Kraft , die aus seinem Wesen sprach , war bei ihr , wenn sie nicht schüchtern und blöde war , in eine neckende Freundlichkeit und in rüstiges behendes Wesen übergegangen . So hatte sie Georg erkannt , als er im Hause des Pfeifers wohnte , doch heute schien sie vor den vielen vornehmen Leuten etwas schüchtern , ja es wollte ihm sogar scheinen , als sei ein neuer Zug in ihr Gesicht gekommen , den er früher nicht an ihr bemerkt hatte , eine gewisse Wehmut und Trauer , die sich um ihren Mund und in ihren Augen aussprach . Die Pfeifersfrau wußte was Lebensart sei , sie verbeugte sich daher von der Türe der Tyrnitz in einem fort , bis sie zum Stuhl des Herzogs kam . Frau Rosel hatte noch die Röte des Zornes auf ihren magern Wangen , denn die Landsknechte , namentlich der Magdeburger und Kaspar Staberl , hatten sie höchlich beleidigt , und sie eine dürre Stange geheißen . Ehe sie noch sich sammeln und den Herrschaften geziemend die Familie ihres Bruders vorstellen konnte , hatte die runde Frau schon einen Zipfel von des Herzogs Mantel gefaßt und ihn an die Lippen gedrückt : » Guetan Obed , Herr Herzich « , sprach sie dazu mit tiefen Knicksen ; » wie got Ich ' s , seit Er wieder in Schtuagerdt send ; mei Ma loßt Ich schö grüaßa ; mer komme aber et zum Herr Herzich , noi , zu dem Herra dort drübe welle mer . Mer hent a Hochzeitschenke für sei Frau . Do sieztt se jo , gang Bärbele , lang ' s aus em Krättle . « » Ach ! du lieber Gott « , fiel Frau Rosel ihrer Schwägerin ins Wort ; » bitt ' untertänigst um Verzeihung , Euer Durchlaucht , daß ich die Leut reingebracht habe ; ' s ist Frau und Kind vom Pfeifer von Hardt ; ach ! du Herr Gott , nehmet doch nichts übel , Herr Herzog ; die Frau meint ' s gwiß gut . « Der Herzog lachte mehr über diese Entschuldigung der Frau Rosel , als über die Reden ihrer Schwägerin : » Was macht denn dein Mann , der Pfeifer ? Wird er uns bald besuchen ? Warum kam er nicht mit euch ? « » Sell hot sein Grund , Herr ! « erwiderte die runde Frau ; » wenn ' s Krieg geit , bleibt er gwiß et aus ; do ka mer ' n brauche ; aber im Frieda ? Noi , do denkt er , mit grauße Herra ist ' s et guet Kirscha fressa . « Frau Rosel wollte beinahe verzweifeln über die Naivetät der runden Frau , sie zog sie am Rock und am langen Zopfhand , es half nichts , die Frau des Pfeifers sprach zu großer Ergötzung des Herzogs und seiner Gäste immer weiter , und das unauslöschliche Gelächter , das ihre Antworten erregten , schien ihr Freude zu machen . Bärbele hatte indessen mit dem Deckel des Körbchens gespielt , sie hatte einigemal gewagt , ihre Blicke zu erheben , um jenes Gesicht wiederzusehen , das im Fieber der Krankheit so oft an ihrem Busen geruht , und in ihren treuen Armen Ruhe und Schlummer gefunden hatte , jenen Mund wiederzusehen , den sie so oft heimlicherweise mit ihren Lippen berührt hatte , und jene Augen , deren klarer , freundlicher Strahl ewig in ihrem Gedächtnis fortglühte . Sie erhob ihre Blicke immer wieder von neuem doch , wenn sie bis an seinen Mund gekommen war , schlug sie sie wieder - aus Furcht , seinem Auge zu begegnen - - herab . » Siehe , Marie « , hörte sie ihn sagen , » das ist das gute Kind , das mich pflegte als ich krank in ihres Vaters Hütte lag ; das mir den Weg nach Lichtenstein zeigte . « Marie wandte sich um und ergriff gütig ihre Hand ; das Mädchen zitterte , und ihre Wangen färbte ein dunkles Rot ; sie öffnete ihr Körbchen und überreichte ein Stück schöner Leinwand und einige Bündel Flachs , so fein und zart wie Seide . Sie versuchte zu sprechen , aber umsonst , sie küßte die Hand der jungen Frau , und eine Träne fiel herab auf ihren Ehering . » Ei , Bärbele « , schalt Frau Rosel , » sei doch nicht so schüchtern und ängstlich ; gnädige Fräulein - wollte sagen , gnädige Frau , habt Nachsicht , sie kommt selten zu vornehmen Leuten . Es ist niemand so gut , er hat zweierlei Mut , heißt es im Sprüchwort : das Mädchen kann sonst so fröhlich sein wie eine Schwalbe im Frühling - « » Ich danke dir , Bärbele ! « sagte Marie , » wie schön deine Leinewand ist ! Die hast du wohl selbst gesponnen ? « Das Mädchen lächelte durch Tränen ; sie nickte ein Ja ! - zu sprechen schien ihr in diesem Augenblick unmöglich zu sein . Der Herzog befreite sie von dieser Verlegenheit , um sie noch in eine größere zu ziehen . » Wahrhaftig , ein schönes Kind hat Hanns der Spielmann « , rief er aus , und winkte ihr näher zu treten ; » hoch gewachsen und lieblich anzuschauen ! schaut nur , Herr Kanzler , was ihr das rote Mieder und das kurze Röckchen gut ansteht ; wie ? Ambrosius Volland , meinst du nicht , wir könnten durch ein allgemeines Edikt diese niedliche Tracht auch bei unseren Schönen in Stuttgart einführen ? « Der Kanzler verzog sein Gesicht zu einem greulichen Lächeln ; er beschaute das errötende Mädchen mit seinen Äuglein vom Kopf bis zu den Füßen . » Man könnte zum Grund angeben « , sagte er , » daß dadurch eine Elle in der Länge erspart würde ; so gut Euer Durchlaucht vor einigen Jahren das Maß und Gewicht hat kleiner machen lassen , habt Ihr nach allen Regeln der Logika