Pfeil ? was giftiger als Schlangengeifer